Cyrano de Bergerac in Villers la Ville

Von Sibylle Schavoir

Wieder einmal ist es so weit, die Theatersaison im Zisterzienserkloster von Villers-la-Ville kann beginnen. Eröffnet wird sie am 16. Juli 2019 und geht bis zum 11. August 2019. Regisseur Patrick de Longrée ist sich der Gunst und der Vorfreude eines breiten, treuen Publikums sicher. Seine Theateraufführungen sind weit über die Grenzen Belgiens hinaus bekannt, die einzigartige Ruinenkulisse gibt jedem Schauspiel einen ganz besonderen Reiz. Auf stolze 33 Jahre kann Patrick de Longrée zurückblicken, in welchen er das Publikum mit ganz besonderen Aufführungen verwöhnt hat. Die Palette der gebotenen Schauspiele ist breit, vielfältig und die Themen sehr unterschiedlich. Und jedes Mal war das Publikum begeistert.

In diesem Jahr nun wird der Klassiker „Cyrano de Bergerac“ aufgeführt. Wer kennt dieses Stück nicht und denkt vielleicht, dass es eigentlich zurück in die Jahre unserer Schulzeit gehört. Aber nein, im Gegenteil. Es gewinnt gerade in unserer Zeit an Bedeutung. Unsere Welt ist geprägt von Äusserlichkeiten, Jung sein ist „in“, Schönsein noch mehr, kraftvoll und strahlend hat der Mensch zu sein. Poesie und Romantik finden wenig Raum in unserer schnelllebigen Zeit. So erscheint uns der sprachbegabte Cyrano de Bergerac fast wie aus einer anderen Welt, weil er aufgrund einer zu großen Nase befürchten muss, von der Angebeteten abgewiesen zu werden. Denn heute könnte er sich einfach die große Nase von einem Schönheitschirurgen operieren lassen und sich zu dem Idealbild umgestalten lassen, von dem er träumt. Cyrano hätte dann in unserer heutigen Zeit das Herz von Roxane sicherlich gewonnen. Aber legen die Frauen der heutigen Zeit noch Wert auf Poesie und blumenreiche Worte? Die Werte haben sich geändert. Heute ist Sicherheit, gutes Einkommen, sprich: „mein Haus, mein Auto, mein Swimmingpool“ von Bedeutung. Wird das geboten, dann können die Nase groß, die Beine kurz und der Kopf ein Glatzkopf sein. Sollte das dennoch trotz finanziell gesicherter Lage als störend empfunden werden, dann gibt es ja den Schönheitschirurgen.

An dem alten Klassiker „Cyrano de Bergerac“ kann man sich ergötzen oder man kann ihn auch mal kritisch hinterfragen. Stellt sich die Frage: Haben wir immer noch übertriebene Schönheitsideale? Zugegeben, wir sind sicher genauso wie früher auf die äußere Erscheinung fixiert. Doch es scheint sich etwas zu ändern. Eine neue positive Bewegung ist im Kommen, die da heißt: „I am as I am“ (Ich bin wie ich bin). Junge Menschen wollen erreichen, daß man sich so nimmt, wie man geboren ist. Und wenn sich der Trend durchsetzen sollte, dann wäre das ein großer Fortschritt.

Der Klassiker von Edmond Rostand ist ein Stück mit vielen Facetten, von menschlichen Abgründen und menschlicher Größe. Hätte Cyrano seine Nase operieren lassen, dann gäbe es den wunderbaren Klassiker nicht. Und das wäre schade. Es lohnt sich aus vielerlei Gründen, den Theaterabend in Villers la Ville zu erleben. Die Truppe spielt von Dienstag bis Samstag ab 21:00 Uhr.

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