Belgischer BDG-Präsident und deutscher Botschafter: Der Ruhrpott eint sie

081015_BDG-Empfang_0Von Thomas A. Friedrich und Thomas P. Reiter.

Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Wasserschloß Zandbergen in Ostflandern, 40 Kilometer vor den Toren von Brüssel gelegen, bildete die eindrucksvolle Kulisse für ein belgisch-deutsches Treffen von Tragweite. Graf Jacques de Lalaing, Präsident der Belgisch Deutschen Gesellschaft (BDG), hatte den unlängst beim belgischen König akkreditierten deutschen „bilateralen“ Botschafter, Rüdiger Lüdeking, zum festlichen Empfang gebeten.

Graf Jacques de Lalaing ist ein Glücksfall für die Belgisch Deutsche Gesellschaft (BDG). Der BDG-Präsident verkörpert in Beruf und Privatleben perfekt die Liaison zwischen Unternehmergeist in der unterschiedlichen belgischen und deutschen Ausprägung. Als erfolgreicher Geschäftsführer in der Solarbranche schmiedete er mit seiner Solar Power Group (SPG) ein Joint venture mit dem Großunternehmen MAN Ferrostaal und arbeitete folglich sechs Jahre in Essen. Privat verbandelte er sich im im Jahre 2007 mit seiner Jugendliebe, der in Irland geborenen Lawinia, Gräfin von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee, einem alten Adelsgeschlecht aus Baden-Württemberg. Trotz mehrjährigem Studienaufenthalt des Grafen in den Vereinigten Staaten verloren sich die beiden nicht aus den Augen. Eine angemessene Beziehung für eine der ältesten Familien innerhalb der belgischen Monarchie.

Im Europaviertel ist den de Lalaings am Sitz der deutschen Botschaft eine Straße gewidmet, benannt nach einem ihrer berühmten Vorfahren gleichen Vornamens. Und das, obwohl die Familie bis zur Staatsgründung 1830 eigentlich orangistisch gesinnt war, also für einen Verbleib der südlichen Niederlande beim nördlichen Nachbarn gekämpft hatte. Vergebens, wie wir wissen: heute gibt sich der Graf ganz belgisch, mit großer Sympathie für deutsche Wirtschaftsdisziplin.

081015_BDG_1Mit Belgien verbindet uns Deutsche viel“

Als Präsident der Belgisch Deutschen Gesellschaft bat Graf de Lalaing den neuen deutschen Botschafter beim Königreich Belgien, Rüdiger Lüdeking, nur wenige Tage nach dessen Antrittsbesuch beim belgischen König zum BDG-Empfang auf Schloss Zandbergen. Der seit Sommer beim Königreich Belgien akkreditierte Rüdiger Lüdeking ist gebürtiger Dortmunder und ein Kind des Ruhrpotts. Graf de Lalaing hat in seiner Essener Zeit den Ruhrpott lieben gelernt, wie er den Belgieninfo-Autoren verriet. Jetzt stellt Belgien für den Botschafter Lebensmittelpunkt und gemeinsame Wirkungsstätte dar.

Lüdeking: „Belgien ist für Deutschland ein wichtiges Nachbarland, mit dem uns viel verbindet. Dabei habe ich den Eindruck, dass Belgien für viele Deutsche noch relativ unbekannt ist. Vielleicht liegt dies auch daran, dass die bilateralen Beziehungen so unproblematisch sind“. An die geladenen BDG-Gäste aus Wirtschaft und Politik gewandt fügte er hinzu: „Wo immer die Botschaft helfen kann, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern auszubauen, werden wir dies tun.“

Wirtschaftsbeziehungen sind ein „asset“

Die belgisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen weisen seit Ende des Zweiten Weltkrieges nur „assets“ auf. Belgien findet sich stets unter den zehn wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. „Die belgisch-deutschen Beziehungen könnten besser nicht sein“, bestätigt der aus der ostflämischen Nachbarstadt Aalter angereiste Bürgermeister Pieter De Crem, zugleich Staatssekretär für Außenhandel in der belgischen Föderalregierung und früherer Verteidigungsminister. Auch wenn die Historie des Ortes vermerkt, dass 1918 der oberste Teil der Turmspitze der St. Corneliuskirche in Aalter durch deutsche Truppen abgesprengt wurde, ist dies heute kein Thema mehr in Aalter. Pieter De Crem wartete beim BDG-Empfang mit aktuellen Zahlen auf, die eine enge wirtschaftliche Verflechtung der Nachbarstaaten eindrucksvoll belegen: Im Jahre 2014 sind 60 Milliarden Euro an Direktinvestitionen von Deutschland nach Belgien geflossen. Im Gegenzug gingen von allen exportierten Waren Belgiens im vergangenen Jahr 17 Prozent nach Deutschland.

081015_BDG_2Belgien baut weiter auf Fahrzeugbau

Die BDG Brüssel und der bilaterale Botschafter hoffen, dass sich an der positiven Handelsbilanz durch die Volkswagen-Affäre für den Fahrzeugsektor in Belgien auch in Zukunft nichts ändern werde. Trotz des aktuellen Vertrauensverlustes in die deutsche Automobilindustrie spiele Belgien in der Montage weiterhin eine führende Rolle innerhalb der EU. Mit den Werken von Opel Antwerpen, Ford in Genk, Audi in Brüssel, Volvo Europa in Gent sowie Van Hool (Busse) und Truco, ist Belgien mit der deutschen Automotive-Produktion eng verflochten, vor allem im Zuliefererbereich. In Belgien arbeiteten 2012 nahezu 25.000 Arbeitnehmer in der Herstellung und mehr als 100.000 im gesamten Fahrzeugzulieferersektor. Von bescheiden bis repräsentativ waren dann auch die Fahrzeug-Modelle, mit denen die Gäste nach Zandbergen kamen und den festlichen Rahmen erst spät wieder verließen.

Foto 1: Belgischer Ex-Premier Vicomte Mark Eyskens, BDG-Präsident Graf Jacques de Lalaing, deutscher Botschafter Rüdiger Lüdeking, US-Botschafterin Denise Campbell Bauer sowie Belgieninfo-Autor Thomas A. Friedrich (v.l.n.r.).

Foto 2: Dr. Stefan Gehrold, Konrad Adenauer Stiftung (KAS), Graf Jacques de Lalaing, belgischer Außenhandels Staatssekretär Pieter De Crem, Robert Vandenplas, Direktor Belgoprocess.

Foto 3: Thomas P. Reiter, Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV) (links) und Walter Grupp, Generalsekretär des Europäischen Mittelstandes (CEA-PME).

Fotos: Tessa Grupp

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