Abends in Brüssel, morgens in Wien – Im Nachtzug entspannt reisen

Von Franziska Annerl.

Mit ihrer Ankündigung, ab Jänner 2020 den direkten Nachtzug („Nightjet“) von Brüssel nach Wien und retour wiederzubeleben, haben die österreichischen Bundesbahnen ÖBB einen wahren Begeisterungssturm vor allem in der österreichischen Community in Brüssel ausgelöst. Reisen innerhalb Europas mit dem Zug zu machen entspricht offenbar– wieder – dem Zeitgeist.

Die Nachtverbindungen zwischen deutschen Großstädten und Wien befahren die ÖBB seit einigen Jahren wieder erfolgreich, nachdem die Deutsche Bahn ihren Service 2016 eingestellt hatte. Die Österreichischen Bundesbahnen wiederum wollen ihr Nachtzug-Netz über ganz Europa weiter und dichter spannen.

Erst diesen Juli bin ich das erste Mal seit zwei Jahrzehnten mit dem Nachtzug von Brüssel ins österreichische Salzkammergut gereist, da ich mir mehrfaches Umsteigen von Flugzeug auf Bahn ersparen wollte. Erster Eindruck noch vor dem Fahrtantritt: Eine Reise mit dem Nachtzug kostet, will man auf einen gewissen Komfort nicht verzichten und bucht einen Schlafwagenplatz, deutlich mehr als das Flugticket. Preislich (inklusive Frühstück quasi ins Bett serviert) geht es von ca. 80 Euro pro Strecke aufwärts. Will man sich ein Single-Abteil mit Badezimmer gönnen, sind es rund 180 Euro. Im Liegewagen hat man die Auswahl zwischen 4er- und 6er-Belegung; es gibt auch eigene Damenabteile. Hier bekommt man bereits ab rund 50 Euro pro Strecke eine Pritsche.

Nicht nur für Urlaub im Salzkammergut ist der direkte Nightjet von Belgien nach Österreich ab Jänner praktisch: In Zukunft geht es ab Brüssel Montagabend und Donnerstagabend (ideal für ein langes Wochenende) über Wels, Linz, Amstetten und St. Pölten nach Wien. Der bisher in Düsseldorf abfahrende ÖBB Nightjet wird dann an diesen zwei Abenden pro Woche aus der belgischen Hauptstadt starten. Sonntag- und Mittwochabend fährt der Zug von Wien dann nicht mehr Düsseldorf, sondern via Aachen und Köln Brüssel an. Ideale Abfahrtszeiten für österreichische Mitarbeiter der EU-Institutionen, die ein (langes) Wochenende in der Heimat verbringen wollen.

Die Abteile und der Service sind im Schlafwagen jedenfalls sehr ansprechend: Zur Begrüßung gibt es gleich eine kleine Flasche Prosecco und Snacks. Danach kommt der Steward und macht das Bett. Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht – in meiner Jugend kam mir das Bahnfahren bei Nacht nicht so rumplig vor – kann man sich aber mit ausreichend Kaffee und einem guten österreichischen Frühstück stärken. Im Liegewagen ist ein kleines Frühstück auch dabei. Noch schnell im Badezimmer frischgemacht, und los geht’s ins Wiener oder Brüsseler Stadtleben. Ein weiterer Vorteil im Gegensatz zum Fliegen ist die Ankunft direkt in der Stadtmitte.

Die Österreichischen Bundesbahnen haben neben der Verbindung aus Brüssel noch weitere, teils große Pläne: Ab 2021 soll eine direkte Nachtverbindung aus Amsterdam folgen, und sogar bis nach China könnte es in naher Zukunft mit der Eisenbahn gehen. Dann wären Bahnreisen von Brüssel nach Peking möglich – vorausgesetzt, man bringt die dafür nötige Zeit mit.

ÖBB Nightjet: https://www.nightjet.com/

Ein Kommentar

  1. Wünschenswert wäre ein Nachtzug mit zeitgemäßen Schlaf- und Liegewagen zwischen Brüssel und Berlin. Aber selbst die Verbindung Paris-Berlin lebt nur noch in der Literatur fort: https://t1p.de/fka5

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