Die Halle des Ruhms, eine Gemäldesammlung

Von Heleen Willemsen.

Man erwartet nicht, wenn man die Abfahrt von Pede verlässt, im größten Brüsseler Freilichtmuseum der modernen Kunst zu landen. “The Hall of Fame” oder die “Halle des Ruhms”, wie man den Ort nennt, besteht eigentlich aus Hunderten von Brückenpfeilern der Autobahn E19, auf die man legal Graffiti sprühen darf. Und es gibt richtige Kunstwerke dort. Automuffel fahren übrigens mit der Tram 81 bis zur Endhaltestelle Marius Renard und laufen dann ein paar Schritte.


(Red.) Mit diesem geringfügig korrigierten Beitrag von Heleen Willemsen setzen wir unsere Reihe der Berichte von belgischen Schülerinnen und Schülern der deutschen Sprache fort, die wir zu ihren Kenntnissen beglückwünschen und die wir ermuntern möchten, in ihren Anstrengungen nicht nachzulassen.


Am Rande des Teichparks (Parc des Étangs) in Anderlecht findet man eine unerwartete und unbekannte Kunstsammlung, aber sie ist sicher die Erwähnung wert. Wo normalerweise graue Brückenpfeiler stehen, begrüßen jetzt fremdartige Wesen und abstrakte Zeichnungen dich. Hier ist Graffiti nämlich legal und sehr willkommen. Diese Legalität gibt den Künstlern buchstäblich Zeit und Raum, sich auszuTramben, wodurch oft richtige Kunstwerke die Landschaft zieren. Verschiedene Stile stehen neben einander: abstrakte Kalligrafien, realistische Portraits, Schablonen, Karikaturen, … Es ist eine öffentliche Gemäldesammlung, die sich immer ändert. Die Graffiti-Künstler machen neue Zeichnungen über die alten, von den wir gelegentlich noch die Ränder sehen als Erinnerung. Manchmal ist es schade, wenn ein Bild verschwindet, aber die Flüchtigkeit ist typisch an dieser Art von Straßenkunst und dazu ist es ein guter Grund regelmäßig mal zu gucken. Wenn man Glück hat, kann man selbst einen Künstler an der Arbeit sehen.

Im April 2016 sind an einem Wochenende zwölf Pfeiler bemalt und besprüht worden von verschiedenen Brüsseler Künstlern, wie Hell’o, Eyes-B und Solo Cink. “Die Riesen von Anderlecht” war eine Initiative von Urbana, eine GoE, die Werbung für Kunst in der Stadt macht, für die 4. Edition des Kunstprojekts Itinérart. Vor allem das Portrait des Sängers Stromae von Steve Locatelli war sehr beliebt in den Medien. Man kann die schöne und originale Zeichnungen bewundern wenn man über die Marius Renardallee fährt.

Die Graffitipfeiler stehen in einer lebendigen Umgebung. Spaziergänger laufen herum oder lassen ihren Hund aus, Jugendliche sporten zusammen an den Kletterwänden in der Nähe und zwischen vier Pfeilern ist eine Piste für ferngesteuerte Kleinwagen, wo oft Leute spielen. Nach einem Spaziergang um die Pfeiler herum kann man im Teichpark spazieren gehen. Man kann übrigens nicht nur selbstständig die Zeichnungen entdecken, sondern auch eine Führung anfragen beim Dienst Tourismus von Anderlecht. Und wer wirklich nicht genug bekommen kann von Graffiti, ist in zehn Minuten mit der Tram (Linie 81) im Museum Haus der Künstler. Dort lehrt man u.a. über die Geschichte und Techniken des Graffiti.

Das nächste Mal, dass Sie in Brüssel sind, müssen Sie also sicher dahin fahren. Die Halle des Ruhms ist eine kleine künstliche Perle, die wenige Leute kennen. Es ist eine relativ unbekannte Seite von Anderlecht, aber unbekannt bedeutet nicht unbeliebt.

Alle Fotos: Jürgen Klute.

Tags: Graffitti

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