Das Inferno rückt immer näher

napoleon-500x325Zum Glück bedeutet Inferno nicht die Prophezeiung eines nahenden Weltuntergangs, sondern ist lediglich der Name des bevorstehenden monumentalen Schauspiels, welches am 18. Juni 2015 anlässlich der 200jährigen Gedenkfeier der Schlacht von Waterloo stattfinden wird. Ein Inferno war die Schlacht von Waterloo 1815 zwar, aber das Schauspiel in diesem Jahr soll im Gegensatz zu den bisherigen eher historischen und militärischen Veranstaltungen ein Fest voller Glanz, Show, Musik und viel Poesie sein.

Regisseur ist der Belgier Luc Petit, der viel Erfahrung mit Mega-Veranstaltungen mitbringt. Zwischen vier bis fünf Millionen stehen ihm zur Verfügung, nicht gerade sehr viel, wie er meint – um monumentale Szenen mit 200 Schauspielern, Tanz, Musik, Tambour, Trommeln, Gesang und Feuerwerk zu inszenieren. Ein Gedicht aus Victor Hugos Werk «Le Châtiment» (Züchtigung/Schuld) soll als Leitfaden durch die Veranstaltung führen. Bei Victor Hugo und Waterloo fällt jedem schnell das Gedicht … waterloo morne plaine… ein, aber Luc Petit hat sich das Gedicht «Expiation» (Sühne) aus Hugos Werk «Châtiment» ausgesucht. Das Buch wurde 1853 veröffentlicht, also viele Jahre nach der Schlacht von Waterloo. Die satirischen Gedichte dieses Werks belegen, wie sehr sich Victor Hugo mit der Schuld und der Sühne in seiner Epoche der Kriege auseinandergesetzt hat. Hugo sieht sich in seinem Werk als «freier» Dichter sozusagen in der Rolle des Vermittlers zwischen Schuld und Sühne. Man darf gespannt sein, denn das Schauspiel soll poetisch, ja romantisch sein. Trotz aller Schuld.

Am 18. Juni 2015 um 22 Uhr 30 wird Waterloo dann alles andere als eine morne plaine sein. 200 000 Touristen werden erwartet. 75 000 Plätze sind bereits verkauft, erklärt Etienne Claude, Direktor der ASBL Bataille de Waterloo 1815. «Darunter sind viele ausländische Touristen. Bustransporte ab dem Bahnhof Braine l’Alleud werden eingesetzt, um Verkehrsprobleme zu vermeiden, wenngleich genügend Parkplätze zur Verfügung stehen werden. Aber alles nur eine Frage der Organisation», beruhigt Etienne Claude.

Für den Regisseur Luc Petit ist es einfach «chouette» ein Theater inmitten der Natur zu veranstalten. «C’est un vrau cadeau pour moi», das ist ein wahres Geschenk für mich, meint Luc Petit. Es wird noch viel Arbeit geben in Waterloo, denn die Darstellung soll für den Besucher ein unvergessliches Erlebnis werden. Unvergesslich und traumhaft, denn dieses Mal hat die Poesie das Wort.

Sibylle Schavoir

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