Belgiens Modeszene

Von Franziska Annerl.

Fällt das Stichwort belgische Mode, denkt man zuallererst an die „Antwerp Six“: In den 1980er Jahren etablierten sich sechs Absolventen der Königlichen Akademie der Schönen Künste von Antwerpen als Modekollektiv. Die revolutionären Ideen von Dries Van Noten, Ann Demeulemeester, Walter Van Beirendonck, Dirk Bikkembergs, Dirk Van Saene und Marina Yee prägen bis heute die internationale Modeszene.

Ihren spektakulären Durchbruch hatten die Antwerp Six 1988, als sie einfach einen Lastwagen mieteten, um ihre Kollektionen bei der London Fashion Week zu präsentieren – alles weitere ist Modegeschichte. Die sechs Belgier – und auch Martin Margiela, deraber nicht zur Gruppe gehörte – brachten eine radikal andere Ästhetik auf die Laufstege der Modemetropolen Paris, London, Mailand. Antwerpen zählt seither auch dazu.

Bernard Depoorters „Frenchie Beligan Touch“

Die Antwerp Six sind heute Modegeschichte und haben eine Tradition belgischen Modeschaffens begründet, auf deren Fundament andere aufbauen. Einer von ihnen ist Bernard Depoorter.

Der 1981 in Wavre geborene Autodidakt begann als Assistent großer Pariser Häuser wie Dior oder Scherrer sein Handwerk zu lernen. 2003 gründete er sein eigenes Label, das sehr schnell aus der belgischen Modeszene nicht mehr wegzudenken war. Königin Mathilde zählt zu seinen Fans und trägt bei offiziellen Anlässen oft seine eleganten Roben mit raffinierten Details. Sein Markenzeichen: Eine Mischung aus alten und modernen Technologien und viel Liebe zum Detail.

Bernard Depoorter sieht sich vor allem als Handwerker mit Geschmack und Eleganz: Zwischen Paris und Brüssel arbeitet er seit 15 Jahren an seiner eigenen Linie. Absolutes Highlight ist jedes Jahr seine Fashionshow in der  französischen Botschaft in Paris vor zahlreicher Prominenz. Wichtig ist dem Designer die Betonung seines „Frenchie Belgian Touch“, die laut Depoorter seine spezielle Art de vivre, seine Lebenskunst, definiert. Er stellt die ständige Weiterentwicklung der Frauen ins Zentrum seiner Arbeit: Er kleidet die Frau von heute und von morgen, die Grenzen überschreitet.

 

Edouard Vermeulen und die Boutique NATAN

1983 übernahm der junge Innenarchitekt Edouard Vermeulen von Paul Natan die Boutique NATAN auf der Brüsseler Avenue Louise, um sie unter dem gleichen Namen weiterzuführen. Zuerst allerdings als Geschäft für Dekoartikel – bis seine künftige Schwägerin ihn bat, ihr Hochzeitskleid zu entwerfen. Mit Erfolg: Das Kleid ist die Sensation der Hochzeit. 1984 entwirft sein Atelier dann eine Kollektion für eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Da Königin Paola von Belgien als Schirmherrin fungiert, fasst Vermeulen schnell Fuß in der belgischen High Society und ist heute nicht mehr wegzudenken. Die Marke verfügt über 100 Verkaufsstellen, davon fast 70 in den Beneluxländern und 8 eigene Geschäfte. Jetzt versucht er es auch auf dem Pariser Modeparkett: Ende Januar 2020 hat Natan seine erste Boutique in Paris eröffnet. „Ich gebe mir drei Saisons. Wenn es nichts wird, schließe ich die Boutique“, erklärte der Belgier bei der Eröffnung.
Ein großes Anliegen Edouard Vermeulens ist die Nachwuchsförderung: 2017 hat Natan das „NATAN Collective“ gestartet, das aufstrebende belgische Modemarken unterstützt. Sein „Artist Studio“ soll neue Inspirationsquellen und neue Perspektiven in der belgischen Kreativszene fördern.
Edouard Vermeulen öffnet dafür den ersten Stock seiner Boutique in der Brüsseler Rue de Namur für junge Talente und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Kreationen in einer Pop-up-Galerie zu präsentieren. Drei belgische Nachwuchstalente haben bereits ihre Initiativen vorgestellt, eine vierte ist in den Niederlanden in Vorbereitung.

Ausgefallene Kopfbedeckungen entwirft seit 30 Jahren die Hutdesignerin Fabienne Delvigne in ihrem Brüsseler Studio.

Delvigne nimmt sich viel Zeit für ihre Arbeit: Zwischen dem ersten Entwurf und dem Moment, an dem der maßgeschneiderte Couture-Hut erstmals den Kopf ziert, vergehen oft Wochen. Die Hutmacherin hat bereits mit großen Namen wie Armani, Chanel oder Dior gearbeitet.
Fabienne Delvigne ist Belgierin und stolz darauf. Ihr ist es wichtig, den belgischen Stil zu fördern. Sie bezeichnet es als eine große Ehre, das Vertrauen der königlichen Familie und den Titel „Patentierter Lieferant des belgischen Hofes“ zu besitzen. Die modebewusste Königin Mathilde besitzt rund 100 ihrer Schmuckstücke. Für kleinere Budgets gibt es aber auch Hüte und Kopfschmuck aus der aktuellen Kollektion zu kaufen.
„Belgien ist ein kleines Land, deshalb lasse ich mich von den Nachbarländern inspirieren. Diese Verschmelzung von Ideen und unterschiedlichen Geschmäckern schafft ein einzigartiges und 100% belgisches Etikett“, so Fabienne Delvigne.

Zu Beginn ihrer Karriere kreierte das Haus Fabienne Delvigne Hüte hauptsächlich für Hochzeiten und andere große Veranstaltungen in Belgien. Heute sei Kopfschmuck zunehmend veraltet und werde durch Paillettenhüte oder Stirnbänder ersetzt. Man geht mit der Zeit: So wurde die Couture Collection geboren. Im Jahr 2008 folgte die Studio
Collection, die dem Wunsch der Kunden entsprach, moderne Hüte, sogenannte Alltagshüte, zu tragen – ob zu Absätzen oder Turnschuhen.

Carin Gilson verbindet Schokolade mit Spitze

Auch seit 30 Jahren entwirft Carin Gilson in ihrer Brüsseler Werkstatt Luxusdessous aus Seide und Spitze.

Paradiesvögel, exotische Blumen oder den Maler Klimt nennt die belgische Designerin als ihre Inspirationsquellen. In Paris, London, Taipeh und Brüssel betreibt Gilson eigene Boutiquen. Zu ihren Kundinnen zählen internationale Stars wie Kate Moss, Madonna, Monica Bellucci oder Naomi Campbell. In ihrem Brüsseler Studio entwirft sie neben schöner Unterwäsche auch Cocktailkleider, Kimonos und maßgeschneiderte Kreuzfahrtkleidung. Ihre Entwürfe waren bereits auf den Titeln von Vogue, The New York Times Magazine oder Madame zu sehen.

Zum Valentinstag 2020 hat Carine Gilson eine ganz spezielle Kooperation gestartet: Sie hat mit dem Chocolatier Pierre Marcolini eine genussvolle und raffinierte Kollektion kreiert, die die Liebe zur Schokolade und zur Spitze zelebriert. Entstanden ist eine Sammlung von vier Kreationen, die die Finesse einer Grand-Cru-Schokolade mit der Vergänglichkeit einer Spitze verbinden, die die Schachteln umhüllt. Mit Liebe von Hand gearbeitete Kreationen für den Genuss mit allen Sinnen – genau das richtige zum Valentinstag!

 

Fotos:

Copyright: Maison Fabienne Delvigne

Copyright: Gerard Uferas für Bernard Depoorter

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