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Er war un vrai Ketje bruxellois: Adieu Freddy Thielemans!

Von Heide Newson.

Er war einer der bekanntesten Bürgermeister Belgiens und Europas. Freddy Thielemans, Altbürgermeister von Brüssel, ist mit 77 Jahren gestorben.

Von 2001 bis 2013 übte das Mitglied der frankophonen Sozialisten das Amt des Brüsseler Bürgermeisters aus. Wie wohl kaum ein anderer prägte der ehemalige Lehrer die belgische Hauptstadt und stellte in dieser so einiges auf den Kopf. So verlegte er den traditionellen Weihnachtsmarkt von der Grand´Place auf die Place Ste.Catherine und transformierte ihn zum Wintervergnügen.

Nicht jedem gefiel das, und einige Brüsseler meinten gar, er mache aus ihrer Stadt eine Art Vergnügungsspark. Auch im Entertainment- und Kulturbereich wagte er viel Neues. In einem Interview sagte er einmal, Brüssel dümpele und lahme einfach vor sich hin, und der Stadt hinge der Ruf einer überdimensionalen Verwaltungsstadt an.

Heide Newson mit Freddy Thielemans

An diesem Image wollte Thielemans etwas ändern. Dabei dachte er auch an diejenigen, die sich aus finanziellen Gründen keinen Urlaub leisten können. Sein Projekt „Bruxelles-les-Bains“ war ein voller Erfolg. Thielemans verstand sich glänzend mit seinen Kollegen im In- und Ausland, nur mit Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever hatte er Probleme. Dafür liebte er seine Brüsseler, und sie ihn.

Und was für uns noch wichtiger war: er war ein Freund von Belgieninfo. Wir hatten ihn zum 10jährigen Bestehen des Vereins eingeladen, und er hatte zugesagt. Dann kam er nicht, dann war er plötzlich da, und dann blieb er. Mehrere Stunden plauderte er mit den Redaktionsmitgliedern in vielen Sprachen, auch auf Deutsch, und am besten als Ketje (Brüsseler Straßenjunge) oder doch wie ein erwachsener „Kiekefretter“ (Brüsseler Urgestein).

Thielemans war ein Politiker zum Anfassen, bürgernah, ein lustiger Genussmensch, den man auch in einer einfachen Kneipe im Gespräch mit Otto Normalverbraucher antreffen konnte. Stets habe er ein offenes Ohr für ihre Sorgen gehabt, heißt es unter Bürgern, Geschäftsleuten und Kneipenwirten rundum die Grand´Place. „Er war einer von uns, er sprach wie wir, und konnte dabei doch auch mit Politikern, Regierungschefs ebenso reden, darauf sind wir stolz,“ ist in seiner großen Fangemeinde zu hören. Und genau so hatte es sich Thielemans nach seinem Ableben gewünscht. „Wenn sich die Menschen später so an mich erinnern, dann bin ich  stolz und glücklich,“ hat er einmal gesagt.

Zu seinem Vermächtnis gehört die Verpflichtung, für ein gewaltfreies, aber multikulturelles Stadtleben zu arbeiten. „Wir haben bereits viel für die Integration getan, aber es gibt weiterhin viel zu tun. Wir sorgen dafür, dass unsere muslimischen Bürger eine gute Ausbildung bekommen, und somit eine faire Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Sie in Arbeit zu bringen, ist mir das Wichtigste. Wichtig ist auch, ihnen den nötigen Respekt zu geben, sie menschenwürdig zu behandeln und als gleichwertig zu betrachten. Werden sie so wahrgenommen, und sprechen wir auf derselben Augenhöhe mit ihnen, dann wird es für sie viel schwerer sein, zurückzuschlagen, oder gewalttätig zu reagieren.“

 

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