Kultur, Ratgeber

„Come, take part and dream“ – Musiksaison 2022/23 im Bozar

Von Reinhard Boest

Aufatmen nach zwei Jahren Zwangspause

„Komm, nimm teil und träume.“ Das ist das Motto, unter das der Brüsseler Kulturtempel Bozar sein Musikprogramm in der Saison 2022/23 stellt. Die Direktion hatte den Europatag, den 9. Mai, gewählt, um in der Rotonde des Bozar das Programm der Presse vorzustellen. Nicht zufällig, denn es sollte symbolisch auch den Beitrag der Musik zur Verständigung zwischen Völkern und Menschen unterstreichen. Dass dieser Aspekt durch den russischen Angriff auf die Ukraine eine zusätzliche und tragische Aktualität gewinnen würde, war bei der Terminwahl nicht absehbar. In einer Welt, die seit Jahrzehnten von Konflikten zerrissen wird, können Künstler zum Dialog zwischen den Parteien beitragen, aber auch den Menschen Zuversicht geben. Dafür möchte ihnen das Bozar in der Saison 2022/23 eine Stimme geben.

Das Motto soll aber auch die Erleichterung darüber ausdrücken, dass das Kulturleben nach zwei Jahren der Lähmung durch die Corona-bedingten Restriktionen endlich wieder zu seinem Recht kommt. Man könnte den Eindruck haben, dass mit über 200 Konzerten zwischen dem 4. September 2022 und dem 27. Juni 2023 auch viel von dem nachgeholt werden soll, was in den vergangenen beiden Jahren unfreiwillig versäumt wurde.

Musik in ihrer ganzen Breite

Wie für Bozar üblich, wird Musik in ihrer ganzen Breite geboten: von Alter Musik über Klassik bis Moderne, Jazz und Electro; von großen Orchestern über kleine Ensembles bis zu Solisten; Weltmusik aus arabischen, asiatischen und afrikanischen Ländern.

Seit 25 Jahren bietet „Bozar Next Generation“ Nachwuchskünstlern eine Bühne, auch in der neuen Saison: sonntags um 11 Uhr in verschiedenen Spielstätten (Bozar, Monnaie, Konservatorium und mehrere Kirchen). Für Familien werden sechs Konzerte mit spielerischen und erzieherischen Elementen angeboten. Über die Saison verteilt sind insgesamt zehn thematisch ganz unterschiedliche Festivals vorgesehen. Das Finale des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs im nächsten Jahr (Thema: Gesang) findet natürlich im Saal Henri Le Boeuf statt: vom 1. bis 3. Juni 2023. Zur Erinnerung das diesjährige Finale (Thema: Cello) ist vom 30. Mai bis 4. Juni 2022, das Preisträgerkonzert am 14. Juni 2022. 

Und schließlich ziehen sich drei Themen durch die Saison: die tschechische EU-Ratspräsidentschaft (Juli bis Dezember 2022, danach folgt Schweden), der 200. Geburtstag von César Franck sowie ein Musikprogramm, das die Ausstellung über das antike Alexandria (29. September bis 8. Januar 2023) begleitet.

Einige Highlights

Angesichts der schieren Fülle des Angebots ist es unmöglich, einen repräsentativen Überblick zu geben. Jeder wird seine eigenen Highlights in dem Programm finden.

Wie in der Vergangenheit präsentieren sich einige der „großen“ Orchester der Welt; diesmal u.a. aus Tschechien, Schweden, Montréal, London und St. Louis sowie das Concertgebouw aus Amsterdam. Aus Deutschland ist kein Orchester dabei. Mehr Konzerte als sonst werden von Dirigentinnen geleitet, darunter von der Kanadierin Barbara Hannigan, die am 10. März 2023 nicht nur das London Symphony Orchesta dirigiert, sondern auch das Sopran-Solo in Mahlers vierter Sinfonie singt. Am 19. November 2022 gastiert das Chineke! Orchester, das 2015 in Großbritannien gegründet wurde, um klassischen Musikern aus ethnischen Minderheiten eine Karrierechance zu eröffnen.

Das Hausorchester des Bozar, das Belgische Nationalorchester, gibt in der Saison insgesamt sechs Konzerte, dazu kommen Auftritte anderer belgischer Orchester: das Sinfonieorchster der Monnaie, das Antwerpener Sinfonieorchester, die Königliche Philharmonie Lüttich und Brussels Philharmonic (das vor allem im Flagey spielt). Einige Konzerte finden im Rahmen des Klara-Festivals statt (10. bis 26. März 2023).

Aus dem Vokalmusik-Programm sind Beethovens Missa Solemnis unter der Leitung von Philippe Herreweghe (17. Dezember 2022) und Bachs h-moll-Messe unter John Eliot Gardiner (15. April 2023) hervorzuheben. Mit der in Rostock ausgebildeten lettischen Violonistin Baiba Skride gastiert am 16. Juni 2023 eine Preisträgerin des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs (2001).    

2023 feiert das Brussels Jazz Orchestra seinen 30. Geburtstag u.a. mit einem Konzert im Bozar am 16. Februar (zusammen mit Aka Moon). Es gibt eine Hommage an den 2021 verstorbenen belgisch-guineischen Djembé-Spieler Mamady Keita, ein chinesisches Neujahrskonzert, ein Flamenco-„Spektakel“, die traditionelle Sufi Night, das Afropolitan Festival, und vieles mehr.

Den Abschluss der Saison zelebriert am 27. Juni 2023 Rolando Villazon: „A Night at the Opera“. 

Fünf Abonnements im Angebot

Das Bozar bietet für die Saison insgesamt fünf Abonnements an. Das Abonnement mit den zehn Konzerten internationaler Orchester kostet je nach Platzkategorie zwischen 186 und 682 Euro. Außerdem gibt es Abonnements für „Barockorchester“ (sechs Konzerte), „Vokalmusik“ (neun Aufführungen) sowie zwei Varianten für Kammermusik (je sechs Konzerte).

Das gesamte Programm ist in einer Broschüre zusammengefasst, die im Bozar erhältlich ist. Sie kann auch auf der Internetseite abgerufen werden: https://www.bozar.be/en/come-take-part-and-dream

Die Abonnements und die Konzerte mit den internationalen Orchestern sind bereits online und können gebucht werden: https://www.bozar.be/en/subscriptions-music-season-22-23

Es ist also für jede und jeden etwas dabei. Drücken wir die Daumen, dass die Corona-bedingten Einschränkungen endgültig hinter uns liegen. Dann gilt: „Komm, nimm teil und träume“…

© Belgian National Orchestra, Caroline Lessire

 

 

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