Ein Garten von burgundischer Fülle

Capture d’écran 2014-05-10 à 19.45.07Im Juli ist der Garten erwachsen. Alles blüht und grünt überschwänglich, der Fülle ist manchmal kaum Herr zu werden. Jedoch sieht sich die Hobbygärtnerin, der Hobbygärtner mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Es gilt Unkraut im Zaum zu halten, zu gießen und zu sprühen, zu düngen und verwelkte Blüten und wuchernde Triebe zu entfernen. Die von Ballast befreiten Rosen und Stauden bedanken sich oft mit einer zweiten Blüte.

Es ist ein großes Blühen im Garten im Monat Juli! Die Rosen blühen überschwänglich, die Taglilien leben ihren eintägigen Traum, die Gartenstorchenschnäbel überziehen die untere Garten-Etage mit allen Farben von Weiß bis aufregendem Pink. Blaue Blumen wie Tradescantien, Glockenblumen und Salbei kombinieren sich mit dem zarten Gelb des Frauenmantels und rufen Gärtners Entzücken hervor. Auch die Balkon- und Terrassengärtner erleben ihr farbiges Wunder und fragen sich angesichts der Fülle in den Gefäßen, warum nur sie so viele Pflanzen in Töpfen und Kübeln untergebracht haben. Doch gut so, wir leben schließlich in einem Land der burgundischen Fülle.

… mit einem grünen Kleide

Capture d’écran 2014-05-10 à 19.45.15So bedeckt, nach dem Lied: „Geh aus mein Herz …“, das Erdreich seinen Staub – immer dann, wenn der Gärtner schön gejätet und geharkt hat. Offenes Erdreich hat kein anderes Bestreben, als sich mit Grün gegen Austrocknung zu schützen. Dabei nutzt die Natur die Samen von Pflanzen, die wir Unkraut nennen. Ein wirksames Rezept: Bedecke das Erdreich mit wünschenswerten Pflanzen, kriechende Glockenblumen, Stachelnüsschen, Steinbrech oder Gartengeranien. Unkraut hat dann keine Chance mehr. Na ja, vielleicht mit einigen willkommenen Ausnahmen. Zwischen in reinem Sand verlegten Betonsteinen hat eine hohe Glockenblume genügend Nahrung gefunden, um seit Jahren unserer Sitzkuhle wirkungsvoll zu dekorieren!

Die Kunst des klugen Wässerns

Der Garten im Juli ist ein erwachsenes Wesen. Und bei Menschen soll im Erwachsenenalter, so meint die Medizin, schon der Verfall einsetzen. Aber auch der aufmerksame Gärtner, die sensible Gärtnerin sollte auf Anzeichen kaum wahrnehmbaren Mangels in ihrem Garten achten. Denn zeitiges Reagieren ist das Geheimnis des Erfolgs.

Rasensprengen ist eine vermeintlich leichte Übung. Doch wer kein Wasser verschwenden möchte, sollte sich am PC zur Langzeit-Wettervorhersage durchklicken: Selbst ein schon gelblich verfärbter Rasen lebt nach einigen nassen Tagen sofort wieder auf. Bei anhaltender Trockenheit aber muss gewässert werden, am besten nach Sonnenuntergang. Morgens besteht die Gefahr, dass die Feuchtigkeit auf dem Gras einfach verdunstet.

Stauden und Sträucher sollten gegossen und nicht mit dem Sprüher gewässert werden, sonst könnten – gerade bei schönem Wetter – unschöne Verbrennungen entstehen. Gießen sie nur die Wurzeln! Nützlich sind hier Bewässerungssysteme, die mittels kleiner Sprüher das Wasser auf der Erde verteilen.

Die Weisheit des Düngens

Capture d’écran 2014-05-10 à 19.45.26Falls Sie es versäumt haben sollten, Ihren Rasen im Juni zu düngen – dieses löbliche Tun kann nachgeholt werden, am besten mit lang wirkendem organischem Nährstoff und vor dem nächsten Regenguss. Die dicht bewachsenen Beete können bis zum Herbst warten, doch Balkonpflanzen oder Orangeriegewächse brauchen auch im Sommer Nahrung. Sie lieben Flüssigdünger, am liebsten häufige Gaben in niedriger Konzentration. Wer allerdings nicht täglich die Zeit für eine zärtliche Kommunikation mit seinen Schützlingen hat, sollte modernen Sorglos-Dünger in Form harzgeschützter Düngerkügelchen verabreichen. Da die Wirkstoffe abhängig von der Temperatur freigegeben werden, ist die Gefahr des Ausspülens bei Dauerregen gering.

Immer wieder Schneiden

Nach dem längsten Tag des Jahres kann man sich an den Schnitt besonders wüchsiger Pflanzen machen. Denn nach dem 21. Juni verlangsamt sich das Wachstum, und das Zurückschneiden beispielsweise der Kletterpflanzen, die im Juni dschungelgleiches Wuchern an den Tag legten, zeigt besseren Effekt.

Wichtig ist auch das Entfernen verwelkter Blüten. Zum einen gibt es die Aussicht auf eine zweite Blüte. Rittersporn, manche Glockenblumen und natürlich viele Rosensträucher erweisen sich als dankbar für den Rückschnitt. Zum anderen verhindert der Rückschnitt die Samenbildung und damit die Schwächung der Pflanzen. Der Juniwachstumsschub der einmal blühenden Kletterrosen muss ebenfalls gezähmt werden. Die Gartenschere hat also auch im Juli keine Ferien.

Ein neuer Teich

Capture d’écran 2014-05-10 à 19.45.33Seit Ende Juni ersetzt in unserem Garten eine große vorgeformte Plastikwanne die undicht gewordene Folie unseres früheren Teichs. Zwei junge, starke Männer haben sie an nur einem Vormittag in den Boden versenkt. Der Zeitpunkt war günstig, da die jungen Amphibien und Wasserinsekten wie Libellen nicht mehr dringend auf ihr angestammtes Biotop angewiesen waren. Allerdings hoffe ich sehr, dass ein Teil der Population in den Wannen mit ausgelagerten Wasserpflanzen gelandet ist. Langsam wird das Wasser warm und ich kann es wagen, die Pflanzen wieder einzusetzen. Drücken Sie mir die Daumen, dass sich schnell ein gutes biologisches Gleichgewicht einstellt. Denn es gibt nichts Schöneres als den Blick auf Wasser, in dem sich der Himmel spiegelt, ein beinahe spirituelles Erlebnis!

 

Text und Fotos: Heidrun Sattler


Heidrun Sattler ist begeisterte Gärtnerin und im Vorstand der Koninklijke Tuin- en Landbouwmaatschappij (tuinpunt), wo sie unter anderem die Verbindung zur Muttergesellschaft Groei&Bloei in den Niederlanden koordiniert.

Fotos von und aus dem Garten der Autorin

Erstveröffentlichung am 01. Juli 2013

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