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Der tragische Tod einer Brüsseler Institution

Von Heide Newson.

Der belgische Horeca-Sektor ist geschockt. Der Inhaber der Brüsseler Restaurants „Chez Léon“ und „Aux Armes de Bruxelles“, Rudy Van Lancker, ist tot. Es ist kaum zu glauben, aber leider wahr. „Le Patron“, wie ihn seine Angestellten liebevoll nannten, beging Selbstmord, und das in seinem geliebten Restaurant, im Herzen von Brüssel. Die näheren Umstände seines Freitods werden bislang unter Verschluss gehalten. Bekannt ist nur, dass die Polizei vor Ort erschien, die gesamte Belegschaft fassungslos ist und unter Schock steht. In fünfter Generation leitete Rudy das Chez Leon, das er zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1982 übernommen hatte. Stolz war er auf das Restaurant, das im Jahr 1893 von seinen Vorfahren gegründet worden war, und fortan mit Muscheln und Fritten Furore machte. Anlässlich des 100. Jubiläums des Fritten- und Muscheltempels gab Rudy ein Buch über die faszinierende Familiengeschichte heraus, in der es mitunter drunter und drüber ging. Aber bei Rudy lief alles wie geplant auf Erfolgskurs. Mehr und mehr entwickelte er zu einer gastronomischen belgischen Institution.

Im Jahr 2018 rettete er einen renommierten Gourmettempel, in dem König Leopold lll., Jacques Brel, Toots Thielemans, Johnny Halliday und andere Prominente zu den Stammgästen gehörten: „Aux Armes de Bruxelles“, gegenüber dem Chez Leon in der Rue des Bouchers. Dieses angesagte Brüsseler Restaurant, die sogenannte „alte Dame“ war in Konkurs gegangen und geschlossen. Ihre „Wiedergeburt“ wurde mit einem Empfang gefeiert, an dem auch kein Geringerer als Belgiens damaliger Außenminister Didier Reynders teilnahm. Reynders sprach von Nostalgie pur und einer gelungenen Renovierung.

Rudy, den die Instandsetzung weit mehr als eine Million Euro gekostet hatte, glaubte an den Erfolg seines geliebten Viertels und an den Erfolg der alten Dame im neuen Gewand. Aber der Corona-Lockdown, Reisebeschränkungen und das damit verbundene Ausbleiben der Touristen, Auflagen und vieles mehr waren für den bislang so erfolgreichen Brüsseler Gastronomen, schwer zu stemmen. „Ich habe während des Lockdowns 87 Prozent meines Umsatzes verloren,“ sagte er, und der sonst seit Jahrzehnten stets so fröhliche Rudy klang sehr traurig. Rudys Sohn Kevin, der seit Jahren im Chez Leon arbeitet, hält trotz tiefer Trauer das (Familien) Ruder fest in der Hand. Die bislang so erfolgreiche Familiengeschichte in der Brüsseler Gastronomie soll ihre Fortsetzung finden.

Und fortgesetzt werden sollen auch die Tradition und der Erfolg eines weiteren Brüsseler Restaurants: „La Taverne du Passage“, ein imposantes Art Deco Etablissement in der Galerie de la Reine, hat nach Schließung und Instandsetzung unter neuer Leitung wieder seine Türen geöffnet. Darauf haben nicht nur seine Stammgäste lange gewartet.

Eine andere Institution schließt dagegen gerade wieder, das über 130 Jahre alte Café Métropole an der Place De Brouckère. Schon einmal während der Corona-Pandemie war es vorübergehend geschlossen, jetzt ist der Mietvertrag ausgelaufen. Sein weiteres Schicksal ist offen, genauso wie das des gleichnamigen Hotels, das schon seit zwei Jahren nicht mehr geöffnet ist. 

One Comment

  1. Martina Ruschel

    Moi et notre entreprise Freizeitreisen KG nous exprimons nos condoléances attristées de la perte d’une institution en Rudy Van Lancker.
    Nous espérons bien que le fils Kevin sera assez fort pour surmonter cette perte irrémédiable et continuer le caractère de la restauration familiale.
    Martina Ruschel

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