„Die ha’m ja ’ne Meise bei der iDSB“

Von Patrick Freyer & Julia Milis.

Dutzende Vogelhäuser an Schulen ausliefern, Schüler zum Forschen anregen und gleichzeitig die Meisenpopulation untersuchen ist der Gedanke hinter Xperibird.be, einem von Google unterstütztem Projekt, welches das Königliche Belgische Institut für Naturwissenschaften im Frühjahr 2016 initiierte. Das erfolgreiche Projekt resultierte aus zwei Projekten des Naturkundemuseums Brüssel: die Kamerabeobachtung der Wanderfalken auf der Domkirche (www.falconsforeveryone.be) und dem fahrenden Schülerlabor Xperilab.be. Kombiniert ergab sich daraus ein neues, universelles Projekt, an dem mehr Schüler denn je teilnehmen können. Die internationale Deutsche Schule in Brüssel war und ist noch dabei.

Jede teilnehmende Schule erhält kostenlos einen Meisennistkasten mit Infrarotkamera und Mini-Computer. Über die Kamera kann am Computer verfolgt werden, was in dem Nistkasten geschieht: wer wann nistet, welche Art ab und zu mal zu Besuch kommt, wann die Eier gelegt werden, und wie viele Vögel schlüpfen, überleben und schließlich flügge werden. Zur Verfügung gestellt wird den Schulen nicht nur ein Nistkasten, sondern auch der Zugang zu einem mehrsprachigen Portal, über das sich die teilnehmenden Schüler austauschen, Daten zu ihren Vögeln bereitstellen und Fragen an Experten richten können. Mithilfe der resultierenden Datenbank erhalten die Experten des Museums große Mengen an Daten über Meisen aus ganz Belgien. Registriert werden dabei Daten wie die Anzahl der gelegten Eier, der Bruterfolg und ganz wichtig, das Datum der Eiablage. Aus diesen ‚Big Data‘, die über einen langen Zeitraum hinweg gesammelt werden, können die Forscher Aussagen über die Auswirkung des Klimawandels auf Meisen treffen. Und unsere Schüler tragen aktiv zu dieser Forschung bei.

Was bringt uns die Forschung an der Schule?

Die Internationale Deutsche Schule Brüssel übernahm unter der Leitung von Frau Dr. Articus dieses Projekt. Die einheimische Tierwelt wird uns näher gebracht und der Biologieunterricht wird durch dieses wochenlange Experiment sehr anschaulich. Wir liefern nicht nur die wissenschaftlichen Daten an das Nautrkundemuseum in Brüssel, sondern üben uns auch in der Wissenschaftskommunikation – wir schreiben Beiträge für das Jahrbuch, den Elternrundbrief, die Homepage, führen die Grundschüler und posten regelmäßig die Neuigkeiten aus dem Nistkasten.

Schüler, Lehrer und Verwaltung der iDSB schlossen die kleinen Vögel schnell ins Herz und das Interesse an diesem Projekt stieg von Tag zu Tag. Wir, die Schüler aus der Oberstufe, die das Projekt von Anfang an verfolgt haben, teilen unser Wissen auch mit den Grundschülern, deren Begeisterung keine Grenzen kennt. Einige von ihnen wollten die Jungvögel bei ihren Flugversuchen nachahmen, was jedoch nicht ganz erfolgreich war. Besonders faszinierte die Grundschüler das plötzliche Verschwinden einiger Küken: Zu Beginn hatten wir 10 Eier, es schlüpften dann 8 Küken, von denen es fünf bis zum Ausfliegen schafften.

Was ist passiert?

Die Grundschüler wunderten sich ‚Was ist denn mit den anderen passiert?‘. Wir wussten selbst nicht, wo die letzten drei Küken abgeblieben waren – fraßen die Vogeleltern ihre toten Jungen auf? Schafften sie es, die Küken aus dem Nistkasten zu manövrieren? Es war schwer, die Grundschüler davon abzuhalten, nach den Vermissten im Garten zu suchen. Die Antwort kam, als wir den Nistkasten nach der ersten Brut säuberten: drei kleine Vogelleichen waren im Nistmaterial, von den Eltern dort hin gestopft. Aber pscht! – Wir wollen die Kleinen nicht allzu traurig machen.

Wie man sehen kann, hat dieses Projekt uns als Schulgemeinschaft ein gemeinsames Ziel und Interesse gegeben, unsere mütterlichen / väterlichen Instinkte geweckt und die Schule als Ganze näher zusammengebracht. Nun verfolgen wir bereits die zweite Brut in unserem frisch gesäuberten Nistkasten. Wir freuen uns über das tierische Interesse an unserer Schule- momentan nistet bei uns nämlich auch noch ein Entenpaar! Die Schule scheint also sehr beliebt bei der Vogelwelt… Schade nur, dass wir Schüler uns nicht immer im selben Maße von der Schule angezogen fühlen wie die Vögel…

Die Neuigkeiten über die zweite Brut können über unseren Blog verfolgt werden: http://xperibird.be/fr/blog/85/internationale-deutsche-schule-br%C3%BCssel)

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