Abgesang aufs deutsche Fernsehen?

Wie der Kabelnetzbetreiber Belgacom das Erste und Zweite Deutsche Fernsehen vom Bildschirm verschwinden lassen will, das hat Telenet schon vorgemacht: Er hat WDR 3, das regionale Programm des Westdeutschen Rundfunks Köln, das das benachbarte Rheinland und Westfalen abdeckt, ohne jede Rücksprache mit den Abonnenten aus dem Kabel geworfen.


Die Begründung: Wegen mangelnder Zuschauerquote bringe der WDR 3 nicht genug Gewinn. Dabei hatte Telenet noch im letzten Jahr seine Abonnenten, vor allem in Flandern und am Brüsseler Rand, zu einer teureren „Digibox“ genötigt, damit sie weiter ein breites internationales digitales Kabelangebot zur Verfügung haben konnten und nicht auf das analoge Angebot mit einer Handvoll Sender beschränkt wurden.


Ein ganz persönlich Betroffener


Schwer verärgert ist, wie zahlreiche Telenet-Abonnenten, der in Flandern lebende belgische Journalist Luc Leysen. Er war viele Jahre Fernsehkorrespondent des Ersten Deutschen Fernsehens (ARD) und des WDR 3 in Brüssel und in Afrika. Und jetzt soll er in Belgien „seinen“ deutschen Sender nicht mehr sehen können. Für Leysen ist Kabelfernsehen, bis vor kurzem in provinzialen und kommunalen Händen, auch eine Art Öffentlicher Dienst. Warum ist dann das Angebot der Willkür der Anbieter unterworfen?


Telenet als Goldesel


Ein Artikel in der flämischen Tageszeitung De Morgen vom 12. Februar gab Aufschluss. Unter dem Titel „Telenet verteilt Geschenke an Aktionäre“ berichtet die Zeitung, dass Telenet nach dem hohen Gewinn im vergangenen Jahr 950 Millionen Euro an seine Aktionäre ausschütten wird – sei es als Zahlung von Dividenden, sei es durch Rückkauf eigener Anteile mit Wertsteigerung für die Aktionäre. Damit will Telenet dem Gelddurst seines amerikanischen Mehrheitsaktionärs Golden Global entgegenkommen, der Geld für die Übernahme der britischen Virgin Media braucht. Dafür hat sich Telenet schon kräftig verschuldet.


Inzwischen hat Belgacom, die Konkurrenz von Telenet, angekündigt, die beiden öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehsender ARD und ZDF aus dem Angebot streichen zu wollen. Ohne offizielle Meldung waren ARD und ZDF am 18. Februar, dem geplanten Abschalttermin, noch immer auf Belgacom TV.


Autor: Jan Kurlemann

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