Abschied von Hans

Hans Hadler (vorn), Kollege

Von Rudolf Wagner, Heribert Korfmacher, Jan Kurlemann.

Es ist nun 18 Jahre her. Drei Europa-Korrespondenten saßen in der späteren Redaktions-Stammkneipe von Belgieninfo.net an der Brüsseler Place Dumon beim Bier und überlegten, wie sie als Rentner ihren Unruhestand bewältigen sollten. Hans Hadler von der „Welt“, Heribert Korfmacher von der Deutschen Welle und Rudolf Wagner, zuletzt RTL. Es war die Geburtsstunde einer besonderen Internetpräsenz, die wir zunächst Wowaswie tauften. Wir wollten einen neuen Zeitvertreib und ahnten nicht, wie viel Erfolg wir unerwartet gewinnen würden.

Hans Hadler, den wir mit wachsender Vertrautheit untereinander „Hänschen“ nannten, trug mit seinen wirtschaftspolitischen Beiträgen mitentscheidend zum Erfolg des Unternehmens bei. Auf ihn konnte man sich verlassen. Seine Landschaften waren die Milchseen und Butterberge, seine Zahlungsmittel die D-Mark, der Franc und die Lira, sein Herz schlug für Europa. Er war ein guter, ein ehrlicher Freund.

Zu dieser Zeit war er über zwanzig Jahre lang Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ in Brüssel gewesen, die ihn wegen seiner Kenntnisse und Verbindungen über den Renteneintritt hinaus weiter beschäftigte. Er hieß dort immer „Wilhelm Hadler“. Darauf bestand das Haus Springer, weil dort die Geburtsurkunde für die Autorenzeile maßgeblich war, und auf ihr hieß er „Wilhelm“. Und bei Belgieninfo wurde er gebraucht, bei inzwischen täglich 750 Lesern oder mehr. Aber dann fehlte er immer öfter bei den Redaktionssitzungen. Und die Aufträge der „Welt“ wurden weniger.

In der Dämmerung

Hans verlor mit zunehmendem Alter den Kontakt zur Realität. Er zog mit Gaby, seiner Frau, nach Hamm, um gepflegt zu werden und bat von dort. auf der Redaktionsliste von Belgieninfo zu bleiben, um bei der nächsten Sitzung die Kollegen wiederzutreffen. Wie Gaby berichtete, erinnerte er sich auch regelmäßig daran, dass er zu „Briefings“ der Europäischen Kommission oder zu Pressekonferenzen gehen musste. Europa ließ ihn nicht los. Der Tod ließ ihn warten. Am 8. März ist er für immer eingeschlafen.

Wie das Haus Springer in der Todesanzeige schreibt, verlor es mit ihm „einen ambitiösen Journalisten und einen liebenswürdigen Menschen und Kollegen“. Nichts könnte richtiger sein. Er wollte nicht im Vordergrund oder gar im Rampenlicht stehen, die Nachricht, die Information sollten der Mittelpunkt sein. Und wenn sich die Zeitung in letzter Minute am Telefon meldete, um ein „Kästchen“ im Wirtschaftsteil zur Erläuterung eines erklärungsbedürftigen „EU-Begriffs“ zu bekommen, lieferte Hans schnell und zuverlässig seinen Text für diesen Platz.

https://www.welt.de/print-welt/article567118/Der-ewige-Kampf-gegen-Milchseen-und-Butterberge.html

Hans Hadler war und ist Teil der Geschichte von belgieninfo.net.  Ein Crash unseres Webarchivs hat vor einigen Jahren seine Bilder und Beiträge unwiederbringlich gelöscht. Die Redaktion von Belgieninfo denkt mit Respekt und Dank an diesen bescheidenen, liebenswerten Menschen und unsere erfolgreiche Zusammenarbeit.

4 Kommentare

  1. Gisbert Kuhn schreibt:

    Ein sehr schöner und passender Nachruf. Gisbert.

  2. luc leysen schreibt:

    adieu, lieber ‚hans‘. dein herzliches, ironisches lachen wird uns fehlen. luc

  3. Michael Stabenow schreibt:

    Dem Nachruf ist wenig hinzufügen:

    Hans Hadler war im Kreis der Brüsseler EU-Korrespondenten über lange Jahre eine „Institution“. In unnachahmlicher Weise versfügte er über die Gabe, komplizierte Sachverhalte – vom sogenannten Grenzausgleich für die Landwirte bis zu den Verästelungen etlicher Vertragsreformen – in einer verständlichen Sprache auszudrücken. Vor allem aber war er ein liebenswerter, keineswegs nur zu Gesprächen und Scherzen über journalistischen Innereien aufgelegter Kollege und Wegbegleiter.

    Michael Stabenow

  4. Samuel Korfmacher schreibt:

    Danke Hans, Du wirst uns fehlen…

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