Europa, Kultur

Bozar feiert Europatag mit dem West-Ost Diwan Orchester

Von Reinhard Boest

Zum Europatag am 9. Mai hat es in diesem Jahr im Bozar ein besonderes Highlight gegeben. Mit Hilfe des Europäischen Jugendforums ist es gelungen, das West-Ost Diwan Orchester für ein Konzert zu gewinnen. Es steht in besonderer Weise für Verständigung und Aussöhnung, der Grundlage der europäischen Integration, die am 9. Mai 1950 mit der Schuman-Erklärung ihren Anfang nahm.

Das „West-Eastern Divan Orchestra“ wurde 1999 von Daniel Barenboim und dem amerikanisch-palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward W. Said gegründet. Sein Name knüpft an die gleichnamige Gedichtsammlung von Goethe an (inspiriert durch den iranischen Dichter Hafis). Das Orchester setzte sich anfangs zu gleichen Teilen aus Musikern aus Israel und den palästinenschen Gebieten zusammen. Inzwischen gehören ihm auch Mitglieder aus der Türkei, dem Iran und Spanien an. Die Künstler treffen sich zweimal jährlich (ursprünglich in Weimar, seit 2005 in Sevilla) und gehen regelmäßig auf Tourneen. Für die diesjährige Tournee haben sie Bedrich Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“ einstudiert.

Für den erkrankten Daniel Barenboim musste kurzfristig der 29-jährige Nachwuchsdirigent Thomas Guggeis einspringen. Er war Assistent bei Barenboim in Berlin und ist derzeit Staatskapellmeister an der Staatsoper Unter den Linden.

Zu Beginn der Konzerts im fast vollbesetzten Saal Henri Le Boeuf sprachen zum Europatag der österreichische Vizeprädidenten des Europäischen Parlaments Otmar Karas und der Generalsekretär des Europäischen Auswärtigen Dienstes Stefano Sannino. Beide unterstrichen die Bedeutung der europäischen Einigung, die in einem Augenblick umso wichtiger werde, in dem durch den russischen Angriff auf die Ukraine in Europa wieder Krieg herrsche. Die EU stehe dabei fest an der Seite der Ukraine. Karas berichtete über die Ergebnisse der Konferenz zur Zukunft der EU, die am selben Tag in Straßburg zu Ende gegangen war. Er warb für eine Umsetzung der Vorschläge, die unter Beteiligung zahlreicher Bürgerinnen und Bürger aus allen Mitgliedstaaten erarbeitet wurden.

Aus Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“ ist weithin nur „Die Moldau“ bekannt. Es gab also die (außerhalb Tschechiens eher seltene) Gelegenheit, das Werk mit seinen sechs Teilen in seiner Gesamtheit zu genießen. „Ma Vlast“ gilt als wichtiger Teil der tschechischen Nationalmusik und beschreibt in programmatischer Form nationale Mythen, nationale Geschichte, die Schönheit der Natur und das tschechische Volksleben.

Die abwechslungsreiche Musik und die engagierte Darbietung durch die Musiker und den Dirigenten zogen das Publikum (darunter die tschechische EU-Kommissarin Vera Jourova und der deutsche Botschafter Martin Kotthaus) in ihren Bann. Nach neunzig Minuten gab es kräftigen und lang anhaltenden Beifall.

Am 30. Oktober kommt die Kammermusikformation des Orchesters, das West-Eastern Divan Ensemble mit Michael Barenboim, zu einem Konzert ins Bozar, das zum Begleitprogramm einer Ausstellung über das antike Alexandria gehört.

 

 

 

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