Aktuell, Belgien

32 Jahre Deutsche Einheit in Brüssel würdig gefeiert

Von Heide Newson

Seit 32 Jahren sind der Osten und Westen Deutschlands wieder vereint. Nach zwei Jahren Corona-Pause konnte der Tag der Deutschen Einheit endlich auch wieder in Brüssel gefeiert werden. Gastgeber waren Martin Kotthaus, Deutschlands Botschafter in Belgien, Niedersachsens Europaminister Matthias Wunderling-Weilbier und die Leiter/innen der Büros der deutschen Länder in Brüssel.

Das Wetter spielte perfekt mit, als sich weit vor 18 Uhr eine lange Menschenschlange vor der Landesvertretung Sachsen-Anhalt bildete, dem Gebäude der früheren DDR-Botschaft, in dem seit vielen Jahren die deutsche Einheit in Brüssel gefeiert wird. Und mehr als 400 Gäste warteten geduldig, um an einem Fest teilzunehmen, dass in ihrem Terminkalender seit vielen Jahren hohe Priorität hat. Die meisten Gäste hatten genügend Zeit für die Sicherheitskontrollen eingeplant, dann wurde ihnen der Eintritt mit einem herzlichen Willkommen gewährt.

Bereits beim Start der Feierlichkeiten um 18 Uhr war der Festsaal rappelvoll. Die Band spielte stimmungsvollen Jazz, ein strahlender Martin Kotthaus begrüßte seine Gäste, schüttelte unendlich viele Hände und plauderte angeregt mit seinen Gästen. „A United Germany in a strong and united Europe“ war das Thema des Abends, und die Ansprachen boten eine Mischung von Humor, Ernsthaftigkeit und motivierendem Optimismus.

Vor drei Jahren haben Sie hier getanzt. Wollen wir mal sehen, was heute Abend passiert ,“ witzelte Martin Kotthaus, der sogleich die Lacher auf seiner Seite hatte. “Ich bin so glücklich, Sie so zahlreich zu sehen. Drei Jahre lang sahen wir uns nur per Video-Konferenz, es ist so gut, dass dass wir uns wieder treffen können.“ Dann schlug er ernstere Töne an. In seiner Festrede sprach er die erfolgreiche Wiedervereinigung an. „Innerhalb eines Jahrs war Deutschland wiedervereint. Vor 32 Jahren wurde aus den zwei deutschen Staaten die Bundesrepublik Deutschland, gleichzeitig ein Mitgliedstaat der Vereinten Nationen, der Europäischen Union sowie der Nato.“ Dann habe sich Deutschland für die EU-Erweiterung eingesetzt, die ein großer Erfolg sei. „Das Vereinte Europa ist eine Wohlstands-, Friedens- und eine Stabilitätsmaschine,“ betonte er. Ein weiteres Thema war der brutale russische Angriff auf die Ukraine, die er als große Herausforderung bezeichnete. Viele Länder würden die Ukraine auf unterschiedliche Weise unterstützen. Bislang mit sehr guten Ergebnissen, so seine Einschätzung. Selbst Indien und China hätten zu verstehen gegeben, dass Krieg keine Lösung sei.

Der Botschafter ging auch auf die exzellenten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Belgien ein. Belgien sei derzeit Deutschlands zweitgrößter Gaslieferant. „Deutschland hat sich fast komplett von russischen Gaslieferungen befreit“. Das sei nur durch die Hilfe der Nachbarn wie Norwegen, den Niederlanden und Belgien möglich gewesen. „Unsere Stärke liegt in der Solidarität, zusammen sind wir in Europa stark,“ fuhr Kotthaus fort. Und zu den erneuerbaren Energien meinte er, dass derzeit viel in Bewegung sei. „ Im Augenblick werden ca. 50% des elektrischen Stroms in Deutschland mit erneuerbaren Energien produziert.“

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Welt ist in Bewegung. Leider nicht immer in die richtyige Richtung. Und nicht alles Gute zeigt sich sofort. Dennoch bin ich optimistisch. Wir werden die gegenwärtigen Herausforderungen meistern. Ich bin sicher, dass die belgisch-deutsche Freundschaft und die Partnerschaft mit diesem Land, das ich als Botschafter das Privileg hatte, vier Jahre zu begleiten, dabei eine zentrale Rolle spielen werden.“

Einigkeit und Partnerschaften innerhalb der EU nannte er als wichtigste Voraussetzungen, um die jetzigen Herausforderungen zu meistern. Und jeder einzelne könne zum Gelingen beitragen. In diesem Geiste wünschte ein sehr motivierender und optimistischer Martin Kotthaus seinen Gästen einen glücklichen „Tag der Deutschen Einheit.“ „Ich freue mich so sehr, diesen mit Ihnen hier feiern zu können.“

Gut kam ebenso die Festrede des niedersächsischen Europaministers Matthias Wunderling-Weilbier an, der mit Englisch loslegte, dann jedoch lieber in die Sprache Goethes wechselte. „Bevor ich mit meiner Rede beginne, habe ich Ihnen etwas mitzuteilen,“ kündigte er verschmitzt an. „Einige von Ihnen sind sich wohl der Tatsache bewusst, dass die Menschen in Niedersachsen behaupten, das reinste und aktzentfreiste Deutsch zu sprechen.“ Das gelte jedoch nicht zu hundert Prozent für sein Englisch, Französisch oder Deutsch. Es sei ihm nicht möglich, wie der Botschafter, so locker und leicht von einer Sprache in die andere zu wechseln. „Bitte erlauben Sie mir, meine Rede auf Deutsch fortzusetzen,“ was er dann auch tat.

Er freue sich, in Brüssel, dem Herzen Europas zu sein. Und dann noch an diesem ganz besonderen, diesem historischen Tag, ein ganz besonderer für Niedersachsen, für Deutschland, aber eben auch für ganz Europa. Hinzu komme, dass auch Niedersachsen mit Belgien in vielen Bereichen eng verbunden sei. Natürlich durch die Landesvertretung in Brüssel, aber auch durch zahlreiche Städtepartnerschaften und -freundschaften zwischen dem Königreich Belgien und dem Land Niedersachsen. „Es gibt für mich persönlich viele gute Gründe, den heutigen Tag voller Vorfreude entgegenzublicken. Dennoch möchte ich ihnen eine Frage nicht vorenthalten, die mir im Vorfeld des heutigen Tages durch den Kopf gegangen ist: Ist es richtig, in diesen Zeiten, in denen große Teile Europas enorme Belastungen ertragen müssen, und ein Krieg vor unserer Haustür tobt, an der großen Feier zum Tag der Deutschen Einheit teilzunehmen? Diese Frage konnte ich für mich sehr schnell und sehr deutlich beantworten: Ja, gerade jetzt.“ Die Symbolkraft dieses Tages gehe schließlich weit über den 3. Oktober 1990 hinaus; der Tag stehe dafür, dass Trennung, Feindseligkeiten und Unterdrückung von Menschen enden könne, er stehe dafür, dass Einheit, Gemeinsamkeit und das Streben nach Freiheit am Ende obsiegten. Und deshalb halte er es für wichtig, diesen Tag würdig zu begehen, gerade jetzt.

Diesen Gedanken schloss sich Belgiens Energieministerin Tinne Van der Straten an, die in ihrer Rede Deutschland zudem in Energiefragen belgische Unterstützung, Freundschaft und Loyalität zusagte.

Sichtlich bewegt und emotional angesprochen fühlten sich alle Gäste, als die belgische, deutsche und dann die europäische Hymne intoniert wurden. Jazzige Musik, Wein, Bier, leckere Häppchen, und jede Menge gute Gespräche und Stimmung sorgten dann für einen gelungenen und würdevollen Abend. „Ich habe hier ein Fest erlebt, das eine schöne Mischung aus heiterer Unterhaltung und feierlichem Ernst geboten hat,“ so ein flämischer Gast. Und dieser Meinung konnte man sich nur anschließen.

 

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