Zwischen Leberblümchen, Teichfröschen und einer Fledermaus

Die Kamera unserer Gartenfrau Heidrun Sattler hat in diesen Tagen kaum Zeit, sich am Ladegerät zu erholen, so viel ist im kleinen Paradies in den Kempen zu sehen. Freuen Sie sich mit ihr.

Von Heidrun Sattler.

Auf dem Tisch an meinem Eingang dominiert noch Ostern, und das mit gutem Recht, da unser Pfarrer darauf hingewiesen hat, dass mit Ostersonntag die österliche Zeit erst beginnt und nach 50 Tagen an Pfingsten endet. Wahrscheinlich wird meine Dekoration nicht so lange vorhalten. Doch da im Garten selbst die Osterglocken noch auf sich warten lassen, tut das leuchtende Gelb des Ostertisches dem Auge wohl.

Blütenpracht mit Verspätung

Kaum hat sich zwei Tage lang kein Nachtfrost mehr spüren lassen, schon findet im Garten eine wahre Explosion statt. Endlich gibt es also Neuigkeiten zu berichten. Wochenlang zeigten die Sternmagnolien weiße Spitzen an den Knospen, jetzt öffnen sie sich mit einem Schlag. Nicht zu übersehen, die rosaüberhauchte Zierkirschen und gelbe Glöckchen der Scheinhasel (Corylopsis pauceflora), etwas bescheidener die Skimmien und Pierissträucher.

Es wäre doch wunderbar, wenn es – anders als im vorigen Jahr – warm genug für die Bienen würde, die ebenfalls aufbrechenden Pflaumen und Pfirsiche zu befruchten.

Die unteren Etagen

Eine wiederkehrende Freude sind die frühesten aller Bodendecker, die sogenannten Geophyten. Diesen Namen verwendet man für Pflanzen, die im Frühling auftauchen, zu einer Zeit, in der das Sonnenlicht eigentlich nicht für die Fotosynthese ausreicht. Sie speichern in ihren Überwinterungsorganen die Energie des Lichts aus dem Vorjahr. Da ich dem Grundsatz des bedeckten Bodens fröne, freue ich mich über Lerchensporn, Buschwindröschen, Hahnenfuß, Schlüsselblumen, gewöhnliches und Kaukasisches Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) und Gedenkemein (Omphalodes verna) ganz besonders. Wenn die großen Stauden und die Rosen dann ihren Schatten auf den Boden fallen lassen, verschwinden sie und werden vergessen. Nur manchmal, wenn ich beim Pflanzen ein Knöllchen des Lerchensporns ausgrabe, erinnere ich mich im Sommer oder Herbst daran.

Blaue Schätze

Sie hüten die Wasserreserven vom schnell austrocknenden Boden meines Gartens, die wintergrünen Teppiche des kleinen und großen Immergrüns, des Märzenveilchen oder des Polsterehrenpreis (Veronica umbrosa). Sie alle bedecken vorbildlich den sonnenbeschienen Grund zwischen Sträuchern und Bäumen, solange diese keine Blätter haben. Danach verschwinden sie wieder aus dem Blickfeld, da Spektakuläreres die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nicht polsterbildend, dafür blauer als alle anderen, ist das Leberblümchen, das inzwischen in Japan eine Kultpflanze ist und immens teuer sein kann. Neuzüchtungen können mehrere tausend Euro kosten. Rekord bisher ist 25.000 Euro für ein Pflänzchen. Meines jedoch ist eine ganz normale Hepatica nobilis und ist für weniger als 5 Euro dennoch eine wahre Schönheit.

Der Teich erwacht

Heute vollführte, als ich mich meinem Gartenteich näherte, der erste Teichfrosch einen hastigen Sprung ins kühle Nass. Auch die Wasserläufer sind schon wieder auf Insektenfang. Am Teichrand blüht die leuchtend gelbe Sumpfdotterblume (Caltha palustris). Noch ist das Teichwasser völlig klar, man kann gut bis auf den Grund sehen. Leider, mit steigenden Temperaturen, melden sich die ersten Sauerstoffproduzenten zum Dienst, in Form von wattigen Algen, bevor sie später von Sauerstoffpflanzen wie beispielsweise Elodea, der Wasserpest, abgelöst werden. Manchmal bleibt nichts anderes als Abfischen. Doch sollte man die Pflanzen am Teichrand liegen lassen, damit sich Käfer und ähnliches ins Wasser retten können. Das gilt auch, wenn der Teich Ende Mai, nachdem alle darin lebenden Tiere ihre Entwicklung durchlaufen haben, von Winterresten gesäubert wird. Dabei habe ich neben Käfern und Wasserschnecken sogar schon Teichmolche eingefangen. Diese vom Aussterben bedrohten Amphibien gedeihen allerdings nur in und an fischfreien Teichen.

Vögel und mehr

Vor einiger Zeit habe ich mich von englischen Fachleuten die Furcht nehmen lassen, Elternvögel würden bei längerer Fütterung ihre Küken unsachgemäß mit Körnern statt mit Insekten füttern. Am Nistkasten auf der Terrasse ist das schön zu bemerken. Die überanstrengten Eltern stärken sich am Streufutter, die Jungen bekommen tierisches Eiweiß. Ein besonderes Erlebnis ist es, wenn am Ende der Aufzucht plötzlich die Blaumeisen beginnen, Körner und Fett ins Nest zu tragen, ein Zeichen, dass die Meisenjugend kurz vor dem Ausfliegen steht.

Das Futterhäuschen ist allerdings auch bei ungeladenen Gästen sehr beliebt, ein Zusammentreffen der besonderen Art konnte ich vorige Woche beobachten: Ein Eichhörnchen im und zwei Tauben auf dem Vogelrestaurant, reichlich überfüllt das Ganze.

Carpe diem

Übrigens traf ich auf der Suche nach Inspiration auf meinen eigenen Aprilbeitrag aus dem Jahr 2013. Damals war es noch viel länger kalt und eher eines Spätwinters würdig. Freuen wir uns also über die warmen Temperaturen und genießen jeden Tag.

Hier noch eben die Überraschung des Abends: Gerade sah ich die erste Fledermaus durch die Luft flattern. Sie überwintern in der „spouwmuur“ (kein geeignetes deutsches Wort gefunden, vielleicht Hohlwand?) des Nachbarhauses, und sie zu wiederzusehen ist mir immer eine große Freude.

Ein Kommentar

  1. Was für ein hübscher und lehrreicher Artikel! Haben viele Anregungen daraus bezogen. Und jetzt schnell wieder in den Garten, um mich daran zu freuen, dass es dort durch den Regen der vergangenen Nacht wie verrückt knospt.
    Marion

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