Der in der Sahne badet

karel1Von Rudolf Wagner.

 

Karel De Gucht ist in Belgien ein bekannter Mann mit schöner Karriere. Unter anderem war er von 2010 bis 2014  unter Präsident José Manuel Barroso EU-Handelskommissar. Das Brüsseler Mantra lautet: Wer aus der Kommission ausscheidet, hat es schwer, einen neuen Job zu finden, und braucht und bekommt bis heute ein Übergangsgeld von 100000 Euro im Jahr oder mehr.

Die Regel gilt für 16 frühere Kommissare, auch für diejenigen, die seit Jahren neue Beschäftigungsfelder in Politik und beim Lobbying gefunden haben. Karel De Gucht geht es anscheinend nicht so schlecht: Er hält hochdotierte Posten in Aufsichtsräten von Proximus und ArcelorMittal, bekommt aus seinen belgischen Ämtern ausreichend Pension und hat zugleich Anspruch auf fast 125.000 Euro EU-Übergangsgeld pro Jahr. Man hat nicht vernommen, dass er diese kleine Unterstützung abgelehnt hätte.

Tausende Belgier hatten sich einmal Fortis-Aktien gekauft, um ihren Lebensabend zu sichern. Im November 2008 kollabierte das Unternehmen, wurde verstaatlich und zum Gewinn der Staatskasse verkauft.  Tausende Belgier beklagten den Totalverlust der für sicher geglaubten Investitionen. Nur einer der Aktionäre (genauer: die Aktien hielten seine Frau und der Schwager) bekam rein zufällig am Abend vor dem Crash Besuch von seinem Sparkassenleiter, verkaufte die Familienpapiere weit nach den üblichen Öffnungszeiten der Bank und sicherte sich so mehrere 100000 Euro: Karel De Gucht, damals belgischer Außenminister.

Bleibt aktuell zu vermelden, dass Karel De Gucht, als er noch EU-Chefunterhändler für das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) war, nachdrücklich den Standpunkt vertrat, dass dieses Abkommen ein Wachstumsmotor sei, der neue Arbeitsplätze schaffe. Er selbst hat nun keinen mehr nötig.

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