Belgien zieht im Kampf gegen Corona die Zügel an

Von Michael Stabenow.

Die steil ansteigende Zahl von Corona-Neuinfektionen zwingt Belgien zur Kurskorrektur. Ab Freitag gelten verschärfte Schutzvorkehrungen. Die sogenannten persönlichen Blase, in der kein Mindestabstand von 1,5 Metern ohne Maske zu wahren wird, auf drei Personen, außerhalb des eigenen Haushalts, reduziert.

Bisher lag die Höchstgrenze bei sechs Personen bzw. fünf außerhalb des eigenen Haushalts. Die neue Höchstzahl gilt auch für Gäste, die zuhause empfangen werden dürfen, für Tische in Cafés sowie für Menschenansammlungen auf offener Straße. Unverändert müssen Masken insbesondere im öffentlichen Nahverkehr, Schulen sowie in Läden und stark frequentierten Einkaufsstraßen getragen werden.

Die Entscheidungen fielen auf einer kurzfristig einberufenen Sitzung der Spitzen der neuen Föderal- und Regionalregierungen, im sogenannten Konzertierungsgremium und nicht, wie üblich, im Rahmen des Nationalen Sicherheitsrats. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Anzahl der täglichen Neuinfektionen besorgniserregend – um 47 Prozent – emporgeschnellt ist. Die Anzahl der am Virus Verstorbenen ist inzwischen doppelt so hoch, wie vor Wochenfrist.

Der neue Premierminister Alexander De Croo und der neue Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke sprachen von einer besorgniserregenden Entwicklung, der rasch Einhalt geboten werden müsse. Sollten die neue Maßnahmen nicht greifen, seien noch strengere Vorkehrungen unerlässlich. „Wir werden alles tun, einen neuen Lockdown zu vermeiden. Aber es liegt in unser aller Hände“, sagte De Croo. Die nun beschlossenen Maßnahmen, darunter auch die Schließung von Cafés um 23 Uhr, seien „sehr bedauerlich, aber notwendig“;  aber Cafés seien „Hotspots für Infektionen“, sagte der flämische Sozialist Vandenbroucke.

Es komme generell entscheidend darauf an, die Abstands- und Handhygieneregeln strikt einzuhalten, forderte der Gesundheitsminister. Gleichzeitig sollen im Alltag die Beschränkungen auf ein notwendiges Mindestmaß begrenzt bleiben. Weitere Beeinträchtigungen für Schulen oder die Wirtschaft sind nicht vorgesehen, auch wenn Telearbeit, wo möglich, weiter stark empfohlen wird. De Croo und Vandenbroucke kritisierten den nonchalanten Umgang einer Reihe von Zeitgenossen mit den Sicherheitsvorkehrungen – mit allen damit verbundenen Gefahren einer Ausbreitung des Virus. Es könne nicht angehen, dass die meisten Menschen sich an die Regeln hielten, während sie eine kleine Minderheit „mit Füßen tritt“, sagte Vandenbroucke. Bei Verstößen soll daher konsequenter eingegriffen werden. Bürgermeister und Provinzgouverneure sind berechtigt, weiterreichende Maßnahmen zu ergreifen, sollte die Entwicklung dazu zwingen.

Der Ministerpräsident der Brüsseler Hauptstadtregion, Rudi Vervoort, kündigte dazu für diesen Mittwoch Entscheidungen an. Seit Ende vergangener Woche ist eine am deutschen Beispiel orientierte Corona-App unter der Bezeichnung „Coronaalert“ verfügbar. Bisher haben sie mehr als 650000 Nutzer heruntergeladen. Die neue Regierung hat ferner einen „Corona-Beauftragten“ ernannt. Der 39 Jahre alte Flame Pedro Facon war zuletzt Leiter der belgischen Gesundheitsverwaltung und soll für eine reibungslosere Zusammenarbeit zwischen Föderalstaat und Regionen sorgen.

 

Am 8. Oktober 2020 von 12h30-14h00 ist Belgieninfo live im Gespräch zu den aktuellen Corona-Regeln mit Martin Kotthaus, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Belgien und Oliver Paasch, dem Ministerpräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

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