Diesjähriger Brüsseler Autosalon unter dem Motto „Sanfte Mobilität“

Von Rainer Lütkehus.

2019 war mit über 315.000 Autos ein Rekordjahr für die Neuzulassung von Dienstwagen in Belgien. Auch die jährlich im Januar stattfindende Brüsseler Automesse „Autosalon“ hat ihren Anteil der Steigerung des Autoabsatzes. Der Autosalon, organisiert vom belgischen Automobilverband Febiac, findet unter dem Motto „Sanfte Mobilität“ derzeit zum 98. Mal und noch bis 19. Januar auf dem Messegelände Heysel auf 95.000 Quadratmetern statt. Eine halbe Million Besucher werden erwartet. Anders als bei den Automessen in Genf oder Frankfurt hat kein Aussteller abgesagt. 

Die Messe mobilisiert indes Autogegner. Eine Gruppe von Klimaaktivisten will am 18. Januar gegen die Kundenwerbung der Autohersteller protestieren. Sie argumentiert, die Autoindustrie habe bereits 2016 mit dem „Dieselgate“ die eigenen Kunden getäuscht. Nun wolle sie dies wieder tun, indem sie umweltverträgliche Mobilität verspreche. Auf der Eröffnung der Messe am 10. Januar nahm der liberale Verkehrsminister Belgiens, Francois Bellot, die Autoindustrie in Schutz: „Hören wir auf uns etwas vorzumachen, indem wir dem Automobilsektor die Schuld für alle Probleme geben“. Und Febiac-Präsident Philippe Dehennin, zuvor 22 Jahre in leitenden Positionen bei BMW tätig, geißelte das „Auto-Bashing“ und erklärte: „Wir entwickeln die aggressivsten Optionen für die Dekarbonisierung.“

Das muss die Autoindustrie jedoch erst noch beweisen. Denn laut neuester Statistik von Febiac steigen die CO2-Emissionen von in Belgien neu zugelassenen Fahrzeugen wieder: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Pkw mit Benzinmotor stieg 2018 im Vergleich zu 2017 um 1,5 Prozent auf 125,2 Gramm pro km, der von Pkw mit Dieselmotor um drei Prozent auf 116,5g/km. Das liegt vor allem am hartnäckigen Nachfragetrend für schwere Stadtgeländewagen, kurz SUVs („Sport Utility Vehicles“). Die hatten 2019 einen Anteil von 39 Prozent an den Pkw-Neuzulassungen in Belgien.

Diesen mit Verbrennungsmotor angetriebenen Gefährten, mit denen die Autokonzerne zurzeit noch einträgliche Gewinne erzielen, steht jedoch schon das Ende bevor. Dafür sorgt eine neue EU-Verordnung, die vorschreibt, dass Neufahrzeuge ab 2025 15 Prozent weniger CO2 ausstoßen müssen. Ab 2030 muss der CO2-Ausstoß von Pkw sogar um 37,5 Prozent niedriger sein. Für neu zugelassene Pkw sind ab 2030 nur noch 59g CO2 pro Kilometer erlaubt. Erreichen die Hersteller die Vorgaben für ihre Neuwagenflotten nicht, werden ihnen Bußgelder auferlegt. Für jedes Gramm mehr CO2, das pro Fahrzeug gemessen wird, sind 95 Euro Strafe zu zahlen.

Die neue Verordnung wurde nicht zuletzt wegen der „Schummelsoftware“ und des „Dieselgate“-Skandals notwendig und berechnet Abgase nun anders als bisher. Gemessen wird der CO2-Ausstoß nach dem Typenzulassung-Prüfverfahren WLTP („Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure“), das seit September 2018 EU-weit für Neufahrzeuge angewendet werden muss. Die neue Berechnungsmethode ist mit ein Grund dafür, warum die CO2-Werte steigen. Das haben auch Berechnungen der europäischen Umweltagentur zu den CO2-Emissionen des Straßenverkehrs in der EU ergeben. Lagen sie 1990 in Belgien noch bei 20 Millionen Tonnen, machten sie 2016 schon 26 Millonen Tonnen aus. Der Straßenverkehr ist für rund ein Viertel aller CO2-Emissionen verantwortlich.

2019 wurden insgesamt 550.003 neue Pkw in Belgien zugelassen. Laut aktueller Febiac-Statistik gab es 2018 2,6 Millionen Pkw mit belgischem Kennzeichen im Land. Davon hatten Hybridfahrzeuge einen Anteil von 1,6 Prozent und reine Elektrofahrzeuge von 0,2 Prozent. Das waren gerade mal 11.000 E-Autos. Zwar steigen deren Neuzulassungszahlen spürbar, aber von sehr niedrigem Niveau.

Die teureren E-Autos sind auch auf der Brüsseler Automesse zu sehen. Aber Sachverständige glauben, dass dem Elektroantrieb bald schon Motoren folgen werden, die mit Wasserstoff betrieben werden. Der Käufer ist verunsichert: Was soll ich kaufen? Einen mit Verbrennungsmotor, einen Diesel oder einen Benziner? Wer jetzt kein neues Auto braucht, wartet ab. Damit könnte die Rechnung der Automesse, den Absatz in Belgien zu steigern, diesmal nicht aufgeht.

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