Belgien bleibt auf hartem Kurs bei der Corona-Bekämpfung

Von Michael Stabenow.

Die Spitzen von Föderal- und Regionalregierungen haben bei ihrer Sitzung am Freitag beschlossen, dass die Einzelhandelsgeschäfte unter strikten Auflagen am 1. Dezember wieder öffnen dürfen, zu den erhofften Lockerungen an den Weihnachtstagen sowie an Silvester und Neujahr wird es dagegen nicht kommen. Alleinstehende Menschen können während der Feiertage immerhin zwei statt bisher eine weitere Person als sogenannte Kuschelkontakte („knuffelcontacten“) treffen.

Zuletzt hatte es, auch unter dem Eindruck der in den Nachbarländern für die Weihnachtszeit geplanten Lockerungen, verstärkte Bestrebungen gegeben, die belgische Beschränkungen zum Teil aufzuheben. Doch letztlich setzte sich die Vorsicht durch. „Wir dürfen nicht das alles, was wir in den vergangenen vier Wochen erreicht haben, an vier Tagen, an Weihnachten und zu Neujahr, wieder aufs Spiel setzen“, sagte Premierminister Alexander De Croo.

Geschäfte können am Dienstag wieder öffnen, aber unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Grundsätzlich müssen je Kunde durchschnittlich 10 Quadratmeter an Ladenfläche zur Verfügung stehen. Die Händler müssen am Eingang ihrer Geschäfte Desinfektionsmittel bereitstellen. Einkäufe sollen möglichst ohne Begleitung stattfinden; der Aufenthalt in den Läden soll nicht länger als eine halbe Stunde dauern. „Fun-Shopping“ dürfe es nicht geben, sagte De Croo. Die generelle Öffnung der Geschäfte zum jetzigen Zeitpunkt soll dazu beitragen, den in der Vorweihnachtszeit zu erwarteten Andrang zeitlich besser zu verteilen.

Zu den wenigen jetzt beschlossenen Erleichterungen zählt, dass Schwimmbäder und Museen wieder geöffnet werden. Verboten wurde dagegen Feuerwerk und Böllern in der Neujahrsnacht. Die nächtlichen Ausgangssperren – zwischen 22 und 6 Uhr in Brüssel und Wallonien, zwischen Mitternacht und 5 Uhr in Flandern – bleiben weiter in Kraft.

De Croo stellte für den Fall, dass die Kurve der Neuinfektionen, Krankenhausaufnahmen und Todesfälle weiter deutlich nach unten weisen werde, weitere Lockerungen für Mitte Januar auch für das Gaststättengewerbe, aber auch für Friseure oder Schönheitssalons in Aussicht gestellt. De Croo sagte, er begreife die allgemeine Enttäuschung über die Beibehaltung der strikten Auflagen. Aber es gelte, unter allen Umständen eine dritte Infektionswelle und eine Überforderung des Gesundheitswesen des Landes zu vermeiden.

Belgien, das vor Monatsfrist eines der höchsten Infektionsaufkommen aufwies, hat in den vergangenen Wochen erhebliche Fortschritte verzeichnet. Nach den offiziellen Zahlen der Gesundheitsbehörde Sciensano gingen die Neuinfektionen zwischen dem 18. und 24. November um 35 Prozent gegenüber der vorangegangenen Woche zurück. Deutlicher rückläufig waren zuletzt auch die Zahlen der in den Krankenhäuser aufgenommen Corona-Patienten. Sie sanken im Wochenvergleich um ca. 30 Prozent, ähnlich wie die der Todesfälle, die immerhin um 20 Prozent geringer ausfielen. Und die jüngsten Zahlen lassen trotz der wieder aufgenommenen Tests von symptomfreien Personen einen weiteren Rückgang erwarten.

De Croo rief unter Verweis darauf, dass in Zeiten sinkender Infektionsraten das Virus nicht aus Ländern mit höheren Zahlen eingeschleppt werden dürfe, von Skiurlaub in der kommenden Wintersaison ab. „Wir müssen absolut das vermeiden, was im vergangenen Jahr passiert ist“, sagte der Regierungschef in Anspielung auf die aus dem österreichischen Ischgl und anderen Wintersportorten auch nach Belgien eingeschleppten Corona-Infektionen. Nicht zuletzt deshalb sollen die zuständigen Behörden in den kommenden Wochen verstärkt den grenzüberschreitenden Reiseverkehr in „rote Zonen“ und die Einhaltung der damit verbundenen Auflagen zu Tests und Quarantäne überwachen. Ausnahmeregeln gelten jedoch weiterhin für Grenzpendler und den kleinen Grenzverkehr mit Deutschland, wie der Ministerpräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft, Oliver Paasch, in der Pressekonferenz am Freitag betonte.

Die Einzelheiten der am Freitag getroffenen Entscheidungen sind im Internet unter www.info-coronavirus.be – auch in deutscher Sprache – abrufbar.

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