100 Jahre Afrika-Museum

Nur das Feuerwerk glänzte bei der Geburtstagsparty

 100 Jahre Afrika-Museum_01Geduldig warten Menschen in der Schlange, auf dem Grill brutzeln Spieße, daneben eine Schüssel mit Bananen. Die runden Tische, an die man sich stellen kann, sind mit bunten Decken belegt, eine Flasche „Kokosnuss-Bier“ steht verwaist herum, daneben drei, vier Plastikbecher einer belgischen Brauerei. Kinder springen vergnügt auf der aufblasbaren Hüpfburg herum, lassen sich daneben mit einem Löwengesicht beschminken, oder laufen mit einem der rosaroten Luftballons herum, auf denen geschrieben steht, warum wir gerade alle hier sind: Hundert Jahre Afrika-Museum Tervuren.

Ein Jahrhundert thront das herrschaftliche Museumsgebäude in diesen Tagen am oberen Ende eines geometrisch angelegten Parks und beherbergt einzigartige Exponate aus Belgiens ehemaliger afrikanischer Kolonie Kongo. Königlich war der Bau schon damals, denn König Leopold II. hatte ihn eigens zur Weltausstellung 1910 anlegen lassen, um 10 Kilometer vor den Toren Brüssels die Schätze und Kuriositäten seiner damaligen Privatkolonie zu präsentieren.

100 Jahre Afrika-Museum_02An die Größe der damaligen Schau erinnert an diesem Freitagabend herzlich wenig. Provinziell-gemütlich, fast belanglos dümpelt die Jubiläums-Feier vor sich hin. Dass es irgendwie um Afrika geht, macht neben den anekdotischen
Kokos- und Mango-Bieren (sie stammen aus belgischen Brauereien), den bunten Decken und der Kinderschminke gerade noch die rhythmusbetonte, leicht lasziv anmutende Musik deutlich, die auf der Bühne von farbigen Musikern vorgetragen wird. Und vielleicht noch die gute Stunde Verspätung, mit der die Künstler nach endlos erscheinendem Soundcheck ihre Stücke begannen. Zeit läuft in Afrika halt nach anderen Uhren.

 

Zu den Menschen sprechen

Nicht so dagegen beim Museumsdirektor Guido Gryseels. Punkt 20.15 Uhr, wie im Programm vorgesehen, ergreift er das Mikro und spricht zu den Menschen. Nicht alle interessieren sich für die Worte. Lange hat es auch den Anschein, als ob Gryseels linguistisch darauf bestehen würde, dass Tervuren eben eine flämisch sprechende Gemeinde sei. Erst auf das Zuflüstern eines Museums-Mitarbeiters formuliert er einige Sätze auf Französisch, überreicht Tervurens Bürgermeister Bruno Eulaerts dann eine 10-Euro Münze, eine Sonderprägung zum 100. Geburtstags des Museums-Gebäudes.

100 Jahre Afrika-Museum_03Eulaerts selbst zeigt sich weltgewandter, begrüßt sogar auf Deutsch und Englisch die Gäste. Fast unbemerkt von der Menge enthüllen die beiden Männer anschließend die erste von 33 Tafeln, die anlässlich der Geburtstagsparty als Dauereinrichtung bestehen bleiben sollen. Vom Marktplatz am nahen See entlang bis zum Museum sind sie aufgestellt. 100 Jahre in 100 Fotos – so das Motto. Episoden aus der Museums-Geschichte werden in Wort und eben Bild geliefert. Eine Blaskapelle mit weißen und farbigen Musikern begleiten die beiden Männer bei ihrem Weg an den 33 Tafeln entlang. Die meisten Festbesucher pilgern am falschen Ufer dem Schlosspark zu.

 

Ein normales kleines Volksfest

100 Jahre Afrika-Museum_04Dort beginnen nun Kleinkünstler ihr Werk. Jongleure mit brennenden Fackeln, Einradfahrer, Diaboloartisten. Die Fassade des Museumsgebäudes hebt sich prächtig in grün-gelblichem Licht der Strahler gegen den langsam dunkel werdenden Abendhimmel ab. Davor weist alles auf das Feuerwerk hin, das gleich in die Luft gehen wird. Es ist der Höhepunkt des Abends.

Warum die Veranstalter so wenig Mühe daran gesetzt haben, die Geburtstagsparty über das Niveau eines normalen kleinen Volksfestes zu heben? Ohne wirklich Akzente auf die Verbindung Belgien und Kongo zu setzen – zum Beispiel mit kongolesisch-belgischen Grillspezialitäten, kongolesischem Bier, Fahnen der beiden Länder? Einer Rede, die etwas auf die Geschichte eingeht, auf das Verhältnis der beiden Länder zueinander – damals und heute? Dem Besucher wurde es während des Festes nicht klar.

Von  Kay Wagner

Fotos: Johannes Wachter, Stefan Schittko

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