Politik

Der belgische Zeitplan für die Corona-Impfungen ist kaum zu halten

Von Michael Stabenow.

Auch Belgien kommt mit den Impfungen gegen das Corona-Virus nur im Schneckentempo voran. Darin unterscheidet sich das Land nicht von den EU-Nachbarländern. Zu Jahresanfang hatte Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bei der Erläuterung der offiziellen Planung in Aussicht gestellt, dass im kommenden September rund acht Millionen Menschen – rund 70 Prozent der Landesbevölkerung – geimpft sein könnten. Wohlweislich hatte er damals auch zu bedenken gegeben, der Zeitplan sei nicht endgültig.

Die jüngsten Lieferengpässe bei den Anbietern sowie die Einschränkungen für den Impfstoff von Astra-Zeneca, der in Belgien bis auf weiteres nicht an über 55-Jährige verabreicht werden darf, haben die Planungen kräftig durcheinandergewirbelt. In welchem Umfang, darauf ließ sich Pierre Van Damme, Antwerpener Epidemiologe und Mitglied der belgischen „Impf-Taskforce“, nicht festlegen. Der Sender VRT zitierte ihn mit den Worten: „Wir können nur so schnell impfen, wie wir Impfstoff zur Verfügung haben.“

Belgien wird sich an den durch die Hersteller vorgegebenen, mehrwöchigen Zeitraum zwischen den zwei erforderlichen Dosen halten. Dafür müssen entsprechende Vorräte an Impfstoffen erstellt werden und man hat sich, auch mit Blick auf die Engpässe, entschieden jetzt erst einmal die zweiten Dosen zu verabreichen.

Van Damme sagte, allein bei der Qualitätskontrolle seien 700 bis 800 Schritte erforderlich, ehe Impfstoff geliefert werden könne: „Wir haben das unterschätzt und werden daher in den kommenden Monaten unsere Erwartungen anpassen müssen.“ Was das konkret bedeutet, erläuterte Van Damme nicht näher, sagte jedoch: „Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass wir für den Fall, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt doch mehr als genug Impfstoff zur Verfügung stehen sollte, in zwei Schichten arbeiten werden und zum Beispiel jüngere Menschen auffordern werden, sich nach 22 Uhr impfen zu lassen.“

Wie wahrscheinlich das ist, bleibt abzuwarten. Die am Freitag veröffentlichten Zahlen zum Stand der Impfungen weisen aus, dass bisher exakt 510.859 Dosen verabreicht wurden. 355.645 Menschen – 3,1 Prozent der Landesbevölkerung – haben die erste, weitere 155.214 – knapp 1,4 Prozent – die für den vollständigen Impfschutz erforderliche zweite Dosis erhalten. Während die Impfung der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in Kürze abgeschlossen werden soll, kommt auch die Impfung des Personals von Krankenhäusern voran.

Dieser Tage nehmen auch die quer über das Land verteilten Impfzentren die Arbeit auf. Dort sollen zunächst Ärzte und Pfleger die außerhalb von Kliniken arbeiten, die Impfung erhalten – die unter 55-Jährigen wohl den Impfstoff von Astra-Zeneca. Zu den vorrangigen Gruppen gehören ferner Menschen mit einer Behinderung. Offiziell ist geplant, dass die Gruppen der über 65-Jährigen sowie der zwischen 45 und 65 Jahre alten „Risikopatienten“ von März an geimpft werden sollen. Es soll eine schriftliche Aufforderung zur Impfung zwei Wochen vor dem dafür vorgesehenen Termin an alle Betroffenen per Post zugesendet werden. Eine freie Wahl des Impfstoffs soll es nicht geben. Ehe dann das Gros der zwischen 18 und 65 Jahre alten Bewohner – voraussichtlich von Juni an – geimpft werden kann, dürften vorrangig „an vorderster Front“ tätige Berufsgruppen wie Polizeikräfte und  Feuerwehrleute an die Reihe kommen. Forderungen, auch Lehrerinnen und Lehrer vorrangig zu impfen, haben bisher kein Gehör gefunden.

Insgesamt hat Belgien bisher 33,7 Millionen Impfdosen bestellt. Mehr ein Drittel – 12,5 Millionen – entfällt auf Pfizer und BioNtech, über 7,7 Millionen auf Astra-Zeneca sowie 5,8 Millionen auf Moderna. 2,9 Millionen Dosen soll der deutsche Hersteller Curevac liefern, dessen Impfstoff in der zweiten Jahreshälfte die Zulassung erhalten dürfte. Schon im April könnte dies beim Impfstoff des amerikanischen Produzenten Johnson&Johnson der Fall sein. Er soll fünf Millionen Dosen nach Belgien liefern. Bei dem Produkt von Johnson&Johnson soll eine Dosis reichen.

 Mit einer gewissen Sorge betrachten Virologen und Epidemiologen den Verlauf der Pandemie. Die Zahl der Neuinfektionen ist zuletzt im Wochenvergleich deutlich um 13 Prozent auf täglich 2.053 gesunken. Die Zahl der täglichen Aufnahmen von Covid-Patienten in die Kliniken blieb stabil bei 124, während durchschnittlich pro Tag 42 Menschen – zwei Prozent mehr als zuletzt – nach einer Infektion verstarben. Das sind an sich positive Signale. Andererseits greifen ansteckendere Varianten des Virus‘ weiter um sich. So stieg der Anteil der sogenannten britischen Variante gegenüber Ende Januar von 20 auf 34,4 Prozent; der Anteil der südafrikanischen Variante erhöhte sich von 3,4 auf 4,7 Prozent.

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