Betroffenenbericht – Meine Covid-19 Erkrankung

Von Heide Newson.

Am 1. April, es ist kein Aprilscherz, traf es mich mit voller Wucht. Aus heiterem Himmel fühlte ich mich schlapp und gerädert.

Dennoch glaubte ich zunächst an nichts Schlimmes, da ich gemäß meiner „Selbstdiagnose“ keine mit dem Coronavirus assoziierten Symptome aufwies. Ich hatte weder Schnupfen, noch trockenen Husten, keine Atemnot, Fieber oder sonstige Beschwerden. Ich fühlte mich einfach unwohl und auf unerklärliche Weise wie gerädert. Am nächsten Tag kamen zu der bleiernen Müdigkeit fürchterliche Glieder- und Rückenschmerzen hinzu. Dachte ich an Essen, so wurde mir übel.

Nach zwei Tagen kam ich auf die Idee, Fieber zu messen. Das Fieberthermometer zeigte über Tage konstant 38,5 Grad an. Ich fröstelte und hatte ein starkes neuartiges, zuvor nie gekanntes, Krankheitsgefühl. Hatte ich vor einer Woche die Treppen in meinem Haus schwungvoll bewältigt, so war ich nun außer Atem. Hinzu kam eine sonderbare Apathie und Appetitlosigkeit. Als in den nächsten Tagen mein Geruchs-und Geschmackssinn vollkommen verschwanden, waren diese Symptome für mich das Indiz einer möglichen Corona-Infektion.

Jetzt wollte ich nur noch schlafen. Auf Anraten des Sohns, rief ich letztlich meine Hausärztin an. Sehen wollte sie mich nicht, dafür stellte sie nach eingehender Befragung meiner Symptome virtuell ihre Diagnose. Alles deute darauf hin, dass ich mich mit dem Coronavirus infiziert habe. Mein vollständiger Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns seien eindeutig. Ob ich Atembeschwerden habe, fragte sie. Falls sich diese verstärken sollten, müsse ich mich umgehend ins Krankenhaus begeben. Medikamente gegen das Virus gäbe es bekanntermaßen leider nicht. Täglich solle ich meine Temperatur messen, in häuslicher Isolierung und vor allem ganz gelassen bleiben.

In den nächsten Tagen fühlte ich mich weiter schlapp und müde. Dennoch war ich sicher, dass ich diese Infektion problemlos und ohne Krankenhausaufenthalt überstehen würde. Dafür sprach die Tatsache, dass ich keine großen Vorerkrankungen hatte, und wie meine Hausärztin meinte, gemäß ihrer Unterlagen und trotz meines Alters, nicht unbedingt zur Risikogruppe gehöre. Bei 80 Prozent der Coronavirus-Infizierten würde die Krankheit einen milden Verlauf nehmen. Zum Glück war das bei mir auch wirklich der Fall. Nach vier Tagen Ruhe ging es bergauf. So langsam wich die kuriose Apathie und mit dem Wiedererlangen des Geruchs- und Geschmackssinns kamen mein Appetit und meine Kraft zurück.

Trotz des milden Krankheitsverlaufs hat mich die Corona-Pandemie noch immer im Griff. Wie lange muss ich weiter in Isolation bleiben, bin ich nach zwei Wochen Genesung noch immer ansteckend, kann ich mich mit Mundschutz wieder unter die Leute wagen? Und wie ist es um meinen Schutz bestellt? Habe ich genügend Antikörper gebildet? Meine Verunsicherung ist groß, zumal ich bislang keine Chance auf einen Corona-Test hatte, durch den ich vieles abklären könnte.

So halte ich mich weiter an die Corona-Regeln, was in meiner Wohngegend, bei den Teichen von Ixelles, nicht einfach ist. Bei Sonnenschein joggen, radeln, spazieren und flanieren da hunderte von Menschen mit oder ohne Nasen- und Mundschutz und belegen trotz Verbots, Bänke und Wiesen. Bei diesen Menschenmassen ist es fast unmöglich, die Regeln der physischen Distanz einzuhalten.

Wo ich mir das Virus eingefangen habe, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht von meinem Mann, der mit Corona infiziert war und dessen Krankheitsverlauf zeitweise besorgniserregend war, oder habe ich ihn angesteckt? Genau werde ich es nie wissen. Das Wichtigste ist, dass es uns wieder gut geht und wir künftig noch mehr auf die Abstandsregeln achten werden, sei es auch noch so schwer.

 

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