Die Nacht in der sich Kevin De Bruyne unsterblich machte

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Kevin De Bruyne als „Roter Teufel“

Kevin De Bruyne ist 23 Jahre alt, aber schon jetzt unsterblich. Der belgische Fußballnationalspieler („Roter Teufel“) hat sich in seiner Rolle als offensiver Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg unwiderruflich in die Geschichtsbücher des Fußballs eingetragen.

Freitagabend, 30. Januar 2015, 20.15 Uhr. Zur besten Sendezeit hat das Warten der Fußballfans ein Ende gefunden: die Rückrunde der Bundesligasaison 2014/15 beginnt mit einem Eröffnungsspiel, dessen zufällige Brisanz sich ein Krimiautor kaum besser hätte ausdenken können. Der übermächtige Tabellenerste FC Bayern München ist beim VfL Wolfsburg zu Gast. Neben der sportlichen Dimension spielen auch tragische Umstände eine Rolle. Und so sitzt an diesem Freitagabend nicht nur Fußballdeutschland vor dem Bildschirm, sondern auch Fußballbelgien. Wolfsburg gedenkt an diesem Tag des erst zehn Tage zuvor im Beisein der gesamten Mannschaft in Brüssel beerdigten Junior Malanda. Der belgische Profi, wie De Bruyne ein „Roter Teufel“ in der U21-Nationalmannschaft, war Anfang Januar auf der Autobahn A 2 an der Porta Westfalica bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen. Mit einer unter die Haut gehenden Choreographie und einem einminütigen Beifall gefolgt von einer Schweigeminute wird der Verstorbene gewürdigt.

Kevin De Bruyne wird seinem verlorenen Teamkameraden später einen ganz anderen Gruß hinterher senden, der ihn selbst in eine neue Sphäre der weltweiten medialen Aufmerksamkeit heben wird. In einem spannenden und hochklassigen Spiel, wie es auch die Bundesliga nur selten zutage bringt, kämpft Wolfsburg den Dauermeister FC Bayern mit 4:1 nieder. Kevin De Bruyne wird dabei zunächst seiner Rolle als verlässlicher Torvorbereiter gerecht und legt bereits in der 4. Minute mit einer beeindruckenden Übersicht dem Niederländer Bas Dost auf, der beherzt verwandelt. Nachdem sich die ungewohnt unter Druck stehenden Bayern immer mehr auf Nickeligkeiten verlegten, erhöht ebenjener Dost in der 45. Minute auf 2:0. Nachdem in der zweiten Halbzeit zunächst Weltmeister Sebastian Schweinsteiger für ein Foul an De Bruyne sogar die gelbe Karte kassiert, legt dieser erst richtig los. Mit zwei Traumtoren in der 53. und der 73. Minute, lediglich unterbrochen von einem Ehrentreffer durch Juan Bernat in der 55., überwindet er Welttorhüter Manuel Neuer. Kevin De Bruyne bestätigt alle großen Hoffnungen, die Belgier und Deutsche in ihn setzten.

Das „Kampfschwein“ und Klaus Allofs

Marc Wilmots, der auch in Deutschland durch seine erfolgreiche Zeit beim FC Schalke 04 als „Kampfschwein“ beliebte belgische Fußballnationaltrainer, hatte De Bruyne empfohlen, vom FC Chelsea aus, von wo er an Werder Bremen ausgeliehen, eigentlich sogar eher abgeschoben worden war, das Angebot aus Wolfsburg anzunehmen um Spielpraxis zu sammeln. Dass der von Werder nach Wolfsburg gewechselte Manager Klaus Allofs den Belgier nie aus den Augen gelassen hatte, sprach für sich. Während sich De Bruyne in Bremen offenbar nie richtig wohl gefühlt hatte (die Bremer Fans verhöhnten ihn phonetisch als „der Braune“), ist er in Wolfsburg absolut angekommen, wie er auch der belgischen Fußballzeitschrift „Sport/Voetbalmagazine“ verriet. Er lebt mit seiner Freundin im Niedersächsischen, hat Deutsch gelernt und lädt regelmäßig Freunde wie Familie aus seiner alten flämischen Heimat zu Besuchen der Bundesliga ein. De Bruyne präsentiert sich als durch und durch geerdeter Profifußballer, der nicht nur talentiert ist sondern sich auch alles abverlangt. Dabei war seine besondere Klasse schon als Jugendspieler beim KAA Gent und später bei KRC Genk erkennbar.

Nachdem sich Kevin De Bruyne schon bei Marc Wilmots nicht zuletzt während der WM in Brasilien unentbehrlich gemacht und Belgien auf Platz 4 der FIFA-Rangliste geholfen hatte, wird sein auf 22 Millionen Euro geschätzter Wert, für den er aus der Premier League zurück in die Bundesliga gekommen sein soll, noch einmal rasant ansteigen. Damit dürfte fest stehen, dass Wolfsburg nicht die Endstation für De Bruyne ist. Die bekannte Strategie des FC Bayern ist, ein solches Talent dem derzeit einzigen ernsthaften Konkurrenten VfL Wolfsburg einfach wegzukaufen. Aber auch andere Weltclubs werden spätestens seit gestern Abend ihr Augenmerk auf den jungen Flamen gelegt haben. Eine glänzende Zukunft liegt vor Kevin De Bruyne, die seinem ebenfalls hochtalentierten und sympathischen belgischen Landsmann Junior Malanda leider nicht mehr vergönnt ist.

Thomas Philipp Reiter

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