Antwerpens Pfarrerehepaar kehrt nach Westfalen zurück

Von Marion Schmitz-Reiners.

Knapp sechs Jahre war er Pfarrer der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in der Provinz Antwerpen (DEGPA). Nun gehen Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi und seine Ehefrau Cordula Jacobi nach Deutschland zurück. Am Sonntag, dem 13. Januar, verabschiedete sich das Pfarrerehepaar mit einem feierlichen Gottesdienst und festlichen Empfang von einer Gemeinde mit der Ausdehnung des Ruhrgebiets. 130 Gemeindemitglieder und Vertreter der unterschiedlichsten Kirchen und Organisationen, mit denen die Jacobis Jahre lang zusammengearbeitet hatten, hatten sich in in der Antwerpener Damiankirche eingefunden.

Im September 2013 war Pfarrer Jacobi (°1965) in Antwerpen angetreten. Seine Amtszeit wäre eigentlich Ende Juni 2019 abgelaufen. Aber unverhofft schnell eröffnete sich ihm eine neue Perspektive: Ab Februar ist er „Schulreferent für das westliche und nördliche Münsterland“. Deshalb entließ die Evangelische Kirche in Deutschland ihn vorzeitig aus dem Entsendevertrag.

Eng eingebunden ins kirchliche Umfeld

Der Abschiedsgottesdienst in der Kirche des Antwerpener „Theologisch Pastoraal Centrum“ war ein letztes Manifest der engen Verflechtung der Jacobis mit ihrem belgisch-flämischen Umfeld und der blühenden Antwerpener Ökumene. Erschienen waren Vertreter einer katholischen Schwesterkirche, des ökumenischen Antwerpener „Rats der Kirchen“, der Vereinigten Protestantischen Kirchen in Belgien (VPKB), der evangelischen Gemeinden von Antwerpen und nicht zuletzt der Brüsseler Emmausgemeinde. Glanz verliehen wurde dem Gottesdienst auch durch einen kleinen flämisch-deutschen Kirchenchor, der erst drei Wochen zuvor von einigen Gemeindegliedern gegründet worden war. Überhaupt gehört es zu den „Alleinstellungsmerkmalen“ der Gemeinde, dass ihr zahlreiche (auch katholische) Flamen beiderlei Geschlechts angehören, nicht zuletzte Ehepartner von deutschen Gemeindemitgliedern.

Unter den Grußadressen beim anschließenden festlichen Empfang stach der Beitrag der Brüsseler Emmausgemeinde hervor: Eine Presbyterin hatte den Shanty „Hamborger Veermaster“ dem Anlass entsprechend umgedichtet und die Gäste sangen, begleitet von Pfarrerin Ruth Koßmann an der Gitarre, aus voller Brust den Refrain mit.

Treibende Kraft des Lutherjahrs

Höhepunkt der Amtszeit von Pfarrer Jacobi war zweifellos das „Lutherjahr 2017“, zu dessen Organisation in Antwerpen er wichtige Beiträge geleistet hatte. So war er Kurator der Ausstellung „Luther-Frühling in Antwerpen“ in der Antwerpener St. Andreaskirche. Es war ein Glücksfall, dass Jacobi ausgerechnet im Jahr des 500. Gedächtnisses des Thesenanschlags in Wittenberg in Antwerpen amtierte: Er hatte über „Das Verständnis christlicher Freiheit in den frühen Schriften Martin Luthers“ promoviert und konnte die flämischen Organisatoren des Lutherjahrs, denen der Reformator Johannes Calvin wesentlich vertrauter ist als Martin Luther, intensiv beraten.

Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählte Jacobi die Präsenz als Redner bei Gedenkveranstaltungen wie dem jährlichen Volkstrauertag auf dem Soldatenfriedhof in Lommel oder den Feiern anlässlich des Endes des 1. Weltkriegs in Langemark. „Als Geistlicher darf man Dinge sagen, die Politiker lieber nicht sagen.“ Allerdings erforderten solche Reden „ein ausgeprägtes Fingerspitzengefühl“. Weiter schrieb der Theologe während seiner Zeit in Antwerpen nicht weniger als drei Bücher. Das Buch „Im Zeichen Europas und der Ökumene“ handelt von der 500-jährigen Geschichte protestantischer Christen in Antwerpen – von Luther bis zur Gegenwart.

Zurück nach Westfalen

Am 21. Januar steht der Umzugswagen vor der Tür des Pfarrhauses Bredabaan 220 im Bezirk Merksem. Ein Haus für „5000 Bücher und ein Ehepaar“ haben die Jacobis im westfälischen Ochtrup unweit des Dienstortes Steinfurt gefunden. Somit kehren Thorsten und Cordula Jacobi in ihre Heimat Westfalen zurück.

Der oder die Nachfolger/in von Dr. Jacobi wird am 24. März von der Gemeinde gewählt. Er oder sie wird am 1. September das Amt antreten. Bis dahin leitet Pfarrer i.R. Christian Günther aus Erfurt übergangsweise die Gemeinde. Er und seine Frau Erika, erfahren in Auslandsvertretungen, ziehen am 1. Februar für fünf Monate ins provisorisch möblierte dreistöckige Antwerpener Pfarrhaus ein.

Zu den Gottesdiensten in Antwerpen (jeden 2. und 4. Sonntag im Monat) und im Gemeindeteil Mol (jeden 1. und 3. Sonntag im Monat) ist jeder herzlich eingeladen.

Mehr Informationen auf www.degpa.be.

Ein Kommentar

  1. Edith Gille schreibt:

    Ich wünsche dem Pastorenpaar aus Schandelah einen guten Einstieg im neuen Zuhause .Mit freundlichem Gruß Edith Gille Wolfenbüttel

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