Drei Sterne für das Vier-Regionen-Haus

Capture d’écran 2014-06-22 à 16.02.13Es war ein feierlicher Moment, als die Fahnen der Partnerregionen und die Europafahne auf dem Dach des neuen Mehr-Regionen-Hauses gehisst wurden. Alles, was für den Hausbesitzer und die neuen Mieter Rang und Namen hat, war zur Eröffnung gekommen: der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, der Präsident der Aquitaine Alain Rousset, der Präsident der Emilia-Romagna Vasco Errani, der Marschall der Wielkopolska Marek Wozniak und auch der Wiesbadener Europaminister Jörg-Uwe Hahn. Natürlich war auch Kommissionspräsident José Manuel Barroso zugegen, der das Fest mit einer Ansprache eröffnete.

Etwa tausend EU-Honoratioren, Gäste und die üblichen Häppchenesser waren gekommen, um in der Rue Montoyer, 21 an Käseecken, leckeres Fleisch oder ausgesuchte Weine zu gelangen, die sie dann mit an die Brust gepresster Gabel im Gedränge verteidigen mussten. Wer essen will, muss atmen können, und wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass im neuen Mehr-Regionen-Haus gearbeitet statt gefeiert werden soll, dann ist er hier gelebt worden. In den acht Stockwerken ist nämlich viel Platz für Büros, aber für Empfänge dieser Art reicht er nicht. Also ein Punkt Abzug in der Bewertungsskala.

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Wahrscheinlich war aber das überlaufene gemeinsame Housewarming des hessischen Hausbesitzers und aller Mietparteien ein Trick der Wiesbadener Finanzbehörde. So kann die Landesvertretung in Brüssel mögliche hämische Seitenhiebe aus Bayern und Baden-Württemberg aushalten, die hochherrschaftlicher auftreten können. Offiziell heißt es trotzig: „Die Landesvertretung setzt in Brüssel Themen etwa durch große Veranstaltungen und bringt so die Sichtweise und Interessen des Landes in den EU-Entscheidungsprozess ein.“ Naja. Diesmal fehlten beim Würstchenessen die Messer. Die Bedienung kam nicht mehr durch.

Eher arbeiten sollen auch Verbände bzw. Unternehmen wie die Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main, die Metropolregion FrankfurtRheinMain, die Helaba, House of Finance und die Fraport, die alle Büros in der Landesvertretung eröffnet haben, und die teilweise in dem neuen Haus noch vergrößert wurden. Auch der Hessische Landtag hat seine Repräsentanz im neuen Mehr-Regionen-Haus eingerichtet; erstmals steht zudem im neuen Gebäude ein Büro für Landtagsabgeordnete zur Verfügung. Es rechnet sich also alles.

Das neue Haus

In einem EU-weiten Ausschreibungsverfahren hatte sich Ende 2011 das Angebot des „Montindu“-Konsortiums (Helaba, Belg. Projektentwickler Kairos, Bilfinger als Bewirtschafter) bei dem ausgeschriebenen Bau und Betrieb eines neuen Mehr-Regionen-Hauses mit Hessischer Landesvertretung durchgesetzt. Das neue Gebäude ist funktional ausgerichtet und umfasst auf acht Etagen 6.116 Quadratmetern Fläche inklusive aller Nebenflächen, mit Büro-, Veranstaltungs-, Konferenz- und Besprechungsräumen einschließlich der Dachterrasse.

Das Mobiliar der Hessischen Vertretung wie auch der Veranstaltungsbereiche entstammt zu 90 Prozent den Werkstätten der hessischen Justizvollzugsanstalten Butzbach und Kassel I. Das Gebäude entspricht modernsten energetischen Standards und wurde nach LEED (Gold) zertifiziert; dies ist das erste mit diesem Umweltstandard im Europaviertel in Brüssel. Im Gegensatz zum bisherigen Altbau ist das neue Haus barrierefrei und behindertengerecht.

 

Autor: Rudolf Wagner

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