Botschafter Lüdeking: Solidarität zeigen!

 

Botschafter1Liebe Landsleute,

nach den heimtückischen und feigen Terroranschlägen am Dienstag waren Bestürzung und Betroffenheit der Menschen hier in Brüssel deutlich spürbar. Ich habe jedoch keine Mutlosigkeit oder Verzweiflung angetroffen. Mich hat vielmehr die Entschlossenheit beeindruckt, sich nicht einschüchtern zu lassen und entschieden für unsere gemeinsamen europäischen Werte einzutreten und diese zu verteidigen.

Ich möchte, auch im Namen aller Kolleginnen und Kollegen der Botschaft,  den Angehörigen der Opfer der Anschläge unsere aufrichtige Anteilnahme aussprechen. Den Verletzten wünsche ich schnellstmögliche und vollständige Genesung. Als Mitbürger in der Stadt Brüssel kann ich den Schmerz und die Trauer mitempfinden.

Derartige Ereignisse können niemanden unberührt lassen. Bei mir wecken sie ein starkes Gefühl der Verbundenheit und Mitmenschlichkeit. Belgien habe ich als ein aufgeschlossenes und weltoffenes Land kennengelernt.  Es ist nicht nur ein Nachbarland Deutschlands; es ist vielmehr ein Land, mit dem uns eine tiefe Freundschaft und gemeinsame Überzeugungen verbinden. Dies ist gerade auch bei dem Staatsbesuch von Bundespräsident Gauck hier in Belgien vor zwei Wochen deutlich zum Ausdruck gekommen. Belgien kann sich auf die deutsche Solidarität nicht nur in diesen schweren Stunden verlassen.

Die Anschläge standen in den letzten Tagen im Mittelpunkt der Arbeit der Botschaft. Ich möchte mich für die große Hilfsbereitschaft der belgischen Behörden und Institutionen bedanken. Diese war gerade angesichts der hohen Belastungen, denen die zuständigen Stellen ausgesetzt waren, keineswegs selbstverständlich. Als Beispiel steht mir die hervorragende Betreuung und Versorgung der Verletzten wie aber auch der am Flughafen Zaventem gestrandeten Reisenden vor Augen. Dies haben mir Besuche von Ausweicheinrichtungen wie auch Gespräche mit den Betroffenen, die ausnahmslos großes Verständnis für die Ausnahmesituation gezeigt haben, deutlich vor Augen geführt.

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich zu deutschen Opfern der Anschläge, die naturgemäß die Aufmerksamkeit in der Arbeit der Botschaft stark beansprucht haben, keine Aussagen machen möchte.

Überraschend ist für mich, dass heute bereits hier in Belgien eine lebhafte und kontroverse Debatte über Verantwortlichkeiten begonnen hat. Für mich ist klar, dass alle offenen, den westlichen Werten von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verpflichteten Staaten in der Gefahr stehen, Opfer terroristischer Anschläge zu werden. Umso mehr muss es jetzt darum gehen Solidarität zu zeigen und nach Wegen zu suchen, wie dieser Gefahr gemeinsam noch wirkungsvoller begegnet werden kann. Hier sind gerade auch Europa und die Europäische Union in der Pflicht. Deutschland und Belgien als Staaten, die sich der europäischen Idee besonders verpflichtet fühlen, können in den aktuellen Diskussionen zur Verbesserung der Zusammenarbeit zur Prävention und zur Bekämpfung des Terrorismus wichtige Impulse setzen und eine Vorreiterrolle spielen.

Die Terroranschläge hier in Brüssel haben sich nicht nur gegen Belgien gerichtet. Vielmehr standen unser aller Lebensart und unsere freiheitlichen Werte im Visier der Terroristen. Die Terroranschläge  sind kein Grund zu Ängstlichkeit oder Verzagtheit. Vielmehr sollten wir uns von Entschlossenheit,  Stolz auf unsere Werte und die Bereitschaft leiten lassen, für diese Werte zu kämpfen.

Ich wünsche Ihnen ein friedvolles und gesegnetes Osterfest.

Rüdiger Lüdeking

Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Königreich Belgien

Brüssel, den 24. März 2016

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