Daniel Barenboim spielt auf belgischem Flügel

Daniel-Barenboim-at-Tate--007(Red. Das Konzert musste wegen Erkrankung Barenboims abgesagt werden. Wir haben den Vorbericht dennoch beibehalten.)

Von Egon C. Heinrich

Sechzig Jahre nach seinem ersten Solo-Klavierkonzert im Palais des Beaux-Arts (BOZAR) in Brüssel wird der weltberühmte Pianist und Dirigent Daniel Barenboim am 6. Dezember ein Jubiläumskonzert im großen Konzertsaal Henry le Boeuf geben (Beginn 15 Uhr). Im Jahre 1955 war Barenboim gerade einmal 14 alt, als er dort als Solist auftrat. Damals wurde er vom Orchestre National de Belgique unter der Leitung von Pierino Gamba begleitet; er spielte Werke von Haydn, Mozart und Beethoven.

Der legendäre Dirigent Wilhelm Furtwängler sagte dem 1942 in Buenos Aires geborenen Barenboim eine blendende Karriere voraus. So ist es auch gekommen. Bereits im Alter von 25 Jahren wurde er Chefdirigent des Philharmonia Orchestra in London; es folgten Chefdirigentenposten beim Orchestre de Paris, bei der Opéra Bastille in Paris und beim Chicago Symphony Orchestra. Seit 1992 ist Barenboim nun ununterbrochen Gneralmusikdirektor der Deutschen Staatsoper Berlin. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass er neben dem Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, die dominierende Figur der so großartigen Berliner Musikszene ist.

Im Jahre 1999 gründete Barenboim zusammen mit dem amerikanisch-palästinensischen Schriftsteller und Philosophen Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra. Das Besondere daran ist, dass in diesem Orchester junge arabische und israelische Musiker zusammen üben und auftreten. Barenboim hat für die Proben dieser Musiker eine Akademie in Berlin gegründet, die aus deutschen Mitteln finanziert wird.

Jubiläumskonzert im Palais des Beaux-Arts

Daniel Barenboim hatte von sich aus den Wunsch geäußert, sechzig Jahre nach seinem ersten Auftritt ein Jubiläumskonzert in Brüssel geben zu wollen. Offenbar ist ihm sein Konzert von 1955 in dem schönen Konzertsaal in sehr guter Erinnerung geblieben. Der für Musik zuständige Direktor des BOZAR, der deutsche Ulrich Hauschild, erklärte aus Anlass dieses besonderen Konzertereignisses: „Es ist ein wirklich großes Glück für BOZAR, mit einem so bedeutenden Künstler und Humanisten ein so wichtiges Jubiläum feiern zu können.“

Mit der Bezeichnung „Humanist“ will Hauschild ganz offenbar auf das Engagement Barenboims für die Aussöhnung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarländern, vor allem den Palästinensern, hinweisen. Das West-Eastern Divan Orchestra ist dazu sein wohl bekanntester konkreter Beitrag. Leider kann auch die Musik die politischen Differenzen im Nahen Osten nicht überwinden. Jedenfalls ist Barenboim bei den Politikern der israelischen Regierungsparteien gar nicht beliebt, er gilt ihnen als „zu.palästinenserfreundlich“-

Am 6. Dezember wird Barenboim erstmals auf einem speziell für ihn von dem belgischen Klavierbauer Chris Maene angefertigten Konzertflügel spielen. Und dies kam so: Barenboim gab 2011 in Siena ein Konzert auf einem restaurierten Flügel von Franz Liszt. Er bemerkte den fundamentalen Unterschied im Klang zwischen diesem Flügel mit parallelen Saiten und den modernen Flügeln mit gekreuzten Saiten. Er dachte danach an ein Instrument, das die Vorteile beider Systeme vereinen könnte. Die Firma Steinway & Sons empfahl dem Maestro, sich für ein solches Instrument an den Klavierbauer Chris Maene in Ruiselede (liegt bei Alter zwischen Gent und Brügge) zu wenden. Dieses von den Eltern des heutigen Inhabers im Jahre 1938 gegründete Unternehmen ist spezialisiert auf den Bau, Nachbau und die Restaurierung alter Instrumente, vor allem von Pianofortes und Cembalos. Die Firma beschäftigt zehn hochspezialisierte Mitarbeiter und gehört zu den weltweit führenden Betrieben für derartige Arbeiten.

So durfte Maene zum ersten Mal überhaupt den berühmten „Steinway No. 1“ – das sog. „Küchenpiano“ von 1836 – nachbauen. Maene fertigte auch ein Replikat von Beethovens “Broadwood-Pianoforte“ von 1817. Im Museum der Firma in Ruiselede kann man eine Sammlung von rund 200 historischen Keybords bestaunen; etliche wurden restauriert für Konzerte und CD-Aufnahmen. Maene ist auch die exklusive Vertriebsfirma für die Klaviere und Flügel von „Steinway & Sons“ für Belgien. Die beiden Söhne des 62 Jahre alten Seniorchefs werden das Unternehmen „Pianos Maene“ in dritter Generation weiterführen. Der Ausstellungs- und Verkaufsraum von 2000 qm in Brüssel befindet sich in der Rue de
l´Argonne in St. Gilles. Weitere Geschäfte betreibt Maene in Gent und Antwerpen. Inzwischen hat man auch die eigene Klaviermarke „Doutreligne“ kreiert.

Der Traum vom neuen Klavier wird wahr

Am 26. Mai dieses Jahres wurde in der Royal Festival Hall in London der neue, revolutionäre Konzertflügel „Barenboim-Maene“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Maene, Barenboim, dessen Techniker Michel Bandjes sowie Steinway haben dieses neue Instrument gemeinsam entwickelt und angefertigt. Barenboim erklärte in London: „Ich bin sehr glücklich, dass ich mit Chris Maene zusammenarbeiten konnte; er hat meinen Traum geteilt.
Ich bin verliebt in dieses Instrument und werde so oft wie möglich darauf spielen.“ Auf alle Fälle können die Musikfreunde das neue Instrument am 6. Dezember in Brüssel erleben.

Chris Maene gab folgenden Kommentar zu seinem neuen Geschöpf: „Mein Leben lang habe ich Replikate von legendären historischen Instrumenten angefertigt. Seit vielen Jahren habe ich davon geträumt, einen Konzertflügel der anderen Art zu entwickeln. Ich habe immer bedauert, dass die einzigartigen und vielfältigen Klangfarben der Instrumente des 19. Jahrhunderts verschwunden sind. Ich wollte daher ein Instrument bauen, bei dem ich meine Erfahrung einbringen konnte. Dank der Mitarbeit von Daniel Barenboim ist es gelungen, einen Flügel mit parallelen Saiten anzufertigen – ein Instrument für das 21. Jahrhundert. Ein Traum wurde Wirklichkeit.“

Am 6. Dezember, dem Nikolaustag, erwartet die Musikfreunde in Brüssel also ein besonderes musikhistorisches Ereignis und sicherlich ein einmaliger musikalischer Höhepunkt. Daniel Barenboim wird Klavierstücke von Beethoven, Schubert, Chopin und Liszt interpretieren.

Infos und Tickets:
Tel. 02-5078200 und www.bozar.be

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