Ein Belgier als Gaucho

Ein Gitarrist aus Belgien, der unterdessen in Brüssel wie auch in Berlin zu Hause ist, entführt uns musikalisch in die argentinische Pampa und zu den Gauchos. Vorhang auf für Jeanfrançois Prins! Mit ihm unternehmen wir zu Beginn eine Reise an den Schwarzen Nil und fragen uns, warum es nicht der Blaue Nil ist, erleben mit „Zorro“ ein Mantel-und-Degen-Abenteuer, verbringen eine Nacht in der Pampa („Noche en Las Pampas“) und flanieren auf der „5th Avenue“.

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Das Repertoire der aktuellen CD besteht aus sechs Kompositionen von Prins („Wet“, „Zorro“, „Fifth Ave.“, „Noche en las Pampas“, „What?“ and „Futebol“), drei Stücken von Wayne Shorter („El Gaucho“, „Teru“ and „Black Nile“), zwei Standards („Spring is Here“ (1929) aus der Feder von Richard Rodgers und Lorenz Hart und „I’ll be Seeing You“ (1938), integriert in das Broadway Musical „Right This Way“) und einer Arbeit des Schlagzeugers Victor Lewis („I Wanted to Say“), der zur Band von Prins ebenso gehört wie der Saxofonist Rich Perry und der Bassist Joris Teepe.

Jazzige Nilreise

Mit „Black Nile“ eröffnet Prins sein Album und lässt uns an den weichen Klangwellen teilhaben, die er als Thema wie auch in seinen Phrasierungen anstimmt. Man kann sich als Zuhörer gut fallen lassen und mit geschlossenen Augen über den Nil schippern, derweil sich ein Teil der Band wie der Bassist Joris Teepe solistisch zeigt. Dabei interveniert Prins zu den tieftönigen Läufen mit kurzen Gitarrenattacken. Erst zum Schluss des Stücks bringt sich auch Victor Lewis am Schlagzeug mehr ins Spiel. Um die Frage „What?“ zu beantworten, ist auch der Saxofonist Rick Perry gefragt. Begleitet von Gitarrenläufen eröffnet Perry diese Komposition von Prins. Dumpfes Bassgezupfe ist ebenso zu vernehmen. Die virtuosen Gitarrenläufe lassen im Verlauf des Stücks an die musikalische Umsetzung von Zweifel denken, der beschwichtigt werden soll. Es scheint ein gewisses Hin und Her, in das sich auch der Bass über weite Strecken einmischt. Abschließend hat dann wieder Perry mit seinem Saxofon die Oberhand bei der Frage nach dem Was.

Zorro, der Rächer der Entrechteten, und der brasilianische Fußball

Nachfolgend erscheint musikalisch der Rächer der Entrechteten auf der Bühne. „Zorro“ zeigt sich. Dabei unterstreicht Prins mit seinem Spiel die Faszination, die für ihn von diesem Helden der „Mantel-und-Degen-Filmwelt“ ausgeht. Rhythmik und Harmonie suggerieren, dass Zorro durch die Nacht reitet, immer unterwegs, um die Rechte der Armen zu erstreiten. Schneidig sind die Gitarrenpassagen, die wir zu hören bekommen. So erleben wir musikalisch Zorro, den Mann mit der Gesichtsmaske und dem Talent, den Degen gekonnt zu schwingen.

Mit „Noches en Las Pampas“ bleiben wir noch ein wenig in Lateinamerika. Dabei ist nicht zu überhören, dass uns Prins einen Hauch von Bolero präsentiert, fernab vom berühmten Bolero Ravels! Als eine Hommage an den brasilianischen Fußball ist die Prins-Komposition „Futbol“ gedacht, obgleich die Nachfolger von Pele unterdessen längst entzaubert wurden, als die deutsche Nationalmannschaft bei der letzten WM einen historischen Sieg gegen die „Unbesiegbaren“ errang. Nein, Astrud Gilberto und Gil Gilberto gilt wohl nicht die Hochachtung von Prins. Eher muss man an Stan Getz und dessen Affinität zu brasilianischer Musik denken, wenn man sich in den Titel vertieft. Hört man nicht Dribblings, Spielverzögerungen und Flankenspiel, die da vom Saxofon musikalisch eingefangen werden? Wird der Gegner nicht durch Körpertäuschungen schwindlig gespielt? Mit dem Standard „I’ll be seeing you“ beendet Prins seine aktuelle, sehr gelunge Einspielung, die zwischen Latin Jazz und Jazz aus Europa changiert.

Info: Jeanfrançois Prins El Gaucho, Challenge Records | CR 73337

© ferdinand dupuis-panther

Tags: Jazz, Musik

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