Die Zelebration der „Palme des Nordens“

Von Reinhard Boest.

Was war in der letzten Woche die wichtigste Veranstaltung in Brüssel? Richtig: das traditionelle Grünkohlessen in der Niedersächsischen Landesvertretung am 18. Februar. Der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, hatte ein Einsehen und ging einem Terminkonflikt aus dem Weg. Woanders hat es bestimmt nicht besser geschmeckt.

So konnte die „Palme des Nordens“ ungestört zelebriert werden. Wie üblich war es proppenvoll mit vielen Gästen, prominenten und weniger Prominenten. Ehrengast war der EU-Kommissar für Haushalt und Verwaltung, Johannes Hahn.

Als Gastgeber ging Ministerpräsident Stephan Weil auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Niedersachsen und Hahns Heimatland Österreich ein: Niedersachsen ist weniger gefaltet, und es gibt in Österreich eigene Begriffe für Kartoffeln und Tomaten, aber nicht für Grünkohl…

Hahn wurde bei seinem Grußwort kurz ernst: mit Hinweis auf die andere wichtige Veranstaltung der Woche mahnte er, beim Europäischen Rat zu Ergebnissen zu kommen. Das kannten wir aus den Vorjahren schon von Hahns Vorgänger, nur mit einem anderen Akzent.

Ein Köm (oder mehrere, auf Wunsch) zur Verdauung

Wichtigster Sponsor war in diesem Jahr der Landkreis Emsland – als Lieferant für die Hauptspeise und den Köm (norddeutsch für Schnaps) zur Verdauung. Landrat Burgdorf nutzte die Gelegenheit, auch andere Vorzüge des Emslandes vorzustellen, das sich als „Bayern Niedersachsens“ versteht.

Nachdem sich alle mit Kohl, Kassler und Kochwurst gestärkt hatten (die als nachhaltige Alternative angebotene Sojawurst lief nicht so gut), kam der Auftritt von Günther dem Treckerfahrer alias Dietmar Wischmeyer. Die aktuellen politischen Entwicklungen in Berlin und Erfurt boten soviel Stoff für seinen gewohnt sarkastisch-launigen Vortrag, dass für die sonst vorherrschende Niedersachsen-Chronik weniger Zeit blieb als üblich.

Polit-Bekenntnisse, mehrfach umgeschrieben

Wie man hörte, musste der Vortrag wegen der sich überstürzenden Ereignisse auf den letzten Drücker mehrfach umgeschrieben werden. Alle bekamen dabei ihr Fett ab. Die sonst von Wischmeyer in Brüssel gewohnten Seitenhiebe auf die EU-Politik und ihre Akteure (Eurokraten) blieben fast ganz aus. Das lag vielleicht auch daran, dass die derzeit ranghöchste Niedersächsin in der EU nicht anwesend war.

Immerhin wissen wir jetzt, dass der niedersächsische Landmann seine EU-Förderung neben seinem umfangreichen Tagwerk im Stall und auf dem Feld mal eben ganz nebenbei mit der neuen „Brüssel-App“ abrufen kann; na also: geht doch!

Alles in Allem wieder eine gelungene Veranstaltung; Fortsetzung im nächsten Jahr.

Photos by @BrunoMaesPhoto

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