Ein Bundesverdienstkreuz am 1. April

Von Jan Kurlemann.

Die Residenz des deutschen Botschafters beim Königreich Belgien in Brüssel bot den stilvollen Rahmen für die Überreichung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den Belgieninfo-Mitbegründer und Chefredakteur Rudolf Wagner.  Kolleginnen und Kollegen. Familie und Freunde nahmen an der freundlichen, unkonventionellen und fast familiären Zeremonie am Abend des 1. April 2019 teil und genossen Reden und Gespräche.

Deutschlands „bilateraler“ Botschafter Martin Kotthaus erinnerte daran, dass Rudolf Wagner zuvor auch den belgischen Kronorden erhalten hatte und dass an diesen Tagen die belgische Regierung ihre Mehrheit verloren hatte und zurückgetreten war. Sollten wir auch an diesem 1. April nach der Verleihung einer deutschen Auszeichnung mit einem weiteren Regierungszusammenbruch rechnen? In Deutschland sicher nicht. Aber für Großbritannien sei die Frage noch offen. (Es ging dann dort aber doch mit May & Co. weiter.)

Bottschafter Kotthaus, Autor Kurlemann

Ordensverleihungen bezeichnete Kotthaus als seine Lieblingsbeschäftigung als Botschafter – er stellte Wagner als „Ehrengast“ vor, und der ergänzte ihn bei seiner Ansprache ab und an.

Zur Person

Rudolf Wagner, 1941 in Berlin geboren, war als Kinderdarsteller in der Nachkriegszeit Mitverdiener der Familie. Er synchronisierte im Film „Bambi“ das Rehkitz und spielte u.a. im Berliner Hebbeltheater Kinderrollen, etwa als Pirat mit Horst Buchholz in „Peter Pan“, bevor der in Hollywood beim Film mit den „Glorreichen Sieben“ Karriere machte. Als 15-jähriger veröffentlichte er seinen ersten Artikel im „Tagesspiegel“. Später war er als Hörfunkkorrespondent des Hessischen Rundfunks für die ARD in Spanien und Portugal tätig. So konnte er am 23. Februar 1981 live vom gescheiterten Tejero-Putschversuch aus dem Madrider Parlament berichten.

Seine italienische Frau Perla lernte er in Spanien kennen. Die drei Söhne sind in Rom. Madrid und Brüssel geboren. Die Leitung des Europabüros in Brüssel für RTL-TV war seine letzte Verwendung als Fernsehjournalist

Belgien und Deutschland

Der Botschafter zitierte den RTL-Korrespondenten: “Deutsche verstehen Belgien nicht“. Das stimme auch umgekehrt. Rudolf Wagner habe es Menschen aus Deutschland erleichtert, sich in Belgien zurechtzufinden, und habe vielen Belgiern Deutschland nahegebracht. Feinheiten wie die Kompetenzabgrenzug zwischen Regionen und dem Aufbau des föderalen Belgien verstünden die Belgier oft selbst nicht. Das sei wie mit der Rolle des Bundesrates: wer kann sie schon verständlich in Deutschland erläutern?

Die Verleihungsurkunde

„Rudolf Wagner war und ist ein Brückenbauer“ sagte Botschafter Kotthaus und beglückwünschte ihn im Namen des Bundespräsidenten, bevor er dem Geehrten das Bundesverdienstkreuz am Jackettrevers anheftete. Die Anwesenden applaudierten herzlich und hoben ihre Gläser auf das Wohl des frischen Ordensträgers. In seiner Erwiderung dankte Wagner für die „Auszeichnung, die mich stolz macht und von der ich allen Mitarbeitern und Freunden von Belgieninfo.net ein Zipfelchen oder Eckchen abgeben möchte“.

Eine Rechenaufgabe

Vielleicht bliebe dann für ihn gar kein Orden mehr übrig, sinnierte Wagner, und stellte die Frage in den Raum, ob ein Leben ohne das Bundesverdienstkreuz lebenswert bleibe? Ja, antwortete er selbst, aber es sei doch schwierig… Und dann berichtete er von einem Galadiner, an dem er im Leihfrack teilgenommen hatte, an dem sich keine Orden befanden. „Hummel, hummel,“ wurde er begrüßt, weil es in Bremen und Hamburg im öffentlichen Dienst als unschicklich gilt, Orden anzunehmen. Also kann man auch ohne weiterleben.

Wagner plant, nach 15 Jahren die Führung von das Internetportal Belgieninfo.net zum Jahresende in andere Hände zu geben: Sandra Parthie soll es sein, die sich bei der nächsten Generalversammlung der asbl. der Neuwahl stellen will. Er möchte nicht mehr täglich am Computer sitzen. „Ich lobe mir unsere belgischen Freunde, Magrittes Töchter und Söhne, die ein paar Bewegungen auf Ardennenhügeln Ski Alpin nennen. Wir pflanzen bald wieder Tomaten auf dem Balkon, und Perla und ich bleiben in Brüssel.“

Die europäische Aufbruchstimmung 1982, bei seiner Arbeitsaufnahme, und der damalige Kampf gegen Euroskeptiker sind Wagner in lebendiger Erinnerung.Heute wollten nur noch wenige die EU als Friedensorganisation begreifen, als die er sie kennengelernt habe. Das Bundesverdienstkreuz „holt mir diese Zeit wieder zurück“, sagte er.

Wagner mit Karikaturist Quirit

Die Geschichte mit dem Stinktier

Und dann berichtete Wagner mit ernster Miene, dass er in eigener Verantwortung ein dekoratives und schmiegsames kleines Stinktier aus dem Antwerpener Zoo für Belgieninfo als Pate adoptiert habe, das nun einen Namen brauche. Man möge Vorschläge einreichen. Bloss bitte nicht den Namen Rudolf wählen!

Das war alles gelogen. Aber am 1. April ist alles möglich, auch bei einer Ordensverleihung.

Die Berichterstattung im Belgischen Rundfunk

https://brf.be/national/1268212/

 

2 Kommentare

  1. Uta und Norbert Bündgen schreibt:

    Lieber Rudolf,wir freuen uns mit Dir über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes,eine schöne Auszeichnung für Dein jahrelanges Engagement !
    Liebe Grüße aus Linz
    Uta und Norbert

  2. Alfons van Compernolle schreibt:

    Ja, es stimmt es gilt in der Freien und Hansestadt Hamburg als „unschicklich“ Orden anzunehmen. Die „Hamburger-Mentailitaet“ ist und war immer etwas andere als im Rest von Deutschen-Landen,was Hamburg zur Weltstadt mit Herz gemacht hat.
    Als echter Hamburger ( mit von Geburt an Belgischer Staatsbuergerschaft) kann ich nur sagen,
    Glueckwunsch zum Bundesverdienstkreuz.
    Wer es verdient soll es auch (in der Freien und Hansestadt Hamburg) bekommen und tragen.
    Ich hoffe nur, dass Sie auf der Begruessung „Hummel-Hummel“ , die passende Antwort gegeben
    haben. Hier in Gent, wo ich nun seit 2004 lebe , aber auch in Hamburg wird die EU doch als mehr
    als nur eine Friedensorganisation begriffen. Was das Belgische Staatsgefuege anbelangt , bin ich davon ueberzeugt, dass diese , wenn ueberhaupt, nur in Bruessel begriffen werden.
    Die Buerokratie ist eine typisch „Deutsche“ Erfindung, welche Belgien zu 200 % perfektioniert hat. Die bestehenden Probleme zwischen den belg.Regionen sind rein politischer Natur , dem gewoehnlichen Mitbuerger ist es ziehmlich egal von wo unser Mitbuerger kommt, er fragt nach Charakter ! Eben diese Einstellung / Ueberzeugung haben Hamburg und Belgien gemeinsam.

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