Ein bequem ersessenes Interview

071115_Lounge_Chair2Die bekanntesten Architekten und Gestalter – die Möbelfirma Vitra hat sie im Programm. In drei großen Schauräumen in Brüssel, Antwerpen und Gent darf man jetzt schon mal probesitzen. Wir fragten den Belgien-Chef Remy Schepens nach dem Konzept von Vitra.

Der lümmelige Lounge Chair von Charles Eames, Verner Pantons Classic-Stuhl, das lustig bunte Marshmallow-Sofa von George Nelson – Designermöbel zwar aus dem vergangenen Jahrhundert, aber sie machten Geschichte, wurden Klassiker, um die man sich reißt. Sie und viele andere ähnlich illustre Stücke führt der deutsch-schweizerische Möbelanbieter Vitra in seinem Programm. Das 1989 eröffnete Museum der Firma in Weil am Rhein, ein starkes Stück des amerikanischen Architekten Frank Gehry, wurde zum Santiago de Compostela der Liebhaber guten Designs. Wer sich die Originale nicht leisten kann, darf sie dort wenigstens in Augenschein nehmen oder als Modell kaufen, im Maßstab 1:6.
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Nachdem sich Vitra längst von Europa aus über die USA bis hin nach Melbourne, Singapur und Shanghai ausgebreitet hat, sollen auch die Belgier noch besser auf den Geschmack gebracht werden. Nach Antwerpen und Brüssel, wo erst im Sommer am Sablon-Platz ein neuer Vitra-Point eingerichtet wurde, steht jetzt der dritte Schauraum in Gent vor der Eröffnung. Belgieninfo.net fragte Remy Schepens, Belgiens General Manager, nach dem Alleinstellungsmerkmal von Vitra.

Herr Schepens, Sie sind der Belgien-Chef von Vitra, des weltweit bekannten Anbieters von Designmöbeln. Ist Vitra nun ein deutsches oder ein schweizerisches Unternehmen?

Global Player mit Sitz in Deutschland und der Schweiz

Schepens: Vitra ist ein Weltunternehmen, eine global company. Eine Produktion haben wir in Deutschland, in Weil am Rhein, Marketing und Finanzen sitzen in der Schweiz. Also könnte man sagen: ein deutsch-schweizerisches Unternehmen.

Vitra hat erst kürzlich in Brüssel, am Sablon, einen neuen Show-Room eröffnet, in Antwerpen haben Sie einen weiteren, in Gent wird gerade der nächste Vitra-Point eingerichtet. Was folgt noch?

Schepens: In Belgien haben wir keinen weiteren Vitra-Point geplant, dafür wäre der Markt nicht groß genug. Drei Vitra-Points reichen als Visitenkarte.

Was macht Vitra anders? Was unterscheidet Vitra von anderen Anbietern? Hat Vitra eine eigene besondere Philosophie?
Schepens: Die Antwort darauf kann nur komplex sein. Aber einfach gesagt, versuchen wir, Konzepte zu entwerfen, Möbel in gutem Design herzustellen, die das Leben der Menschen einfacher, kreativer und angenehmer machen.

Vitra hat nicht nur mit gutem Möbeldesign für Aufsehen gesorgt, sondern auch mit der spektakulären Architektur seiner eigenen Gebäude. Architekten wie Frank Gehry, Nicholas Grimshaw und Zaha Hadid haben für Vitra aufgerissen. Oder der Japaner Tadao Ando. Er hatte vorher in Japan sakrale Räume entworfen, Kirchen und Kathedralen. Deshalb hat Vitra ihn berufen, benachbart zum Museum in Weil am Rhein einen Konferenz-Pavillon zu gestalten, wo man sehr konzentriert arbeiten kann. Frank Gehry hat für uns sein erstes Gebäude in Europa entworfen, das Museum in Weil am Rhein.

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Der Stuhl ist nah am Menschen

Aber auch für Ihre Möbel und Inneneinrichtungen arbeiten bekannte Architekten.

Schepens: Viele Entwürfe für Vitra stammen von Architekten. Ein Designer ändert vielleicht eine Form, ein Material, ein Farbe, aber der Architekt fängt von Grund auf neu an mit dem ersten Aufriss. Und ich habe den Eindruck, dass gerade die Architekten zum Sitzmöbel eine sehr enge Beziehung haben. Kein anderes Möbel ist so nah dran am Menschen wie der Stuhl.

Auch die großen belgischen Architekten wie Van de Velde, Horta und Hankar haben Stühle entworfen. Haben die belgischen Kunden von heute ein bevorzugtes Design? Haben Belgier einen anderen Geschmack?

Schepens: In Bezug auf das Bürodesign kann man sagen, dass die Belgier seit etwa sechs bis sieben Jahren das open landscape, also die offene Büro-Landschaft, das Großraum-Büro bevorzugen. In Deutschland arbeitet man noch lieber in kleineren Büros. Im Heimbereich lieben die Belgier eher das Minimale, reduziertes Design, also Entwürfe etwa von George Nelson, Jasper Morrison, aber auch von Maarten Van Severen, dem einzigen Belgier, der Stühle für Vitra entworfen hat. Also, Minimalismus kommt gut an bei den Belgiern.

Was bedeutet Ihr neues Büro-Konzept Net n Nest?

Net 'n' Nest Office, Weil am ReinSchepens: Net kommt von Networking. Warum kommt man ins Büro? Um zusammen zu kommunizieren, Ideen zu haben, kreativ zu sein und soziale Kontakte zu pflegen, also networking zu betreiben. Man arbeitet im Großraumbüro, in einer dynamischen Umgebung, alle wissen, was gerade passiert. Doch von Zeit zu Zeit gibt es zu viel Kommunikation, so dass man sich nicht mehr konzentrieren kann. Dann braucht man einen abgeschlossenen Bereich. Und da hat man früher diese kleinen, geschlossenen Räume gemacht, mit Türen und Glas. Aber es macht keinen Spaß in einem solchen Aquarium zu sitzen. Dafür haben wir jetzt ein neues Programm. Also Möbel, die es ermöglichen, sich zurückzuziehen, etwa Sofas mit hohen Rücken, Elemente, in denen man sich konzentrieren kann, wie in einem Nest. Und dazu kommen entsprechende Farben, Grün, Braun, Rot, Farben aus der Natur. Net n Nest, beides gehört zusammen wie Rock n Roll.

Und die Möbel für zu Hause? Welches sind die Renner in Ihrem Programm?

Schepens: Unsere Stars, das sind schon seit Jahrzehnten vor allem die Möbel des amerikanischen Designer-Ehepaars Charles und Ray Eames.

Fotos:

Bild 1: Längst Klassiker: Lounge Chair von Eames

Bild 2: Remy Schepens: General Manager von Vitra Belgien

Bild 3: Augenfang: Gehrys Designmuseum in Weil

Bild 4: Net n Nest: Zusammen und doch alleine

Link: http://www.vitra.com/fr-be/living

Von  Thomas Brandenburg

Tags: Design

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