Bester Nachwuchs für die Audi-Produktion

Eine belgische Premiere: die Duale Berufsausbildung

Bester Nachwuchs für die Audi-Produktion_01Es war kein neues Auto, das Audi Brussels im Rahmen eines Pressetags feierte, sondern ein Ausbildungsmodell: als erster Betrieb in Belgien nimmt der Autohersteller zwölf 16- bis 18-Jährige mit 600 Praxisstunden über zwei Jahre in die betriebliche Ausbildung zum Anlagentechniker. Zudem folgen die Schüler nach Sprachen getrennt an technischen Schulen einer Ausbildung zum Elektromechaniker. Als Pilotprojekt bezeichnete die Ministerin für Pflichtunterricht und sozialen Aufstieg der französischen Sprachgemeinschaft, Marie-Dominique Simonet, diese Kombination von Theorie und Praxis, die in Deutschland unter dem Namen duale Ausbildung bekannt ist.

Schulleiterin Maggy Vankeerberghen von der flämischsprachigen KTA pro technica in Halle hat keinen Moment gezögert, als Audi Brussels letztes Jahr an sie herantrat mit dem Vorschlag, einigen ausgewählten Schülern die betriebliche Ausbildung beim Autohersteller zu ermöglichen. „Ich sehe das als Bereicherung für die Schule und als eine Professionalisierung. Es spiegelt die Studienrichtung Elektromechanik real wider. Da packen die Schüler nun richtig in einem Betrieb mit an.“ Bedingung sei allerdings gewesen, dass der Unterrichtsplan der Schulen nicht verändert wird.

„Die Schulen sind durchaus in der Lage, qualifizierte junge Techniker auszubilden“, so Stéphane Allard, stellvertretender Direktor der frankophonen technischen Schule Don Bosco in Woluwe-Saint-Pierre, aus der zehn Schüler von Audi ausgewählt wurden. „Nur, wenn man die Geschwindigkeit sieht mit der die Technik voranschreitet, dann wird klar, dass wir zwar eine Reihe von Dingen beibringen können, aber dass wir nicht ständig die neueste Spitzentechnik kaufen können. Seit langem schon versucht das Institut Don Bosco Partnerschaften zu schließen, die es den Schülern erlauben, mit dem Material in Kontakt zu kommen. Audi ist selbstverständlich eine Prestigemarke, die über Mittel verfügt, die eine Schule niemals haben kann.“

Nachwuchs für Audi-Produktion ausbilden

Der Grund, mit der Ausbildung von Schülern im Brüsseler Werk zu beginnen, liegt für Audi Brussels auf der Hand: „Es ist schwer für uns, qualifiziertes Nachwuchspersonal zu finden. Unsere Vision ist, die kommende Generation auszubilden“, so Gerhard Schneider, Geschäftsführer von Audi Brussels. Dieses Ausbildungssystem ist in Deutschland bereits seit langem unter dem Namen „duale Ausbildung“ erfolgreich. An einem Audi-Standort in Deutschland folgen pro Jahr rund 700 Lehrlinge der dualen Ausbildung – eine wichtige Rekrutierungsquelle für das Unternehmen. Um dieses Konzept auch in Belgien voranzutreiben, unterstützt die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer (AHK debelux) Audi Brussels bei der Organisation der dualen Ausbildung, z.B. werden Lehr- und Lernziele definiert, sowohl für die Ausbilder wie auch für die Lehrlinge, Ausbilderschulungen und Prüfungen der Auszubildenden organisiert und Zeugnisse erstellt.

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Der flämische Minister für Bildung, Pascal Smet, der bei dem Pressetermin im Audi-Werk durch Lucas Brion, Berater für Bildung im Kabinett des Ministers, vertreten wurde, unterstützt das duale Ausbildungskonzept. „Wir haben Richtlinien aufgestellt, die einen Fokus auf Qualität legen und diese an alle Schulen ausgegeben“, so Brion. Auch will die flämische Regierung mehr Unternehmen motivieren, Lehrlinge aufzunehmen und betrieblich auszubilden. Denkbar hierfür sei die Verminderung der Sozialabgaben für Mitarbeiter, die als Ausbilder im Betrieb tätig sind.

300 Stunden Ausbildungspraxis pro Jahr

Einer der zwei Schüler aus der KTA in Halle, die bei Audi Brussels über zwei Jahre im Karosseriebau lernen dürfen, ist Emmanuel Vankerckhove. Er lernt Elektromechaniker an der KTA und sieht in der betrieblichen Ausbildung eine Chance für seine Zukunft: “Dies ist eine einmalige Gelegenheit! Es ist die einzige Schule und auch die erste in Belgien, wo man so eine Ausbildung bei Audi machen kann. Es ist auch eine Chance, dass, wenn man hier fertig studiert hat und gute Leistungen gezeigt hat, man auch bei Audi arbeiten kann.”

Im November vorigen Jahres hatte er bereits mit den anderen elf Schülern vier Tage Basisschulung bei Audi Brussels absolviert. Im Januar bekamen sie während eines viertägigen Praktikums einen Einblick in die Karosseriebauanlage des Autoherstellers. 3.200 Schweißpunkte hat der Audi A1, der seit Mai 2010 exklusiv in Brüssel produziert wird. Rund 500 Montageroboter schweißen und kleben in drei Produktionsschritten die Autoteile für den Drei- und Viertürer zusammen: zuerst der Boden, dann die Seitenteile und das Dach und danach werden Türen und Heckklappe montiert. Als Anlagentechniker wären die jungen Männer später für eine Produktionszone zuständig, in der im Durchschnitt sieben bis acht Roboter stehen. „Unsere Lehrlinge müssen später einmal nicht nur die technische Bedienung der Montageroboter kennen, sondern sie müssen auch wissen, wie geschweißt und geklebt wird und ob der Roboter richtig positioniert ist. Es geht um Qualität und Produktivität“, so Marc Van Heirzeele, Karossieriebauleiter bei Audi Brussels.

Lernen Verantwortung zu übernehmen

Bis zu 520 Autos pro Tag kann das Werk produzieren. In 300 Stunden Ausbildungspraxis pro Jahr sollen die jungen Männer lernen, als Anlagentechniker für die Maschinen Verantwortung zu übernehmen. Im März haben Sie dafür ausreichend Zeit. Dann werden sie intensiv an den Montagerobotern geschult und lernen deren Anwendungen Schweißen und Kleben. Die Lehrlinge sind begeistert: „Audi Brussels, das ist ein sehr großes Unternehmen, wo viele Menschen arbeiten und die zufrieden sind, da zu arbeiten“, so Natanaël Torres Lozano. „Man sieht, dass das Material sehr neu ist. Das macht richtig Lust auf’s Arbeiten dort und dass man direkt in dem Unternehmen Erfahrungen sammeln kann.“

Für die betriebliche Ausbildung setzt Audi Brussels einen erfahrenen Mitarbeiter ein, sowie externe Experten, die von den Maschinenlieferanten entsandt werden. Für die Ausbilder organisiert AHK debelux ein „Train the Trainer“ Workshop, um sie für ihre Aufgabe zu qualifizieren. Dafür arbeitet die Handelskammer mit der erfahrenen DIHK Bildungs-GmbH aus Bonn zusammen, die in Deutschland für berufliche Weiterbildung eine hohe Reputation besitzt.

Auch Lehrer erhalten Einblick in neueste Technik

Ausgewählte Lehrer der beiden technischen Schulen Don Bosco und KTA pro Technica übernehmen einen Teil der betrieblichen Ausbildung im Audi-Werk. „Wir bekommen nun endlich mehr Zugang zur Industrie, das war immer sehr schwierig vorher”, sagt Lehrer Chris Deplace. “Wir hatten zwar ein wenig Kontakt mit der Industrie, aber das war sehr begrenzt, nur ein Praktikum. Nun ist es sehr viel ausführlicher.” Mohamed Tazribine vom Institut Don Bosco meint: „Der Kontakt mit der Industrie hält uns Lehrer auch bei der technischen Entwicklung auf dem Laufenden. Das wäre nicht der Fall, wenn der Lehrer nicht aus der Schule herauskommt. So ist die betriebliche Ausbildung auch für uns eine Bereicherung.“

Von Susann Zuber

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