Der neue Nachtzug Wien-Brüssel

Von Margaretha Mazura und Heide Newson.

Ab sofort fährt ein Nachtzug zwei Mal wöchentlich von Wien nach Brüssel. „Mit dem ‚Nightjet‘ bringen wir Europa den Nachtzug zurück und übernehmen mit unserer neuen Direktverbindung nach Brüssel aktiv die Verantwortung für den Klimaschutz,“ so Andreas Matthä, Chef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) nach seiner Jungfernfahrt-Ankunft in Brüssel.

Nach 17 Jahren, in denen geplagte Reisende von Brüssel nach Wien (und retour) nur mit mehrmaligen Umsteigen, auch nachts, den Bahnverkehr in Anspruch nehmen konnten, ist am 20.1. der erste “Brüssel-Express” pünktlich in der Midi-Station eingefahren. Am Sonntagabend hatte der Nachtzug Wien fahrplanmäßig um 20.38 Uhr verlassen. An Bord: ÖBB-Chef Andreas Matthä, österreichische sowie EU Abgeordnete, Martin Selmayr – prominenter EU-Botschafter in Wien, Lobbyisten und andere illustre Fahrgäste. Gut ausgeschlafen, entspannt und guter Laune, trafen sie wie geplant, und unter musikalischer Begleitung, um 10.55 Uhr in Brüssel ein. Begrüßt wurden sie von Sophie Dutordoir, CEO der SNCB, Belgiens Verkehrsminister François Bellot und einer großen Journalistenschar.

Problemlos sei die Fahrt verlaufen, bestens habe er geschlafen und freue sich nun in Europas Hauptstadt zu sein, so Matthä im Gespräch mit „belgieninfo“. Mit seinem unverkennbaren österreichischen Charme bedankte er sich bei den Zugbegleitern, die einen tollen Job gemacht hätten. Dabei sparte er nicht mit Lob. Auch Martin Selmayr hatte im Zug gut geschlafen und gefrühstückt, doch weniger zufrieden war er mit der Dauer: 14 Stunden, der Ankunftszeit: 11 Uhr, zu spät für Geschäftsleute, und der Tatsache, dass es im Zug kein WLAN gab (https://twitter.com/MartinSelmayr).

Dennoch – „die neuen Direktverbindungen werden weiter zur CO2 Reduktion beitragen,“ sagte Belgiens Verkehrsminister Francois Bellot. Während ein Flugpassagier auf der Strecke Wien-Brüssel 410kg CO2 verursache, seien es beim Nachtzug-Fahrgast nur 40kg CO2.“

„Vor allem für Schüler und Besucher, die das Europaparlament und andere EU-Institutionen in Brüssel hautnah erleben wollen sowie für Touristen ist diese Fahrt eine komfortable und umweltfreundliche Alternative zu Bus, Auto oder Flugzeug,“ so das begeistertes Fazit der Mitreisenden. Dabei kann man- je nach Geldbörse- ohne Umsteigen eine Nacht im Schlafwagen oder im Sitzwagen verbringen und hohe Hotelkosten sparen. Fahrgäste im Schlaf-und Liegewagen erhalten zudem ein Begrüßungsgetränk und ein Frühstück vor ihrer Ankunft in Brüssel. Tickets für den Sitzwagen sind ab 29,90 Euro erhältlich.

Für die Verbindung nach Brüssel arbeiten die ÖBB mit der belgischen SNCB zusammen. Die belgische Eisenbahn, so Unternehmenschefin Sophie Dutordoir, stelle nicht nur die Lokomotiven für die belgische Strecke, sondern auch Zugbegleiter und Lokführer. Auch der Ticketverkauf für die Strecke erfolge in Belgien durch die SNCB. Den Schienenverkehr auf kurzen und mittleren Strecken zum wirklichen Rückgrat der Mobilität in Europa zu machen, sei ein globales Projekt. In diesem Zusammenhang spiele Brüssel die Rolle einer echten Drehscheibe, die nun durch den Nightjet weiter gestärkt werde.

Die ÖBB haben vor drei Jahren das Nachtzuggeschäft der Deutschen Bahn teilweise übernommen und wollen dieses Netz noch ausbauen. Dabei bietet sich die SNCB als idealer Partner an. Mit mehr als 900.000 Reisenden pro Tag möchte die belgische Eisenbahn die Lösung für komfortable und nachhaltige Mobilität in Belgien sein. Derzeit investiert sie in ein kundenorientiertes Verkehrsmodell, pünktliche Züge in gutem Zustand sowie komfortable und funktionale Bahnhöfe stehen auf der Aufgaben- und Planungsliste.

Seit 2003 habe in Brüssel kein (Direkt-)Nachtzug mehr gehalten. Mit dem Nightjet werde ein neues umweltfreundliches Kapitel aufgeschlagen, der „Green Deal“ auf die Schiene verlegt, und zudem noch mehr österreichische Gastfreundschaft nach Brüssel gebracht, zeigte sich Verkehrsminister Bellot erfreut.

Die ÖBB gehören zu den wenigen Bahnunternehmen, die mit ihrer „Nightjet“-Marke auf grenzüberschreitende Nachtzüge setzen. Und damit eine alte Tradition aufrechterhalten. Der Ostende-Wien-Express wurde zum 1. Juni 1894 von der Internationalen Schlafwagen-Gesellschaft eingeführt und sollte vor allem britischen Fahrgästen einen direkten Anschluss nach Südosteuropa bieten. Für Sommergäste gab es Kurswagen nach Karlsbad, und später wurde die Linie nach Triest und Konstantsa (an Schwarzen Meer) ausgedehnt. In Wien gab es Anschluss an den luxuriösen Orient-Express. Wie überhaupt internationale Bahnreisen anfangs des 20. Jahrhunderts Luxus bedeuteten.

Wer allerdings heute nach Brügge oder Ostende fahren will, der muss in Brüssel umsteigen: denn der Nightjet hat hier Endstation – und Kurswagen nach Westflandern sind nicht vorgesehen.

 

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.