Con Amore: Der Champagner-Rebell Hugo Claus

Von Margaretha Mazura.

BOZAR widmet 10 Jahre nach seinem Tod eine Ausstellung dem flämischen Schrifsteller Hugo Claus. Eine Ausstellung, die laut seinem Kurator, Marc Didden, nicht über Claus, sondern für Claus konzipiert ist. Ein langjähriger Freund des Poeten (im Katalog bezeichnet er sich als “Fran”, Freund und Fan in einem) gilt der Titel der Ausstellung der aus der Musik entlehnten Maxime von Claus: alles im Leben soll jederzeit con amore, mit Liebe, geschehen.

Didden zeichnet mit dieser Ausstellung ein sehr persönliches, individuelles Porträt des Künstlers, der neben seiner Schriftstellerei auch als Maler, Theatermann und Filmregisseur auftrat. Aber vor allem will er den Menschen Claus zeigen.

Claus wurde als ältester Sohn eines Druckers mit einem Fimmel fürs Theater in Brügge geboren. Seine Kindheit wurde durch den 2. Weltkrieg und die belgische Kollaboration mit Nazi-Deutschland geprägt, welche auch nicht vor seiner Familie halt machte. Diese Erfahrungen verarbeitete er 1983 in seinem wohl berühmtesten Roman, „Het verdriet van België”, auf Deutsch “Der Kummer von Belgien”. Sein Alter Ego in diesem Schlüsselroman, Louis Seynaeve, stellt sich der flämischen Bourgeoisie und der Heuchelei des Kleinbürgertums, Themen, die Claus ein Leben lang beschäftigten.

1947 werden seine ersten experimentellen Gedicht von seinem Vater gedruckt. Von 1950 bis 1952 lebt er in Paris, wo er sich den Künstlern der Gruppe CoBrA anschloss (der Name stammt aus den Anfangsbuchstaben der 3 Städte, aus denen die Gründer der Gruppe stammten: Copenhagen, Brüssel, Amsterdam). Claus befreundete sich vor allem mit Appel (Holland) und Alechinsky (Belgien).

Sein schillerndes Leben setzte sich durch die Bekanntschaft mit Schauspielerin und Model Elly Overzier fort, mit der er zwei Jahre in Rom lebte und die seine erste Frau werden sollte. Durch seinen römischen Aufenthalt lernte er die Film-Clique kennen, die ihn zu seiner Tätigkeit als Regisseur inspirierte. Dies wurde in den 70er Jahren durch seine Liebesaffaire mit Silvia Kristel, bekannt als „Emmanuelle“, verstärkt.

Claus war ein vielseitiges Enfant Terrible, mit Genie und Diziplin. “Er konnte über die dümmsten Witze lachen, und in der nächsten Sekunde Rilke zitieren” erzählt der Ausstellungskurator, dem Claus auch bekannte: „Ja, ich liebe Rebellen, und ja, ich liebe auch Champagner“.

Das Genie und seine Arbeitswut

Sein immenses Werk – Tausende Gedichte, 35 Theaterstücke und R,omane und 31 Übersetzungen aus dem Englischen, Lateinischen Griechischen und Spanischen, nicht zu reden von Liedtexten Opernlibretti und Drehbüchern zeugen von seiner Arbeitswut. Seine Themen widmeten sich sozialen Tabus: Inzest, Trunkenheit, Kindesmisshandlung, Brutalität. Aber er konnte auch mit augenzwinkerndem Schmunzeln agieren, wie eine Anekdote, erzählt vom Journalisten Guy Duplat, beweist: Claus organisierte die „Wahl zur Miss Knokke“, einem klassischen Schönheitswettbewerb mit spärlich bekleideten Damen. Aber er setzte eine Bedingung: Die Jury – alles Männer – sollte nackt auftreten.

Mit dem Bozar verband Claus eine lang andauernde Beziehung. Das erste Mal stellte er 1959 aus. 1968, als er sich auch in seinen Werken politisch zu engagieren begann, organisierte er eine Protestaktion gegen die Zensur im Bozar.

Claus wurde mehrmals für den Literaturnobelpreis nominiert, erhielt ihn jedoch nie.

So kontroversiell wie sein Leben war auch sein Tod: unheilbar an Alzheimer erkrankt, wählte er den Zeitpunkt seines Todes durch Sterbehilfe, in Belgien erlaubt. “Er, der leuchtende Stern, verliess uns zur rechten Zeit, bevor er in einem Schwarzen Loch kollabiert wäre”, benannte es der Ex-Premierminister von Belgien, Guy Verhofstadt, in seiner Gedenkrede. Claus wollte so sterben wie er gelebt hatte: bewusst und mit Würde.

Diesee Ausstellung im BOZAR ist ein emotionelles Zeugnis eines Menschen, der sein Leben lang nach seinen Maximen gelebt hatte – con amore.

Praktische Hinweise:
https://www.bozar.be/en/activities/132193-hugo-claus

WO?
BOZAR/Palais des Beaux-Arts
WANN?
28. Februar bis 27. Mai 2018

Eintrittskarten:
€ 8
6-26 Jahre und Arbeitslose, mittwochs: € 2

Öffnungszeiten:
Di-So, 10 bis 18 Uhr
Do 10 bus 21 Uhr
Mo geschlossen

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