Der letzte Versuch

Capture d’écran 2014-06-22 à 11.43.44Mit der Überschrift „Kongoboot Charlesville: Technische Untersuchungen und Verhandlungen laufen“ beginnt eine Pressemitteilung vom 23. April 2013, die belgieninfo vorliegt. „Watererfgoed Vlaanderen“ (Wassererbe Flandern) informiert darin über seine Aktionen zur Rettung der „Georg Büchner“, früher „Charlesville“, die im Stadthafen der Hansestadt Rostock liegt und über deren Trägerverein das Insolvenzverfahren eröffnet ist.

Hinter dieser Dachorganisation für Maritimes Kulturerbe und ihrem aktiven Präsidenten, dem Antwerpener Anwalt Eric Van Hooydonk, stehen 75 Organisationen mit Tausenden von Mitgliedern, die das Schiff erhalten und in seine Heimat zurückholen wollen.

Experten aus Belgien

Die Vereinigung besuchte zusammen mit einem belgischen Privatinvestor und drei technischen Experten vom 19. bis 21. April Rostock. Die Experten haben das Schiff gründlich untersucht und werden in den nächsten Tagen Berichte über seinen Zustand, eventuelle Asbestbelastung und nötige Investitionen vorlegen. Watererfgoed Vlaanderen bereitet seinerseits eine „Projektnotiz“ mit ausführlicher Begründung vor. „Darüber wird mit den deutschen und flämischen Behörden ernsthaft überlegt“, heißt es.

Verschrottung droht immer noch

Die Besprechungen mit den Beteiligten in Deutschland (Privatinvestor, Kulturerbe-Verbände und Insolvenzverwalter) hätten ergeben, dass dem Schiff „noch immer die Verschrottung droht“. „Bei einem illegalen Verkauf des denkmalgeschützten Objekts, welches damals für 1 DM erworben wurde“, könne „angeblich ein Betrag in Höhe von 900 000 € erhalten werden.“ Die „deutschen Behörden“ hätten „mehrmals zugesagt“, dass das Schiff für den Preis von einem symbolischen Euro an einen belgischen Übernehmer verkauft werden könne.

Auf eine „realistische Vorbereitungszeit“ drängt Watererfgoed Vlaanderen bei „deutschen und flämischen Behörden“. Erstmals seit vielen Jahren gebe es eine ernsthafte Perspektive für den Erhalt des „ikonischen Schiffs“ mit einer erheblichen Privatinvestition. Die Vereinigung wartet nun das Untersuchungsergebnis und die Übermittlung weiterer Unterlagen aus Deutschland ab. Sie hat den zuständigen flämischen Minister Geert Bourgeois gebeten, bei seinem deutschen Amtskollegen auf eine angemessene Chance für das Projekt zu drängen.

Ausblick

Eins ist deutlich: Insolvenzverfahren und Denkmalschutz beißen sich. Solange das Schiff unter Denkmalschutz steht, darf es nicht verkauft, wohl auch nicht als Insolvenzmasse verwertet werden. Wird der Denkmalschutz aufgehoben, ist alles möglich.

Dem heute insolventen Förderverein, der Eigentümer des Schiffs ist, wurde es von der Hansestadt Rostock praktisch geschenkt. Auf ihr Rückkaufsrecht hat die Bürgerschaft aber 2012 verzichtet. Bei Verwertung des Schiffes ginge der Resterlös jedoch nicht an den gemeinnützigen Verein, sondern an die Stadt, wie der Insolvenzverwalter erklärte.

Es ist zu hoffen, dass zwischen Denkmalschutz Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, der flämischen Regierung, Insolvenzverwalter, dem belgischen Privatinvestor und Watererfgoed Vlaanderen eine Lösung zur Rettung des erhaltenswerten maritimen Denkmals gefunden werden kann, ganz gleich, wo es später seinen Platz findet. Erste Voraussetzung dafür ist nun ein positives Urteil der Experten.

 

Autor: Jan Kurlemann

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