30. Geburtstag und kein bisschen leise: Das GAUME JAZZ FESTIVAL

gaumeAls Geburtstagsgeschenk präsentiert Igloo Records diese aktuelle Compilation, auf der nachstehend genannte Musiker zu hören sind: Majid Bekkas (Chant, Gembri, Guitar, Oud), Eve Beuvens (Piano), Lionel Beuvens (Drums), Jean-Louis Rassinfosse (Double Bass), Sabin Todorov (Piano), Pierre Vaiana (Saxophone), Pierre Van Dormael (Guitar), Michel Massot (Trombone) u.v.m. Zehn Kompositionen wurden auf der aktuellen CD veröffentlicht. Die ältesten Aufnahmen reichen bis ins Jahr 1994 zurück, als die „Seele der Poeten“ (L’âme des poètes) sich zu einer „schönen Geschichte“ hinreißen ließen.

Aufgemacht wird die vorliegende Zusammenstellung mit einem „Standard“: ‚Ain’t No Sunshine‘ von Bill Withers. Wie kein anderer Jazzmusiker hat sich der unterdessen verstorbene Gitarrist Pierre Van Dormael um den musikalischen Austausch zwischen Belgien und Westafrika Verdienste erworben. Für die Einspielung des Standards hat er sich den Stegharfenspieler Soriba Kouyate an seine Seite geholt. Koraklänge und Gitarrenphrasierungen gehen eine überaus „sonnige Melange ein“, unterstützt durch den konstanten Bassfluss, den Otti Van Der Werf beisteuert. Derweil scheinen Stegharfe und Gitarre in einen aufgeregten Dialog vertieft, ob die Sonne nun scheint oder aber nicht.

Abgelöst wird das afro-belgische Dreigestirn durch das fast zwei Jahrzehnte lang existieren Trio von Fabien Degryse (guitar), Jean-Lous Rassinfosse (double bass) und Pierre Vaiana am Saxofon. Eine überaus lyrisch-poetische Geschichte wird uns da erzählt. Ob das am prasselnden Kaminfeuer geschieht, das können wir nur erahnen, wenn sich Fabien Degryse und Pierre Vaiana über „Notenbildern“ unterhalten. Dazu gesellt sich mit einem dunklen Brummen Jean-Louis Rassinfosse, der seinen Bass zärtlich zupft. In einem derart gestrickten Trio ist es selbstverständlich, dass jeder Musiker auch in einem Solo sein handwerkliches Können unter Beweis stellt. Wenn man den durchaus frischen Tonfolgen nachgeht, dann meint man gar, dass die „schöne Geschichte“ eine Liebesromanze sein könnte. Verträumt schlendern die Verliebten durch den Park von Brüssel oder durch den Zoniënwoud vor den Toren der belgischen Hauptstadt. Was, ja was, mag wohl in den geöffneten Kühlschrank liegen, den uns der Bassist Rassinfosse öffnet? Süffige belgische Biere und Paterkaas? Wir werden es nicht erfahren, aber die Musik lässt diese Frage auch in den Hintergrund treten: Zwischen Bebop und Hard Bop bewegt sich die für die Zusammenstellung ausgewählte Komposition, die auf der CD ‚Crossworlds‘ erschienen ist. Flott und frisch sind das Tempo und die Harmonien, die von den „Blechbläsern“ Pierre Vaiana, Claudio Roditi und Gustavo Bergalli maßgeblich bestimmt werden. Und schauen da nicht Nat und Cannonball Adderley aus dem Jazzhimmel auf das Sextett um Rassinfosse herunter?

Folklore trifft Jazz

Nach ‚Seven‘, einem Stück von Lionel Leuven mit teilweise angedeuteten Latin-Grooves und ausgedehntem Trompetensolo, reisen wir musikalisch auf den Balkan. Bulgarien ist das Ziel, wohin der Pianist Sabin Todorov mit dem Bulgarka Junior Quartett aufgebrochen ist. „Folkloristisch“ wird es auch bei ‚Ali Ay Ali‘, denn dann ist uns dank dem Einsatz von Kastenhalslaute und arabischer Laute Timbuktu sehr nahe. Das ist auch dem Sänger, Gitarristen und Lautenspieler Majid Bekkas zu verdanken, zu dessen Ensemble u. a. der Klarinettist und Saxofonist Louis Sclavis und der Balafonspieler Aly Keïta gehören. Beim Balafon handelt es sich um ein Xylofon mit untergehängten Kalebassen. Ein wenig erinnert der Klang auch an ein Marimbafon, wie wir beim Zuhören feststellen. Flott ist der Rhythmus des Stücks, in dem Vorsänger und Chorsänger Afrika eine Stimme geben. Auch Louis Clavis stimmt mit seinem Saxofon den Klang des Sahels an. Keine Polka, aber einen italienischen Volkstanz – schon wieder ein Teelöffelchen Weltmusik und Folklore – bieten dann Pierre Vaiana und Co. dar, wenn es heißt: ‚Ballu Da Curdedda‘ und ‚Madonna, Madonnella‘. Mit ‚Hamdouchia‘ von Mâäk’s Spirit findet sich erneut eine gekonnte Verbindung von Jazz und Weltmusik auf der Geburtstagstorte des Gaume-Jazzfestivals, ehe mit ‚Les Roses de Saadi‘ – Eve Beuvens & Heptatomic spielen diesen Titel – das 30. Gaume-Jazzfestival ausklingt.

© ferdinand dupuis-panther

Informationen
www.igloorecords.be

Die CD kann nur auf der Website heruntergeladen werden.

Tags: CD, Musik

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