Die große Zeit der Stauden

Von Heidrun Sattler.

Es gibt zwei Gründe, warum dieser Bericht sich gleich zwei Monaten, dem Juni und dem Juli, widmet: Zum einen möchte ich im Juli Urlaub machen. Zum anderen ähnelt sich das belgische Gartenleben während dieser beiden Monate über weite Strecken. Umso leichter fällt eine „globale“ Entdeckungsreise durch mein grünes Refugium.

Nachdem uns im Mai und zu Beginn Juni die blühenden Sträucher erfreuten und die Rosen einen Höhepunkt erlebten, starten in diesen Wochen die Stauden durch, Malven und Lavaterasorten, Margeriten und Lupinen, Glockenblumen, von kriechend bis hüfthoch, Sonnenröschen (Helianthemum) und Purpurglöckchen (Heuchera), Sterndolden (Astrantia) und Kerzenknöterich (Persicaria). Und meine besonderen Lieblinge, die vielen Gartengeranien-Sorten.

Dazu kommen die Kurzlebigen und Zweijährigen wie Stockrosen, Akeleien und Fingerhut. Ihre Sämlinge tauchen überall im Garten auf, echte Wandergesellen. Jetzt ist der gute Moment, die jungen Pflanzen, die im nächsten Jahr blühen werden, gezielt zu suchen und dort einzusetzen, wo sie genehm sind. Vorsicht bei den Akeleiensämlingen, sie haben empfindliche, tiefe Wurzeln!

ür besondere Varietäten empfiehlt sich eine gezielte Aussaat, am geschicktesten in einem Frühbeet (-Kasten). Hier stellt sich jedoch heraus, dass die meisten Exemplare bis zur Blüte drei Jahre benötigen.

Einige Sonderfälle

Stauden erscheinen oft pflegeleicht, es gibt jedoch auch Gewächse, die anspruchsvoll sind, was ihren Standort angeht. So kommt der Sonnenhut (Echinacea) nur in der vollen Sonne zur Blüte, während der Phlox dort leicht Sonnenbrand erleidet.

Sonnenliebhaber der besonderen Art sind die Taglilien (Hemerocallis). Ich besitze sie in vielen Schattierungen, von weiß-grün über gelb bis pink und lila. Einige orange Exemplare haben sich auch eingeschlichen, obwohl sie ausgesprochen schwer zu kombinieren sind, am besten vielleicht mit höheren Gräsern.

Für diese dankbaren Liliengewächse ist der Name Programm. Jede Blüte überlebt nur einen Tag, doch dafür öffnen sich jeden Tag neue Trichter. Man kann sie viele Jahre an einem Ort lassen, wo sie mächtige Horste bilden können.

Inzwischen heben sich auch die letzten Knospen der Bauernpfingstrosen oder Päonie geöffnet und es wird Zeit, sich Gedanken über das Wohl dieser wertvollen Gartenpflanze zu machen. Anders als bei anderen Pflanzenfamilien haben die neuen Züchtungen keinen ihrer hohen Ansprüche ausmerzen können: Sonne, feuchter, kalkhaltiger Boden ohne Staunässe sind unabdingbar. Und sie hassen es, verpflanzt zu werden. Bauernpfingstrose ist gar kein schlechter Name, auch wenn die Erscheinung eher königlich ist. Doch gedeihen sie wirklich am besten auf richtig fetten, stark gedüngten Böden. Eine schwere Aufgabe auf meinem sandigen Heidegrund. Doch die wenigen Exemplare, die ich aus der Zeit meiner Urgroßmutter nach hier gerettet habe, möchte ich nicht verlieren. Den Lehm-Löss meiner Geburtsregion, wo sie ursprünglich wurzelten, versuche ich durch Bentonitgaben nachzuempfinden. Das Gesteinsmehl ist zwar schwer zu handhaben – feucht klebt es wie Pech – aber verbessert den Boden nachhaltig. Auch bei Rosen, Christrosen und bei Alpenpflanzen hat es sich bewährt, da es Dünger und Wasser festhält.

Auch für die meisten Clematis-Sorten empfehle ich eine Handvoll beim Einpflanzen. Wenn Sie dann noch etwas getrockneten Kuhmist zufügen, steht der Blütenpracht nichts mehr im Weg.

Wussten Sie, dass diese, auch Waldreben genannten Kletterer am liebsten einen kühlen, feuchten Fuß und einen sonnigen Kopf haben? Am Naturstandort wurzeln sie am beschatteten Waldboden und wachsen dann dem Licht entgegen. In meinem Garten gedeihen sie am besten im dichtbepflanzten Beet am Fuß der Rosensträucher.

Was liegt an?

Es ist viel zu sehen im Garten, aber es sind auch einige Arbeiten zu erledigen.

Viele Gartenbesitzer werden um ihren Buxus bangen. Nachdem sie vielleicht den Befall durch den Pilz mit dem schwierigen Namen Cylindrocladium buxicola im Griff haben, ist das Bekämpfen der verfressenen Maden des Buchsbaumzünslers nicht so einfach. Das Abschütteln der Raupen auf ein weißes Tuch ist nur der erste Schritt. Danach ist ein Spritzprogramm nach genauen Regeln vonnöten. Und dennoch gibt es keine Garantie. Im niederländischen Schlosspark von ’t Loo wurden die Beetumrandungen von vielen hundert Metern gerodet. Doch ist Ersatz nur schwer zu finden.

Die wahre Gärtnerin geht nie ohne Gartenschere ins Grün. Es gibt immer etwas zu schnippeln. Der Schnitt verblühter Rosenblüten bis zum nächsten Fünfblatt sichert neue Blüten, Kürzen der überhängenden Zweige von Sträuchern verschaffen den darunter stehenden Stauden Licht. Auch ist es jetzt an der Zeit, die langen Ranken der Glycinie zu stutzen. Aber erst nach dem längsten Tag, sonst wuchern sie munter weiter. Übrigens gilt diese Regel auch für viele Sträucher nach der Blüte.

Die Samenstände der frühen Stauden wie Rittersporn oder Frauenmantel (Alchemilla) können getrost entfernt werden, denn oft stellt sich noch eine zweite Blüte ein. Akelei und Fingerhut dürfen sich bei mir gerne aussäen, siehe auch oben!

Die Rasenpflege besteht aus regelmäßigem Mähen, aber Ende Juni kann eine erneute Düngergabe sicher nicht schaden. Jedoch sollte man damit warten, bis sich eine Regenperiode einstellt.

Ansonsten schicken die Spätsommerblüher ihre Versprechen optisch schon in den Garten, allen voran die Hortensien. Zu keiner Zeit sieht beispielsweise Hydrangea arborescens ‚Annabelle‘ so attraktiv aus wie jetzt im zartgrünen Kleid. Wer schlau ist, bringt schon jetzt Stützen an, und nicht erst, wenn in ein paar Wochen der erste schwere Regen die Blütenköpfe zu Boden drückt.

Ich wünsche Ihnen in dieser relativ ruhigen Gartenzeit schöne Stunden im Liegestuhl. Auch ich werde versuchen, gelassen und ohne den Drang, sofort wieder aufzustehen, meinen Garten genießen. Im August melde ich mich wieder mit neuen Impressionen und Anregungen.

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