Bittere Pille für die Sporthauptstadt 2013

Capture d’écran 2014-06-22 à 17.51.50 Antwerpen, die europäische Sporthauptstadt 2013, muss im Profifußball abermals eine bittere Pille schlucken. Nach Jahren der Zweitklassigkeit von Antwerp FC ist nun auch Stadtrivale Beerschot AC sportlich abgestürzt. Der Verein aus dem Kiez „Het Kiel“ war nach dem erfolglosen Versuch, in der Abstiegsrunde gegen Cercle Brügge die Klasse zu halten, bereits abgestiegen. Jetzt steht dem Club sogar das Aus bevor.

Glanz und Gloria ade! Erstligafußball in Antwerpen ist erstmals seit 1895 Geschichte. In diesem Jahr spielte der Royal Antwerp Football Club als erster Verein überhaupt um eine belgische Fußballmeisterschaft. Bis auf einen Kurzaufenthalt in der zweiten Division im Jahr 1901 war Antwerp FC bis zum zweijährigen Zweitligaintermezzo 1968 ununterbrochen in der ersten Spielklasse vertreten. Im Jahr 1900 betrat mit Beerschot VAC ein zweiter Klub aus Antwerpen die nationale Fußballbühne. Zusammen mit dem FC Lüttich, Union Sint-Gillis und Cercle Brügge waren diese Vereine bis zum Zweiten Weltkrieg in Belgien tonangebend. Das alles ist mit der Insolvenz von Beerschot und der Zweitligazugehörigkeit von Antwerp FC nun Geschichte.

Zweite Pleite nach 1990

Die „Kielse Ratten“ gehörten seit jeher zu den populärsten Traditionsklubs in Belgien und waren seit 1900 fast ununterbrochen erstklassig. 1907 und 1981 verabschiedete sich Beerschot je ein Mal für eine Saison aus der ersten Liga. In den 1990ern ließ der sportliche Erfolg zu wünschen übrig, und auch finanziell geriet der Klub immer wieder in Schwierigkeiten. 1990 folgte sogar der Lizenzentzug und der Zwangsabstieg in Liga Drei. Für den Fußball in Antwerpen brach eine schwierige Zeit an. Denn auch Antwerp stieg nach einigen erfolgreichen Jahren 1998 in die zweite Liga ab. Nach vier weiteren Jahren Erstligazugehörigkeit folgte allerdings der erneute Abstieg in die Zweitklassigkeit.

Capture d’écran 2014-06-22 à 17.48.31Seit 1999 repräsentierte vornehmlich Beerschot die Stadt Antwerpen auf der belgischen Fußballbühne. Die Rückkehr der Ratten in die erste Liga war allerdings keine sportliche Eigenleistung. Denn erst durch die Fusion mit dem ehemaligen Antwerpener Erstligisten Germinal Ekeren zum neuen Verein Germinal Beerschot Antwerpen (GBA) erschlichen sich die „Kielse Ratten“ wieder die erste Liga. Der eher unbedeutende Vorstadtclub Germinal Ekeren verschmolz zusehends mit dem stolzen Beerschot, bis 2011 der Namenszusatz Germinal endgültig gestrichen wurde. Seitdem nannte sich der Verein Koninklijke Beerschot Antwerpen Club.

Fusion von Feuer und Wasser undenkbar 

Ziel dieser Fusion war es ursprünglich, eine langfristige Basis für erfolgreichen Erstligafußball in Antwerpen zu schaffen. Direkt nach der Fusion wurde das Olympiastadion im Viertel ‚t Kiel zu einem modernen Sitzplatzstadion umgebaut. Die Vereinsstruktur wurde modernisiert, und als sportliche Zielsetzung wurde die Teilnahme an europäischen Wettbewerben genannt. Finanziell hat sich der Klub – wie sich heute herausstellt – offensichtlich übernommen. Vor allen Dingen die hochtrabenden Pläne des Vorsitzenden Patrick Vannoppen schadeten dem nunmehr ex-Erstligisten mehr als sie ihm nutzten. Viele seiner Hirngespinste – unter anderem ein neues Stadion für seinen Verein im Entwicklungsgebiet Petroleum-Zuid – entpuppten sich schnell als Luftschlösser. Und vom Antwerpener Bürgermeister, dem bekennenden Antwerp-Fan Bart De Wever, durfte er sowieso keine Unterstützung erwarten – weder politisch noch finanziell.

Bei all diesen Entwicklungen zeigt sich, dass die erbitterte Feindschaft der beiden Antwerpener Klubs dem Fußballsport in der Stadt mehr geschadet denn genutzt hat. Hier hat Konkurrenz das Geschäft nicht belebt, sondern zerstört. Mit ihrer beharrlichen Weigerung, sich einander anzunähern – von Zusammenarbeit ganz zu schweigen – haben Antwerp FC und Beerschot in Antwerpen mehrere Stadionprojekte behindert, die Stadt als Austragungsort um die Europameisterschaft im Jahr 2000 gebracht und eine von Gewaltexzessen begleitete Fanfeindschaft gepflegt. Immer ging es den beiden darum, sich als „Mannschaft der Stadt“ (ploeg van ‚t stad) zu behaupten. Nun kann wohl keiner der beiden Erzrivalen noch ernsthaft diesen Anspruch erheben.

Weder der zweitklassige Antwerp FC mit seiner teilrenovierten Schrottbude im Stadtteil Deurne (Bosuilstadion) noch das insolvente, zum Abstieg in die Drittklassigkeit verdonnerte Beerschot sind einer Stadt wie Antwerpen würdig. Ein Schlag in die Magengrube für eine Stadt, die sich im Jahr 2013 Sporthauptstadt Europas nennt.

 

Autor: Armin Möller

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