Der mysteriöse Garten von Antoine Wiertz

Von Heide Newson.

In einer grünen Oase inmitten des hektischen Europaviertels befindet sich ein mysteriöser Garten, nur 100 Meter vom Haupteingang des Europäischen Parlaments entfernt, auf dem Grundstück des ehemaligen Wohnhauses und Ateliers des belgischen Malers Antoine Wiertz. Seit seinem Tod im Jahr 1865 lag dieses Juwel in einem tiefen Dornröschenschlaf und war für die Öffentlichkeit geschlossen.

Am 1. September wurde er im Rahmen einer kleinen Zeremonie mit klassischer Musik und u.a. im Beisein von David Maria Sassoli, Präsident des Europarlamentes, geradezu wachgeküsst. Fortan lädt die meisterhaft gestaltete Gartenanlage mit ihren Bäumen, Bänken und Grünflächen zum Flanieren oder Entspannen ein. Der Garten beherbergt auch einige besondere Sehenswürdigkeiten, wie Skulpturen bedeutender europäischer Philosophen und Künstler und vor allem einen Musikpavillon im Stil des 19. Jahrhunderts, der bereits für Mittags-Konzerte genutzt wird.

Der sogenannte Bürgergarten entstand in Zusammenarbeit mit der belgischen Regierung und dem Europäischen Parlament. Auch das Haus des Künstlers soll nun renoviert und künftig als Begegnungsstätte genutzt werden. Nach Aussage der Verantwortlichen nimmt die Gestaltung des Wohnhauses aber noch einige Zeit in Anspruch, da es unter Denkmalschutz steht.

Auf Staatskosten

Antoine Joseph Wiertz, am 22. Februar 1806 in Dinant geboren und am 18. Juni 1865 in Ixelles verstorben, fiel bereits als Schüler durch sein künstlerisches Talent auf. In den Jahren 1835/36 schuf er in Rom sein monumentales Gemälde „Kampf der Griechen und Trojaner“. 1838 kehrte er in seine Heimat zurück und ließ sich erst in Lüttich, später in Brüssel als freiberuflicher Maler nieder. Sein größter Bewunderer war Leopold I., der ihn finanziell unterstützte. Auf dessen Wunsch baute man Wiertz im Jahr 1850 in Ixelles auf Staatskosten ein großes Atelier, das er persönlich, passend für seine gigantischen Gemälde, konzipierte. Wohnhaus, Garten, Atelier sowie seine gesamten Werke gingen nach seinem Tod testamentarisch wieder an Belgien zurück. Im Wiertz Museum, gleich neben dem ehemaligen Wohnhaus des Künstlers, sind seine Werke zu sehen. Coronabedingt ist das Museum, das seit vielen Jahren wegen fehlender Mittel vor sich hindümpelte, derzeit geschlossen. Fest steht, dass es nach Corona durch die wunderschöne Gartenanlage mit Picknickmöglichkeiten mehr Besucher anziehen wird.

Denn das neu gestaltete Paradies erfreut den Besucher nicht nur durch seine Schönheit, sondern auch durch hochwertige klassische Konzerte, die bis zum 30.Oktober montags bis freitags in der Zeit von 13.00 bis 13.30 Uhr stattfinden.

Info:

Das Konzert-Programm können Sie hier auf der Webseite des Europaparlaments finden.

Fotos: Heide Newson

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