Der Frühling kommt, die Märkte wachen auf…

Von Margretha Mazura.

Eines der typischsten belgischen Zeitvertreibe an Wochenenden bei schönem Wetter ist es, auf Flohmärkten zu “chinesern”. Dieses Nicht-Wort habe ich vom französischen Wort “chiner“ abgewandelt, das so viel wie “auf Altwarenmärkten herumsuchen und ab und zu etwas finden” bedeutet. Es kommt von den chinesischen Waren, die man auf Floh- und Antikmärkten finden konnte (und manchmal immer noch findet).

Wer allerdings hofft, die 2 Millionen Euro Ming-Vase als 5 Euro Schnäppchen zu finden, wird enttäuscht. Ist man jedoch etwas bescheidener, mit einem Flair fürs Gestrige im Heute, kann man immer noch wunderbare und wundersame Dinge finden: Val St. Lambert Kristall-Gläser und –Vasen; Silberbesteck und versilberte Teekannen, immer noch zu guten Preisen; echte Geschmeide oder falschen Vintage-Modeschmuck. Und ab und zu, mit etwas Glück, eine Klavier-Schlager-Partitur aus den 20er Jahren nach einem Design von Magritte – denn bevor er zum Surrealisten-Hype wurde, musste er sein Geld als Gelegenheitsdesigner verdienen, wie viele Künstler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Partituren werden zwischen 40 und 600 EURO gehandelt – und schon hat man im Wohnzimmer einen echten Magritte hängen.

Neben den Flohmärkten (oft “brocante” genannt), die das ganze Jahr existieren, selbst bei Minusgraden, ist die Frühlings- und Sommersaison auch für einmalige oder saisonale Märkte bekannt. Fast jede “Commune” von Brüssel hat so ihre Brocante-Wochenenden, nicht zu reden von den Wochenmärkten.

Hier eine kleine Liste der Antik- und Flohmärkte in Brüssel und Belgien – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Die “alten Bekannten” in Brüssel:

Jeden Tag 8 bis 13 Uhr: Place du Jeu de Balle, 1000 Brüssel (in den “Marolles”, einem der ältesten Stadtteile Brüssels). Hier findet man alles – und in den umgebenden Gassen gibt es mehr Geschäfte mit Galerien, Antiquitäten und auch Restaurants und letzte Relikte der “Estaminets”, wo am Sonntag live Musik gespielt wird.

Samstag-Sonntag: Place de Sablon, 1000 Brüssel. Dieser einstmals exklusive Antikmarkt hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Zahl der Stände nimmt ab, und die Preise sind immer noch gehoben – obwohl man auch dort noch Silber und versilberte Ware findet, und ab und zu einen hübschen Schmuckgegenstand. Auch rund um den Sablon gibt es Antiquitätengeschäfte und Restaurants, was ihn immer noch attraktiv für einen Samstags- oder Sonntagsausflug macht.

Andere, regelmässig wiederkehrende Märkte:

Kleiner Flohmarkt in Uccle/Bascule: 715 chaussée de Waterloo, 1180 Uccle

Alle Sonntage 8 – 15 Uhr (bis 28. Juli 2019); viel Krimskrams mit gelegentlichen schönen Kristallvasen; gedeckt, daher auch bei Schlechtwetter.

Alle ersten Sonntage im Monat:

Place Saint Lambert , 1200 Woluwe-Saint-Lambert
Von 8 bis 13 Uhr.
Das ist die Neuauflage des alten Place St. Lambert Antik-und Flohmarkts, als er noch wie ein Dorfplatz mit altem Baumbestand aussah. Jetzt hat man gerodet, aplaniert und einen modernen Parkplatz daraus gemacht. Der Charme fehlt, aber die Marktstände können noch immer für ein paar Überraschungen gut sein.

Avenue Herrmann Debroux, 1160 Auderghem
Von 6 bis 13 Uhr.

Von Ramsch bis erlesenes Porzellan alles zu haben.

Jeder zweite Sonntag im Monat:

Bd du Souverain
1160 Auderghem
Von 8 bis 13 Uhr
Ähnlich wie Herrman Debroux, ist hier Ramsch vermischt mit edleren Altwaren.

Jeder dritte Sonntag im Monat (bis 16. November):

Carrefour Auderghem
Boulevard du Souverain 240
1160 Auderghem
Von 6:30 bis 13 Uhr

Alle letzten Sonntage im Monat:

Avenue Herrmann Debroux (siehe oben)
1160 Auderghem
Von 6 bis 13 Uhr

Von 28. April bis 29. September jeden Sonntag:

Brocante de l’Excellence Uccle” – laut Werbung keine Kleider und Ramsch, nur “schöne alte Dinge”

Parvis St. Pierre, Uccle

Von 7 – 17 Uhr

Nautischer Flohmarkt: 19. Mai 2019

Jedes Jahr einmal findet man am Place du Châtelain Schlauchboote und Wasserski statt Autos. Aber neben dem sommerlichen Flair gibt es in den Nebengasse und der Rue de Bailli alte Dinge, Wurst und Käse aus den Provinzen, und improvisierte Barbecues. Convivialité pur.

Restliches Belgien:

Seit es den sonnigen Waterloo-Flohmarkt am Carrefour-Parkplatz nicht mehr gibt, muss man weiter reisen, um den langgesuchen Louis-Seize-Sessel oder die Leonor-Fini-Lithographie zu finden:

VILLERS LA VILLE

Parking Ruines de Villers La Ville
1495 Villers-la-Ville
Samstags von 6 bis 13 Uhr

Bis 26. Oktober

GOSSELIES
Chaussee de Courcelles 60
6041 Gosselies
Sonntags von 6 bis 14 Uhr

Mechelen

Einmal im Monat gibt es in der Nekkerhal in Mechelen eine grosse Wochenend-Brocante (Rommelmarkt). Die nächsten Termine sind: 13./14. April, 18./19. Mai, 15./16. Juni. ACHTUNG: Hier muss man 5 EUR Eintritt zahlen – dafür ist man wetterunabhängig.

Weiter weg von Brüssel gibt es auch noch interessante Entdeckungen zu machen:

Tongeren

Sonntag vormittags bis 13 Uhr verwandelt sich das Zentrum in einen Antikmarkt – und das schon seit Jahrzehnten. Von Möbel bis zu Gemälden, Haarspangen und anderer Bijoux, ist alles zu haben.

Fast jede Stadt hat ihren Flohmarkt, es ist unmöglich alle aufzuzählen; z.B. Antwerpen (Sonntags; einen “mixed market” mit Blumen, Büchern etc. auch freitags, entsprechend Freitagsmarkt genannt). Brügge hat einen Markt an Samstagen, Sonn- und Feiertagen; Liège am Freitag.

Genaue Information findet man auf: https://www.quefaire.be Leider nur auf Französisch und Niederländisch. Man kann auf “mettre en ligne” klicken, dann auf dem Menü “une brocante” wählen, und schon hat man eine ganze Liste von Flohmärkten.

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