Der grausame Caligula kommt ins Kloster

Von Sibylle Schavoir.

Das ehemalige Zisterzienserkloster in Villers-la-Ville im wallonischen Brabant, gegründet im Jahr 1146 vom hl. Bernhard von Clairvaux, zieht jährlich tausende von Touristen an. Ebenso groß ist auch der Andrang von Touristen und Besuchern, wenn, seit nunmehr 32 Jahren, im Juli und August in der uralten Kloster-Ruinenstadt wieder eine der lang erwarteten Theateraufführungen unter der Regie von Patrick de Longrée stattfindet. Es ist immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis für die Besucher, wenn sie inmitten dieser einzigartigen Ruinenkulisse ein Schauspiel von ganz besonderem Reiz erleben dürfen.

Seit nunmehr 1987 führt Patrick de Longrée Regie der Theateraufführungen in Villers-la-Ville. Von Shakespeare, Molière, Racine, über Amadeus, dem James Bond Thriller „Im Namen der Rose“ bis hin zu Caligula, die Angebote sind vielfältig und die Themen sehr unterschiedlich. Begeistertes Publikum gibt es auch, wenn hunderte von Stimmen „La nuit des choeurs“ bringen. Die Klostermauern scheinen zu vibrieren, wenn der gewaltige Chor erklingt.

Mit dem diesjährigen Theaterstück „Caligula“ nach dem Werk von Albert Camus, begibt sich Patrick de Longrée auf ein ganz neues Gebiet. Das tut er gerne. Neues wagen und die Zuschauer herausfordern. Manche Besucher könnten enttäuscht sein, denn Camus ist kein Klassiker. Aber, so Patrick de Longrée, die Reservierungen für das Stück laufen schon an und die Anfrage ist nach wie vor sehr groß. Er sieht keinen Unterschied zu den klassischen Theaterstücken. „Das Publikum kennt mich. Sie vertrauen mir und wissen, dass ich Anregungen und Freude bringen will. Daher kann ich es auch wagen, mal etwas Neues zu bringen. Caligula ist als Theaterstück rigoros, also ziemlich „streng“, aber was für ein gewaltiger Text, geschichtsträchtig und eindrucksvoll“.

Caligulas Kosename „Stiefelchen“?

Als Caligula noch ein niedliches Kleinkind war, nahm sein Vater, Oberbefehlshaber Germanicus, seinen Sohn mit zu den Truppen. Die Rheinlegionen fertigten damals für das Kind Stiefel an, lateinisch caliga. Und da er noch ein kleines Kind war, bekam er den Kosenamen caligula, Stiefelchen. Aber am erwachsenen Caligula war nichts mehr niedlich. Wie sieht nun Albert Camus, der französische Schriftsteller, das Leben vom Kaiser Caligula? Camus hat zwei einschneidende Änderungen an der Person Caligula in seinem Theaterstück vorgenommen: Albert Camus will die Hässlichkeit Caligulas und seine Grausamkeiten mildern. Er will Caligula über seinen Tod hinaus weiterleben lassen und lässt in einem Epilog folgendes sagen:

Nein, Caligula ist nicht tot. Er ist da, er ist noch immer da. Er ist in uns. Hätten Sie Macht, so würden sich der Engel und das Biest, das in Ihnen schlummert, auch entfesseln.

Und Caligula hatte Macht, die er aufs grausamste ausnutzte. Nach dem Tod seiner Schwester und Geliebten Drusilla ist er erfüllt von Hass und Perversion. Er verschließt sich vor dem Leben. Er verachtet Liebe und Freundschaft und zerstört Werte wie Menschlichkeit und Solidarität. Aber man kann nicht alles um sich herum vernichten wollen, ohne sich dabei selbst zu vernichten. Schließlich wird er ermordet. Doch noch im Todeskampf verhöhnt er den Tod selbst, fordert ihn heraus, indem er ihn von seiner Unsterblichkeit überzeugen will. „Caligula ist Geschichte. Caligula ist Geschichte“. So lässt Albert Camus bereits im Tod Caligula Geschichte werden.

Camus Theaterstück hat vier Akte:

  1. Akt: Die Absurdität des Lebens
  2. Akt: Makabre Spiele
  3. Akt: Komplott
  4. Akt : Ende des Tyrannen

Wie immer bei den Aufführungen im Kloster von Villers-la-Ville wird der Besucher das Theater nicht unbeeindruckt verlassen. Er wird etwas mitnehmen und sei es nur das Wissen, dass Hass und Missachtung der Menschlichkeit keine Lösung ist, um unser Leben erträglicher zu gestalten.

Aufführungen :

Vom 17 – 21 Juli 2018

Vom 24 bis 28 Juli 2018

Vom 07 bis 11 August 2018

Reservierungen: 070/224.304

 

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