Aktuell, Europa

Aktuell: Lockerungen der Covid-Reiseregelungen in der EU

Copyright ECDC

Von Reinhard Boest

In Belgien hat der Konzertierungsausschuss von Föderal- und Regionalregierungen gerade die meisten Beschränkungen aufgehoben, die seit gut zwei Jahren – mit Unterbrechungen – zur Bekämpfung der Covid-Pandemie galten. Da die Reisesaison bevorsteht, richtet sich das Interesse auf die Lage in den anderen EU-Staaten. Worauf müssen sich Urlauber einstellen?

Auch wenn dem Ukraine-Krieg derzeit in den Medien das Hauptaugenmerk gilt: das Corona-Virus ist auch in den EU-Staaten immer noch präsent. Sinkende Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Inzidenz sich fast überall noch immer auf einem Niveau befindet, das in früheren Stadien der Pandemie alle roten Lampen hätte leuchten lassen. Nach den wöchentlich veröffentlichten Daten des Europäischen Zentrums für für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) betrug die 14-Tage-Inzidenz (Infektionen pro 100.000 Einwohner) am 15. Mai im EU-Durchschnitt gut 600. Am geringsten war die Zahl in Polen (17,4), am höchsten in Portugal (2286); in Belgien lag sie bei 477, in Deutschland bei 1048. Beim Vergleich der Zahlen sollte allerdings beachtet werden, dass die Testfrequenz zwischen den Staaten stark differiert. In Deutschland wird die Inzidenz nicht auf 14, sondern auf sieben Tage bezogen.

Die weiter sinkende Tendenz der Infektionen (außer in Portugal) und der Krankenhausaufnahmen, die inzwischen erreichte Zahl geimpfter Personen und die geringere Gefährlichkeit der vorherrschenden Omikron-Variante haben dazu geführt, dass auch die zu Beginn der Pandemie eingeführten, teilweise drakonischen Beschränkungen für Reisen innerhalb des Schengen-Raums allmählich gelockert werden. Für die Einreise aus Virusvariantengebieten gelten weiterhin Beschränkungen; ein solches Gebiet gibt es derzeit in Europa aber nicht.

23 der 30 Schengen-Länder sowie Irland haben die Corona-bedingten Beschränkungen aufgehoben, zuletzt Griechenland und Österreich; die Einreise aus einem anderen Schengen-Land ist dort also ohne Nachweis von Impfung, Genesung oder Test und ohne Einreiseanmeldung (Passenger Location Form) möglich. Auch im Vereinigten Königreich einschließlich der Kanalinseln gibt es keine Corona-bedingten Einreisebeschränkungen mehr (aber natürlich „Brexit-bedingte“ wie Pass und eventuell Visum).

Nur sieben Mitgliedstaaten halten noch an Nachweispflichten bei der Einreise fest (die durch das EU-Covid-Zertifikat erbracht werden können): Deutschland, Frankreich, Malta, Zypern, Italien, Spanien und Portugal. In  Italien gelten diese Beschränkungen nur noch bis zum 31. Mai, in Deutschland werden sie vom 1. Juni bis 31. August ausgesetzt. In Spanien und Portugal gelten sie für die Einreise auf dem See- und Luftweg, aber nicht auf dem Landweg (also vor allem Auto und Zug). Eine Einreiseanmeldung (Passenger Location Form) verlangen weiterhin Frankreich (nur bei Einreise auf dem Luftweg), Malta und Slowenien (bei Einreise per Flugzeug oder Schiff).

Nach dem aktuellen Stand ist also Frankreich das einzige Nachbarland Belgiens, das auch nach dem 31. Mai für die Einreise den Nachweis einer Impfung, Genesung oder eines negativen Testergebnisses verlangt.

Für Einreisen aus Drittstaaten gilt seit März 2022 eine Empfehlung, wonach die gleichen Kriterien gelten sollten wie bei Reisen innerhalb der EU, das heißt im Allgemeinen Öffnung für Geimpfte, Genesene und Getestete.

Die EU-Verordnung zum Covid-Zertifikat (mit dem Impfung, Genesung oder ein negativer Test nachgewiesen werden können) ist derzeit bis zum 30. Juni 2022 befristet. Die EU-Kommission hat im Februar vorgeschlagen, die Laufzeit um ein Jahr zu verlängern. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Die Mitgliedstaaten haben sich grundsätzlich für eine Verlängerung ausgesprochen. Das Europäische Parlament steht dem Zertfikat nach wie vor kritisch gegenüber, da es darin eine Beschränkung der Reisefreiheit sieht, die dem Geist des Schengen-Abkommens widerspreche. Die Pandemie hat allerdings auch hier einige bisherige europäische „Gewissheiten“ ins Wanken gebracht. Das Zertifikat ist wahrscheinlich das geringere Übel gegenüber unkontrollierbaren nationalen Alleingängen, und darum wird die Verlängerung wohl auch beschlossen werden. Denn niemand weiß, wie sich die Lage im nächsten Herbst entwickeln wird, und da kann das Zertifikat durchaus wieder von Nutzen sein…

Weitere Informationen, auch über die anderen Corona-Regeln, wie etwa Maskenpflicht: https://reopen.europa.eu/de/

 

 

Leave a Comment

Ihre E-Mail-Adresse wird veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.