Black Flower: Future Flora

Die „Schwarze Blume“ besteht aus dem Saxofonisten Nathan Daems, der auch Ney, Kaval und Flöte spielt, dem Kornett- und Cornetto-Spieler John Birdsong, dem Drummer Simon Segers, dem Bassisten Filip Vandebril und dem Organisten Wouter Haest.

Aufmacher des Albums ist „Early Days of Space Travel Pt. 2“, gefolgt von „Maloya Bud“ und „Hora de Aksum“. Zu hören sind außerdem „Clap Hands“, „Ohm Eye“ und „Ankor Wat“, ehe das Album mit „Future Flora“ abgerundet wird.

Sphärenreise und Karibikaroma

Wer bei „Space Travel“ sphärische „Überschallklänge“ erwartet, wird beim Zuhören eines Besseren belehrt. Anfänglich scheinen Rotoren auf hohe Drehzahlen gebracht zu werden. Harte Beats und kurzes Bassgezupfe treffen auf Gebläserausch, der im Off entschwindet. Mit Hall unterlegt schwelgt nachfolgend der Bass. Ein schnurrendes Saxofon vereint sich mit dem Kornett, trompetenähnlich in der Gestalt und zu den Horninstrumenten zählend. Doch auch dieses Windgebläse ist weit von einer „sphärischen Erkundung“ des Alls entfernt.

Bei „Maloya Bud“ können wir dem Weichklang eines Kornetts lauschen. Im Hintergrund wimmert eine Orgel. Irgendwie scheinen auch ein bisschen klangliches Karibikaroma und Ska als Beimischungen vorhanden zu sein. Purer Reggae ist es allerdings nicht, aber … Übrigens, wer sich noch an die Musik von Fela Kuti erinnern kann, der wird durchaus eine Verbindungslinie zu diesem nigerianischen Jazzer ausmachen können. Und im weiteren Verlauf leben streckenweise auch The Ventures wieder auf.

Orient trifft Okzident

Nehmen uns die Musiker von Black Flower anschließend nach Äthiopien und zu den Rastafaris mit, die aus Jamaika ausgewandert sind und sich in Äthiopien niedergelassen haben? „Hora de Aksum“ vermittelt allerdings die musikalische Nähe eher zum Orient und zu Nordafrika. Vermeintlich hört man eine arabische Klarinette, eine Mizmar. Doch auf der Besetzungsliste findet man in Verbindung mit den Bandmitgliedern niemanden, der ein solches Instrument spielt. Nathan Daems scheint vielmehr sein Saxofon in eine arabische Klarinette verwandelt zu haben, oder?  Oder hören wir da ein mittelalterliches Cornetto? In einigen Passagen muss man unwillkürlich an die Begleitung zu einem orientalischen Bauchtanz denken, auch und gerade wenn sich Nathan Daems auf seinem Saxofon in einen „Klangderwisch“ verwandelt.

Ganz im Wortsinn des Stücks „Clap Hands“ hört man auf der entsprechenden Aufnahme rhythmisches Händeklatschen. In dieses fallen Bass und Keyboards ein, verbreiten eine Note Funk. Ist da nicht auch ein Baritonsaxofon zu hören? Jedenfalls können wir einen „Wechselgesang“ zwischen Kornett und Saxofon verfolgen. Dabei kommen wir nach und nach in Schwung: „Move your body“ ist das Motto.

Shruti Box oder was?

Nur vom Titel des Songs her entführt uns „Ankor Wat“ nach Südostasien. Die für die Region so typische asiatische Mundorgel namens khene ist nicht Teil der musikalischen Inszenierung. Beinahe wie eine Shruti Box hört sich die Orgel unter den Fingern von Wouter Haest an. Röhrendes Gebläse, das sich sehr dominant zeigt,  scheint eher dem Erbe Fela Kutis entsprungen. Auch Osibisa kommt dem einen oder anderen Musikkenner in den Sinn, wenn er den Harmonien lauscht, auf die die Musik von Black Flower fußt.

Zum Schluss heißt es dann „Future Flora“. „Saxofon-Gesäusel“ ist zu vernehmen, ein wenig schwermütig und irgendwie wie eine Schalmei klingend. Brodelndes Bassgeschwirr bildet einen musikalischen Unterbau, über den sich die Windinstrumente erheben. Fein verwoben werden diese mit dem diskanten Klang der Orgel. Redundante Linien bestimmen das musikalische Geschehen. Sonore Basskonturen treten auf und mischen sich im Weiteren mit „Gejaul“. Nach und nach entsteht eine Melange, bei der auch trompetenähnliche Klänge jenseits des „säuerlichen“ Ansatzes von Miles Davis eine Rolle spielen.

Text © ferdinand dupuis-panther

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