28. Juni 2008
Ab dem 1. Juli darf in den Niederlanden nicht mehr in Bars und Restaurants geraucht werden. Schlecht für die Coffee Shops. Nur der Verbrauch von Haschisch wird im Nachbarland weiter geduldet. Ein Joint besteht aber auch aus Tabak, und der ersatzweise Knaster schmeckt nicht jedem. Seid vorsichtig, Grenzgänger: Die Polizei sucht jetzt nach Tabak im Marihuana.
23. Juni 2008
Der Internet-Riese google bewegt sich selten. Jetzt wird das Unternehmen möglicherweise die eMail-Adresse taalklacht@gmail abstellen, weil sie keine private Anschrift darstelle und zur Verunglimpfung anderer auffordere. Flämische Eiferer aus Overijse hatten aufgefordert, Geschäftsleute zu denunzieren, die eine andere Sprache als das Niederländische benutzen. Was bringt das nächste Kapitel im Sprachenstreit?
08. Juni 2008
Die Anbindung von Westberlin in Zeiten der DDR an die BRD durch den Luftkorridor und die Autobahn ist für Professor Jacques Autenne von der UCL ein Vorbild für eine dauerhafte Lösung der Anbindung Brüssels an die Wallonie und des Problems B-H-V. Flandern müsse alle Verbindungswege über Schienen, Straßen und Wasser zwischen Brüssel und der Wallonie an diese abtreten. Im Falle einer Spaltung Belgiens wäre dann der Zusammenhalt der Communauté française Brüssel-Wallonie gesichert.
29. Mai 2008
Es sieht schlecht aus mit der Zahlungsmoral der Belgier. Rund 43 Prozent ausstehender Forderungen werden nicht wie verabredet ausgeglichen. Die Obrigkeitsinstanzen gehören mit im Schnitt 26 Tagen Terminüberschreitung zu den größten Sündern. 2,4 Prozent aller Rechnungen werden nie beglichen. Insgesamt verlieren Industrie und Handel dadurch 7,7 Mrd. Euro. Belgien steht damit auf dem 17.Platz der EU-Länder.
21. Mai 2008
„Nach dem, was wir die letzten Wochen und die letzten 11 Monate mitgemacht haben, fühle ich mich wie ein Zuschauer in einem verwirrenden und grotesken Theaterstück, gespielt von miserablen Akteuren, die kämpfend über die Bühne purzeln, und wobei das Publikum langsam den Saal verlässt“. So der frühere Premier Mark Eyskens in der Gazet von Antwerpen über die politische Krise in Belgien.
17. Mai 2008
Einige Engländer wollten im Bahnhof Vilvoorde wissen, wie sie nach Brüssel kommen. Der Beamte antwortete flämisch: "Ich spreche kein Englisch." Auf Nachfrage kam eine noch deutlichere Antwort: "Wenn ich in London bin und in meiner Sprache etwas frage, antwortet man mir auch nicht auf Flämisch!" Wahrer Kundendienst.
10. Mai 2008
Soll der Wahlkreis Brüssel-Halle-Vilvoorde gleich aufgelöst oder in die Staatsreform eingebaut werden? Manch ein Belgier kam nach der chaotischen Debatte im föderalen Parlament zu dem Schluss: "Die Flamen interessieren sich vor allem für die Ökonomie, die Wallonen nur für die Frankophonie."
03. Mai 2008
Les germanophones ne sont pas des wallons qui parlent l´allemand! Das machte Edmund Stoffels, deutschsprachiger sozialistischer Abgeordneter im wallonischen Parlament deutlich, als über den Plan debattiert wurde, innerhalb Belgiens eine Wallonisch-Brüsseler Föderation zu schaffen. Dann müsste die Deutschsprachige Gemeinschaft ein selbstständiges Bundesland Belgiens werden. - Dies wäre allerdings für die Wallonie nur schwer verdaulich, die dann auf ihre profitabelste Industrie- und Gewerberegion verzichten müsste.
29. April 2008
Bayern ist ein Kulturstaat mit gewachsenen Traditionen - und das soll auch in der Brüsseler Botschaft des Freistaates sichtbar werden. Woran? Am Maibaum! Er wurde gerade von 30 Chiemgauer Trachtlern in traditioneller Weise aufgestellt. Mit den Händen natürlich, und vor allem: vor dem Umtrunk.
20. April 2008
Der liebe Gott hat die Welt in 6 Tagen erschaffen. Jetzt aber muss er eingestehen, dass er sich für das komplizierte Belgien nicht genügend Zeit genommen hat. So der Karikaturist Kroll während einer Diskussion im RTBF über den Vorschlag, Brüssel und die Wallonie zu einer Föderation zusammenzuschließen.
16. April 2008
Mit dem Vertrauen in die Politik steht es schlecht in Belgien. Gerade mal 15 Prozent der Flamen und nur 6 Prozent der Wallonen trauen den Politikern. So eine Umfrage der Wochenzeitung Humo. Mit der Beliebtheit des Königshauses steht es besser. Im Süden des Landes ist es weitaus populärer als im Norden.
09. April 2008
Politik und Unwahrheit liegen oft dicht beieinander. So auch bei Bert Anciaux. Aus Protest gegen Chinas Tibet-Politik will der flämische Minister für Sport die Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele in Peking boykottieren. Nach Recherchen der Zeitung „Het Laatste Nieuws“ ist Anciaux jedoch erst gar nicht eingeladen worden. Das macht es einfach, wegzubleiben.
05. April 2008
Das Programm der Regierung Leterme sei wie ein IKEA-Katalog, stellte der flämische Liberalenchef und Koalitionspartner Bart Somers im „De Standaard“ fest. „Da müssen wir nun aussuchen, welches Schlafzimmer, welchen Salon oder was für eine Küche wir wollen. Ohne ein Projekt ist die Regierung Leterme ein Schiff, das ruderlos auf dem Meer herumtreibt“.
01. April 2008
Die Europäische Union ist bereit die Kosten für den Unterhalt Brüssels auf sich zu nehmen. Voraussetzung ist die europarechtliche Absicherung von Brüssel als ein von Belgien unabhängiges Gebiet. Das bedeutet, dass weder die Frankophonen noch die Flamen ein Mitspracherecht haben. Flandern muss sich eine neue Hauptstadt suchen. Die Wallonie hat bereits Namur, die Communauté Francaise wird dann überflüssig, weil gleichzeitig Englisch als Hauptsprache eingeführt würde.
20. März 2008
Dass es Ostern eine neue belgische Regierung gibt, ist mal wieder der Beweis dafür, dass „neun Monate eine fruchtbare Periode sind“. So der Vorsitzende des belgischen föderalen Parlaments Herman Van Rompuy auf seiner Website. Und selbst wenn es länger gedauert hätte, meinte er unter Anspielung auf eine schwere Geburt, wäre das nicht schlimm. Zwischen 1977 und 1980 habe es eine permanente Regierungskrise gegeben. Und schließlich habe doch eine Einigung das Licht der Welt erblickt.
11. März 2008
Belgium meets Ukraine. Am Rande einer Diskussion mit Premierministerin Julia Timoschenko in Brüssel eröffnete Norwegens Botschafter, gestählt durch seine vorherige Verwendung in Kiew: „Die Wirtschaft entwickelte sich dort dynamisch, ob es eine Regierung gab oder keine.“ Reiner Zufall, dass Belgien gerade eine PR-Aktion anleiert, um ausländische Investoren anzulocken.
09. März 2008
2900 Leser der niederländischen "Volkskrant" haben Charleroi den Titel "hässlichster Platz auf der Welt" verliehen. An zweiter Stelle steht Lüttich, gefolgt von Katowice in Polen. Ein gerechtes Urteil? Die Holländer kennen die Städte ihrer südlichen Nachbarn vor allem von der Durchreise mit angehängtem Campingwagen. Sie hassen alle Industriebrachen- Panoramen. Und da stehen alte Grubenstädte im Vordergrund.
04. März 2008
Yves Leterme kann einen seltsamen Doppelsieg auf seine Fahne schreiben. Die Leser des flämischen Magazins „Humo“ wählten ihn sowohl zum „Mann des Jahres“ als auch zum „Dummkopf des Jahres“. Für den zweiten Titel erhielt er sogar mehr Stimmen. Den Titel „populärster Politiker“ erhielt Guy Verhofstadt gefolgt von Leterme auf Platz 2.
26. Februar 2008
Belgische Familien schmeißen monatlich rund 8 Kilo Essenswaren in den Abfalleimer. Das stellt sich zusammen aus wöchentlich etwa 11 Schnitten Brot, 250 Gramm Früchten und Gemüse, 80 Gramm Fleischwaren und 64 Gramm Käse, wie ein Produzent von Verpackungsmaterial ermittelte. Das macht monatlich einen Lebensmittel-Abfallberg von 37.200 Tonnen aus. Immerhin soll es schon weniger sein als bei einer Befragung vor 4 Jahren. Bon appetit.
21. Februar 2008
Finanzminister Didier Reynders erzählt: Ein belgischer Unternehmer kommt in eine Bank in Vaduz und flüstert zum Schaltermenschen: „Ich möchte eine Stiftung gründen.“ Gegenfrage des Bankangestellten: „Ja, wie viel wollen Sie denn anlegen?“ Der Belgier haucht: „So circa zehn Millionen Euro.“ Darauf der Bankangestellte: „Sie können ruhig laut reden, Armut ist bei uns keine Schande.“ (Belgiens Steuerbehörden vermuten, dass sich bei den Unterlagen Liechtensteiner Banken, die in deutsche Hände gelangt sind, auch Angaben über belgische Steuerhinterzieher befinden.)
30. Januar 2008
Auch Flamen müssen jetzt durch Attest beweisen, dass sie Niederländisch können, wenn sie in Flandern eine Sozialwohnung beanspruchen wollen. Für manch einen, der nur „Vlooms“ in Dialektform beherrscht, ist das, streng gesehen, ein Problem. Hintergrund: Flanderns Regierung will Sozialwohnungen nur an Mitbürger vermitteln, die die Landessprache beherrschen. Prompt hatten frankophone Bürger gegen dieses Dekret Klage bei den europäischen Gerichtsinstanzen wegen Diskriminierung eingereicht. Nun, ihr Flamen, dann lernt mal schnell richtiges Niederländisch!
24. Januar 2008
Die Königliche Familie bekommt in diesem Jahr 13,3 Mio Euro an Dotationen. Das sind gut 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Grund: die Indexierung. Für Belgiens Bevölkerung gilt allerdings nur eine Indexierung von 1,8 Prozent bei einer tatsächlichen Preissteigerung von rund 2,4 Prozent. Der Popularität der Sachsen-Coburger tut das nicht gut, wie aus zahlreichen Reaktionen von Lesern diverser Zeitungen zu entnehmen ist.
21. Januar 2008
Sonntag morgens auf dem Südbahnhof. Auf den Gleisen Müll. Die Wochenend-Fahrpläne sind abgerissen, die Abfallbehälter quellen über, der Eintritt ins WC kostet 50 Cents. Manch einem fehlte dafür das Geld. Willkommen in Brüssel! Unverständlich, dass sich die EU-Hauptstadt so dreckig zeigen muss.
13. Januar 2008
„In der Wallonie werden viel mehr DVDs verkauft als in Flandern. Wer hat wohl die meiste Zeit, um sich die anzuschauen? Haha, maintenant toi! Wir dürfen aber nicht verallgemeinern. Nehmt mal Justine Henin. Endlich eine Wallonische, die Geld herbei schafft. Dann läuft sie damit nach Monaco. Justine, komm zurück und zeig den Wallonen, wie man Geld macht!“ So der flämische Komiker Urbanus über seine wallonischen Landsleute.
05. Januar 2008
Seit dem 1. Januar gibt es Krieg. Von der Brüsseler Dauer-Baustelle Place Flagey muss die Frittenbude entfernt werden. Besitzer Thierry erhielt aber erst vor Tagen einen publikumsfeindlichen Ersatzplatz angeboten. Nun will er nicht gehen, und die Nachbarn verteidigen ihn. Mit Ketchup-Spritzen als Waffen?
19. Dezember 2007
Die neue Miss Belgien aus Lüttich, Alizée Pulicek, beherrscht die Sprache der Flamen nicht. Buh! Es hagelt Proteste aus dem Norden des Landes. Was für ein Glück, dass Guy Verhofstadt nicht nur Französisch beherrscht. Und nicht an Schönheitswettbewerben teilnimmt.
16. Dezember 2007
„Im Kongo leben 40 Stämme und das Land bleibt zusammen. In Belgien gibt es, so die Kongolesen, nur zwei, aber der Fortbestand des Landes ist trotzdem gefährdet. Das kann man dort überhaupt nicht verstehen.“ So Jo Deneckere, „Weißer Vater“ und ehemaliger Missionar im Kongo, während eines Interviews im flämischen Klassiksender Radio Klara. Es ist eben alles eine Frage des Blickwinkels.
09. Dezember 2007
Den liberalen Staatssekretär Vincent Van Quickenborne, bekannt für sein Auftreten gegen kafkaeske Zustände in Gesetzgebung und Verwaltung, stört es nicht, dass die alte Regierung sich nur um "laufende Sachen" kümmern darf. "Ein großer Teil meiner Arbeit bestand darin, Gesetze zu überprüfen und den damit verbundenen verwaltungstechnischen Wirrwarr abzuschaffen. Jetzt können keine Gesetze erlassen werden, also gibt es auch keine administrativen Komplikationen." So etwas nennt man Galgenhumor.
01. Dezember 2007
Eine wahre Geschichte zur politischen Krise. Zwei Ossis aus der Kommission treffen sich. Fragt der eine: „Warum bauen die Belgier KEINE Mauer quer durchs Land?“ Weiß der andere: „Sie können sich nicht einigen, in welcher Sprache man Beton und Stacheldraht bestellt.“
25. November 2007
Was ist ein Rettungswagen? Nach Meinung der liberalen Verhandlungspartner der Christdemokraten bei der Regierungsbildung ist das ein Gefährt, das eingesetzt werden soll, um den „verwundeten“ Premier-Kandidaten Yves Leterme zur heiß ersehnten Adresse Wetstraat 12 rue de la Loi, dem Amtssitz des belgischen föderalen Premierministers, zu transportieren. So „De Standaard“.
21. November 2007
Wegen der Regierungskrise herrscht bei den Politikern Unklarheit, ob und wann neue Steuerquellen angezapft werden können. Der Politologe Evert van Wijk weiss immerhin schon, wohin neues Geld fließen sollte: "Vielleicht in die organisierte Ineffizienz als Folge von politischen Ernennungen, bei der Leute einen Posten erhalten auf der Basis von wen man kennt - statt was der kann."
11. November 2007
Wenn Yves Leterme, Fan von Standard Lüttich, die Regierungsbildung nicht schafft, kann er eine Karriere als Fußball-Analytiker beginnen. In "Het Nieuwsblad" sagte er die Resultate bei 7 von 9 Spielen am letzten Oktoberwochenende richtig voraus. Er schlug seine Mitstreiter um Längen.
30. Oktober 2007
Ein Leser der Zeitung Dernière Heure beschreibt den Unterschied zwischen einer Diktatur und Belgien: In einer Diktatur haben die Leute nichts zu sagen; im demokratischen Staat Belgien hört man nicht auf die Leute….
28. Oktober 2007
Neulich im Franz-Kurs. Frage ans kunterbunte Multikulti-Auditorium: "Was gefällt oder missfällt Ihnen an Belgien?". Eine nette Kollegin aus La Paz, Bolivien: "Mir gefällt der wunderschöne Himmel hier". Du glaubst es nicht! La Paz liegt 3600 hoch, mitten in Anden.
20. Oktober 2007
Marc Dutroux, Mörder und Kinderschänder, hat in einem Brief seine Haftbedingungen in Ittre mit den Zuständen im Konzentrationslager Buchenwald verglichen. So schreibt nur ein wirklicher Psychopath, sagt dazu Paul Marchal, Vater von An, die Dutroux zum Opfer fiel.