Charleroi: Ruhm für Kolonialveteranen?

Von Sibylle Schavoir.

Seit der Ermordung von George Floyd erheben sich weltweit Proteste, die sich auch in der Zerstörung von Denkmälern manifestieren. Denkmälern, die Persönlichkeiten aus der Kolonialzeit gewidmet sind. Sie wurden gestürzt, geschändet oder zerstört. Auch in Belgien wird das Erinnern durch Denkmäler an frühere Exponenten von Kolonialismus und Sklaverei, die in Städten, Parks, Rathäusern und Gemeindeplätzen in Belgien stehen, zurzeit kontrovers diskutiert.

Etliche, König Léopold II. gewidmete Denkmäler, die landesweit zu sehen sind, lösen seit Wochen den Volkszorn aus. Der König hat in seinem kolonialen Privatbesitz, dem „Kongo-Freistaat“, schlimmste Verbrechen gegen die damals ansässige Bevölkerung zu verantworten, die heute unter der Bezeichnung „Kongo-Gräuel“ bekannt und dokumentiert sind.

Statuen als Denkmale der Schuld

Die Proteste gegen die Statuen haben auch Charleroi erreicht. Im dortigen Rathaus thront eine mächtige Gedenk-Statue zum Ruhm der Kolonialveteranen. Sie ist versehen mit der Widmung „1876 – a nos Veteran Coloniaux  – 1908“. Die Debatte im Rathaus von Charleroi um das Verbleiben der Statue verlief hitzig. Wird sie nun im Rathaus stehenbleiben oder nicht?

Ja, die Statue bleibt und das trotz aller Widersprüche. Denn das Vernichten von Denkmälern blendet die Geschehnisse und die Schuld der Geschichte nicht aus. Geschichte lässt sich nicht rückgängig machen, auch nicht, wenn man Denkmäler zerstört. Das Entfernen von Denkmälern kommt dem Tilgen, dem Vergessen-wollen der unrühmlichen Vergangenheit gleich. Und das dient der Geschichte nicht. So hat man sich in Charleroi geeinigt und eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die an dem Denkmal eine Schrifttafel mit einem Text über den Kolonialismus schaffen will und diesen neuen Text im September dem Gemeinderat zur Abstimmung vorlegen wird. Ein anderer Vorschlag wäre, ein digitales Informationsmittel einzusetzen, welches dann die Platte mit dem neuen Text ersetzen könnte.

Was immer an der Geschichte als nicht zeitgemäß, als störend empfunden wird, man kann es nicht ungeschehen machen. Zerstören ist nicht die Lösung. Eher ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte gefragt. Die Menschheitsgeschichte ist vielfältig, sie ist langlebig, sie hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Und sie ist Teil unserer Identität.

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