Buchempfehlung – Roman „Grenzgänger“

Von Matthieu Hornung. 

„Grenzgänger“ ist für mich eine absolute Buchempfehlung – insbesondere für jene, die Ostbelgien und der Aachener Region verbunden sind! Das erste Buch seit langem, das mir den Schlaf geraubt hat! Und ein Buch, das Lust auf das Lesen anderer Kriminalromane von Mechtild Borrmann macht.

„Regiokrimis“ sind in Deutschland und Europa weiterhin im Trend und werden mittlerweile verstärkt flankiert von grenzüberschreitenden Krimis, wie zum Beispiel die Krimis mit Handlung an der deutsch-polnischen (Serie von Sören Bollmann in der „Halben Stadt“ Frankfurt/Oder) und der deutsch-belgischen Grenze („Frittenmafia“ von Bernhard Wucherer), die in den Brüsseler Landesvertretungen von Brandenburg und Nordrhein-Westfalen vorgestellten wurden.

In diesem neuen grenzüberschreitenden Genre sticht der 2018 erschienene und seit 2019 als Taschenbuch erhältliche Roman „Grenzgänger“ von Mechtild Borrmann klar aus der Reihe.

Es ist ein Kriminalroman, in dem es keinen Kommissar gibt und fast kein Blut fließt. Die Spannung für den Leser ergibt sich stattdessen aus der Fassungslosigkeit über die auf zwei Zeitebenen, einmal in der unmittelbaren Nachkriegszeit und einmal in den 70er Jahren beschriebene gesellschaftliche Rückständigkeit im Spannungsfeld Nachkriegsnot – Grenze – Kirche – Emanzipation. Sicher ist diese Rückständigkeit kein eigenständiges Merkmal für das deutsch-belgische Grenzgebiet, aber der Leser erfährt in dem Roman auch sehr viel über die vielleicht ein wenig in Vergessenheit geratenen dortigen Umstände in der Nachkriegszeit.

Die Autorin siedelt die Handlung ihres Romans  in einem deutschen Dorf in der Nähe des Hohen Venns an. Sie erzählt die Geschichte einer Familie, in der der Vater kriegstraumatisiert ist und die Mutter frühzeitig stirbt. Die 17-jährige Henni bringt sich und drei Geschwister mit Kaffee-Schmuggel durch. 1970 steht sie wegen Mordes am Vater in Aachen vor Gericht.

Die 1960 geborene freie Schriftstellerin erhielt 2012 den Deutschen Krimipreis für „Wer das Schweigen bricht“ (Pendragon) und hatte 2016 in den Buchverkaufscharts große Erfolge mit „Trümmerkind“ (Droemer).

Das Buch ist erschienen im Droemer Knaur Verlag, München 2019, ISBN 9783426306086 Kartoniert, 288 Seiten, 10,99 EUR.

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