Durchsichtkirche und Zweifelsgrenze -Kunstgang statt Kirchgang

Von Anne Kotzan.

Kunsthungrig geworden? Seit Wochen sind Museen und Ausstellungen sind ebenso geschlossen wie Restaurants und Kulturfreunde quasi auf erzwungener „Diät“. Da ist Kunst in der Landschaft unter weitem Himmel und mit frischer Brise eine empfehlenswerte, feine Alternative. Und wenn diese auch noch mit einer kleinen Wanderung durch Feld und Hain verbunden ist, außerdem gesund.

Wie wäre es mit einem Spaziergang zur „Durchsichtkirche“ (Doorkijkkerk) und einem Abstecher zur „Zweifelgrenze“?

Das sagt Ihnen, werte Leserinnen und Leser, wahrscheinlich nichts, aber vielleicht machen die vielsprechenden Namen der beiden Werke doch neugierig?

Lassen Sie uns mit der „Durchsichtkirche“ beginnen. Die Briten kürten sie 2017 zur schönsten Sehenswürdigkeit in Belgien, wie „The Guardian“ am 2. Mai 2017 berichtete. Im Sommer wird man ihr kaum allein gegenüberstehen, denn Touristen aus aller Welt versammeln sich hier. Die Chinesen waren so begeistert, dass sie 2015 in Changsha eine Kopie errichteten, aber leider, ohne zuvor die Künstler zu kontaktieren. Die können sich lediglich mit Oscar Wilde trösten, der befand, Nachahmung sei die aufrichtigste Form der Schmeichelei.

Das Architektenduo Pieterjan Gijs und Arnout Van Vaerenbergh entwarf dieses Objekt für z33.be und ihr Projekt von Kunst in der Landschaft in der Region Borgloon-Heers. So luftig leicht das 10 Meter hohe Bauwerk auch wirkt, es bringt gut 30 Tonnen auf die Waage, denn es ist aus Stahlelementen errichtet. Die spezielle Bauweise sorgt dafür, dass die Landschaft sowohl aus der Ferne als auch aus der Nähe immer in der gesamten Kirche sichtbar bleibt. Die Kirche ist also vorhanden, aber gleichzeitig in der Landschaft abwesend. Es ist ein verrücktes Erlebnis den Raum zu betreten und die durch die Konstruktion zerstückelte Landschaft zu betrachten. Der Blick in die Turmspitze täuscht ein festes geometrisches Formenspiel vor, das ins Unendliche zu reichen scheint.

Nüchtern betrachtet besteht der Bau aus hundert exakt gelaserten Stahlplatten. Das Kunstwerk wurde am 24. September 2011 eingeweiht. Die Künstler sind bestrebt, der Kirche keine vorgefassten Bedeutungen zuzuweisen. Sie geben auch keine religiöse Erklärung ab, verweisen auf die Kirche als kulturell wichtigen sowie leicht erkennbaren Raum und als Stätte der Begegnung. Das lässt bewusst Platz für Interpretationen und nicht umsonst ist der eigentliche Titel des Werkes “Reading between the Lines”.

Zweites Highlight des Spaziergangs ist die „Zweifelsgrenze“ (Twijfelgrens). Das aktuelle Kunstwerke von Fred Eerdekens ist ein überdimensionierter Schriftzug aus Stahl in der Landschaft, der vordergründig an das dreisprachige Belgien denken lässt, aber auch an alle Grenzen in der Welt bis zu den eigenen privaten, intimen. Grenze heißt abscheiden vom anderen, aber der Künstler wirft Zweifel auf unsere gezogenen Grenzen.

Hier die Route mit weiteren Informationen zu Heks und Umgebung

Fotos: Anne Kotzan

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