Der „Bilaterale“ im Interview: Lüdeking dienstlich und privat

BotLüdekingAm 31. August nahm der gebürtige Dortmunder Rüdiger Lüdeking, Jahrgang 1954, seine Amtsgeschäfte als „bilateraler“ Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Belgien auf. Heide Newson befragte den „Newcomer“ nach ersten Eindrücken, seinem neuen Arbeitsgebiet und der europäischen Dimension seiner Mission.  „Belgien ist für Deutschland ein wichtiges Nachbarland, mit dem uns viel verbindet“, sagte der Diplomat zu ihr und fügte an: „Dabei habe ich den Eindruck, dass Belgien für viele Deutsche noch relativ unbekannt ist. Vielleicht liegt dies auch daran, dass die bilateralen Beziehungen so unproblematisch und so gut sind. Dabei können wir auf einem soliden Fundament gemeinsamer politischer Überzeugungen aufbauen. So eint Deutschland und Belgien beispielsweise das klare Bekenntnis zu Europa und zur Fortsetzung des europäischen Einigungsprozesses.

Belgien findet sich stets unter den zehn wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. 60 Milliarden Euro an Direktinvestitionen sind von Deutschland nach Belgien geflossen. Vieles läuft geräusch- und problemlos. Wo immer die Botschaft helfen kann, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu pflegen und auszubauen, werden wir das tun.“

Das Interview berührte dann die Probleme vieler Newcomer.

Heide Newson:
Wie steht es mit Ihren Sprachkenntnissen? Haben Sie zuvor nochmals die Schulbank gedrückt?

Botschafter Lüdeking:
Ich bedauere sehr, dass ich nicht die Gelegenheit hatte, Niederländisch zu lernen. Ich hoffe, das möglichst rasch nachholen zu können.

Sie ziehen in die Botschaftsresidenz in die Avenue de Tervueren. Sind die Koffer schon ausgepackt?

Nein, noch nicht. Aktuell werden in der Residenz noch einige Reparturen durchgeführt, die zur Erhaltung der Bausubstanz erforderlich sind. Meine Frau Susanne und ich hoffen, dann irgendwann im Oktober einziehen zu können. Meine vier Töchter gehen bereits ihre eigenen Wege und ziehen nicht mit ein. Drei von ihnen sind berufstätig, und die jüngste studiert augenblicklich in Köln.

Belgien hat sich bereit erklärt, 250 Flüchtlinge von Bayern zu übernehmen und setzt damit ein Zeichen europäischer Solidarität. Sehen Sie in der Flüchtlingskrise eine Möglichkeit zu noch besserer Zusammenarbeit, gibt es Gemeinsamkeiten?

Die Flüchtlingskrise bietet gerade ein Beispiel für das hohe Maß an Gemeinsamkeiten, das unsere beiden Länder verbindet. Im Zentrum stehen für uns zentrale Prinzipien: Zum einen müssen wir uns unserer humanitären Verantwortung stellen; wir müssen die Werte, auf die wir uns auch in der Europäischen Union verpflichtet haben, «leben». Jetzt können wir nicht einfach vor Menschen, die vor Verfolgung Krieg und Tod flüchten, die Mauern hochziehen. Zum Zweiten müssen wir in Europa solidarisch sein. Da geht es um Fragen wie Lastenteilung, die Schaffung einer gemeinsamen Asylpolitik oder die entschlossene Bekämpfung der Fluchtursachen. In all diesen Bereichen sehe ich ein breites Feld, wo Belgien und Deutschland sehr gut zusammenarbeiten können.

Der Nationalfeiertag zum 25jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung am 2. Oktober wird wird hier in Belgien von Ihnen mitgestaltet. Wie sehen Sie heute die Rolle Deutschlands in Europa?

Die deutsche Wiedervereinigung war ein Glücksmoment in der deutschen und europäischen Geschichte. Das 25jährige Jubiläum erinnert natürlich an die große Euphorie bei der Öffnung der Mauer, aber auch an die Opfer, die die Arbeit an der Einheit erforderlich machte. Dies alles hat die heutige weltoffene Haltung Deutschlands geprägt.

Kompromissbereitschaft gehört zum belgischen Charakter. Belgien ist also für Sie ein idealer Partner Deutschlands?

Zentral für unser Verständnis der Rolle Deutschlands in Europa ist die Verantwortung für das europäische Ganze. Gemeinsam mit unseren Partnern versuchen wir Lösungen für die anstehenden Probleme zu finden, bei denen wir manchmal für uns schwierige Kompromisse eingehen müssen. Dies gilt auch für die Vereinbarungen in der Griechenlandfrage: die Einigung kam im Konsens der Regierungschefs zustande. Belgien teilt diese Einstellung zur europäischen Konsens-und Kompromisslösung. Daher können wir mit Belgien in allen europapolitischen Fragen gut zusammenarbeiten.

Und was haben Sie als nächstes vor, als „Privatmann“?

Ich bin jemand, der das Private sehr schätzt, der auch gerne die Menschen, Städte und Landschaften «auf eigene Faust» entdecken und kennenlernen möchte. Meine Frau und ich werden sicherlich die Gelegenheit nutzen, Belgiens vielfältige Kultur und Naturschönheiten ganz privat zu erkunden. Das gilt auch für den ostbelgischen Teil, nicht zuletzt, da wir sehr gerne wandern, und uns gerne Kunst und Kultur ansehen. Schließlich hoffe ich auch, dass mir Zeit bleibt, um meinem Hobby, dem Radfahren zu frönen.

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