Belgien

Belgien reduziert Corona-Beschränkungen weiter

Von Michael Stabenow.

Die Fortschritte bei den Impfungen, die sinkende Anzahl positiver Testergebnisse sowie der Rückgang der Belastung der Krankenhäuser lassen in Belgien weitere Lockerungen von Corona-Schutzvorkehrungen zu. Die Spitzenvertreter von Föderal- und Regionalregierungen beschlossen daher am Freitag, ab dem 9. Juni die Bewirtung von Gästen in Cafés und Restaurants auch in Innenräumen zu ermöglichen. Öffnungszeit ist dann landeseinheitlich bis 23.30 Uhr, statt der bisherigen „Polizeistunde“ ab 22 Uhr. Zwei weitere Neuerungen betreffen das Homeoffice und den Empfang von Besuch zu Hause. Ab kommendem Mittwoch können Beschäftigte nun einen Tag in der Woche an ihren angestammten Arbeitsplatz zurückkehren. Und zuhause dürfen nun gleichzeitig vier Gäste – und nicht immer dieselben – empfangen werden.

Ob es noch weitere Lockerungen gibt, wird der zuständige Konzertierungssauschuss bei seiner für kommenden Freitag geplanten Sitzung entscheiden, sofern die Corona-Indikatoren weiter in die richtige Richtung weisen. Dazu könnten neue Regeln für die zulässige Anzahl von Besucherinnen und Besuchern auf Jahr- sowie Flohmärkten gehören.

Als Voraussetzung für die Lockerungen hatte der Konzertierungsausschuss genannt, dass bis zum 9. Juni mindestens 80 Prozent der über 65-Jährigen und als besonders gefährdet geltende jüngere Erwachsenen mit Vorerkrankungen eine erste Impfdosis erhalten haben sowie die Zahl der Intensivpatienten unter 500 sinken sollte. Zuletzt warden dies noch 341 Menschen.

Mit Spannung waren die Beschlüsse zu Auslandsreisen erwartet worden. Geklärt wurden dann jedoch nur die Regeln für Reisen nach Belgien. Wer länger als zwei Wochen einen vollständigen Impfschutz hat, muss vor oder bei der Einreise nach Belgien keinen negativen PCR-Test mehr vorlegen, auch wenn aus einer sogenannten roten Risikozone kommt. Rückkehrende, auch Ungeimpfte, die aus Gebieten mit weniger Risiken (gelbe oder orangefarbene Zonen) einreisen, müssen sich ebenfalls nicht mehr testen lassen und auch nicht mehr in Quarantäne begeben.

Neu ist, dass nicht geimpften Reisenden die Kosten für maximal zwei Tests erstattet werden sollen. Dies gilt jedoch nicht für vollständig geimpfte Personen, die sich in Länder begeben, in denen in jedem Fall ein negatives PCR-Testergebnis verlangt wird, was in vielen europäischen Reisezielen der Fall ist. Für Abhilfe soll das beschlossene EU-Impfzertifikat sorgen. Es soll von Anfang Juli an den ungehinderten Reiseverkehr innerhalb der EU garantieren. Selbst wenn die Impfzertifikate fristgerecht verfügbar sein sollten, bleibt es aber den Mitgliedstaaten unbenommen, eigenständig weitere Auflagen für die Einreise zu erlassen. Darauf hat der belgische Regierungschef Alexander De Croo am Freitag hingewiesen.

Er warnte zudem erneut vor Virusvarianten, gegen die Impfstoffe weniger Schutz bieten könnten und rief er zur Einhaltung der geltenden Schutzvorkehrungen auf. De Croo nannte zehn „Grundregeln“, die zu beachten seien. Sie reichen vom regelmäßigen Händewaschen über die Achtung der Abstandsregeln bis zu freiwilligen Selbsttests und der ausreichenden Belüftung von Innenräumen. Auch draußen sei es besser, wenn sich „fünf statt fünfzig Menschen“ träfen, meinte der Premierminister.

Für Diskussionsstoff haben bei der Sitzung des Ausschusses insbesondere die vorgesehenen Öffnungszeiten der Innenbereiche von Gaststätten gesorgt. Letztlich einigte sich die Runde auf einheitliche Zeiten für Außen- und Innenbereiche. Begründet wurde dies nicht zuletzt damit, dass es, bei der am 11. Juni beginnenden Fußball-Europameisterschaft, durch frühere Schließzeiten für die Innenbereiche wahrscheinlich zu Gedränge auf den voraussichtlich oft mit Fernsehgeräten bestückten Terrassen kommen dürfte.

Um 23.30 Uhr sollen jedoch Cafés und Restaurants unwiderruflich schließen. Dafür dürfen sie fortan statt um acht Uhr morgens künftig schon um fünf Uhr die ersten Gäste empfangen – zum Frühstück, wie die flämische Wirtschaftsministerin Hilde Crevits nach der Sitzung des Konzertierungsausschusses schmunzelnd bemerkte.

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